0 Bewertungen
31.03.2008 

Am besten lässt sich das Phänomen mit einem Zahlenbeispiel illustrieren. Stellen Sie sich ein Land vor, dessen Bruttoinlandsprodukt (BIP) heute 1 000 Mrd. Euro beträgt. Bei einem jährlichen Wachstum von drei Prozent würde das BIP bis 2018 auf 1 344 Mrd. Euro klettern.

Was passiert aber, wenn das Land im ersten Jahr in eine Finanzkrise gerät und das BIP um fünf Prozent schrumpft? Selbst, wenn sich die Wirtschaft schnell erholt und nach einem Jahr wieder mit drei Prozent wächst, läge das BIP im Jahr 2018 nur bei 1 240 Mrd. Euro. Um den durch die Finanzkrise verursachen Wohlstandsverlust innerhalb von zehn Jahren aufzuholen, müsste die Wirtschaft nach der Krise jährlich um fast vier statt um drei Prozent wachsen.

Solch eine Aufholjagd aber findet in der Realität so gut wie nie statt, stellen Cerra und Saxena fest.

Die beiden Wissenschaftlerinnen unterscheiden in ihrer Untersuchung die Auswirkungen von Banken- und von Währungskrisen. So kostet eine Währungskrise ein Land im Schnitt rund vier Prozent seiner Wirtschaftsleistung. In Industrieländern führt Chaos auf dem Devisenmarkt zu geringeren Einbußen als in Entwicklungsländern. Weder reichen noch armen Staaten gelingt es laut Cerra und Saxena allerdings, diese Einbußen innerhalb von zehn Jahren wieder auszugleichen.

Doch Währungskrisen muten fast noch harmlos an im Vergleich zu Bankenkrisen. Wenn Banken eines Landes nachhaltig ins Trudeln geraten, kostet das die Wirtschaft im Schnitt 7,5 Prozent seiner Wirtschaftsleistung, stellen die Wissenschaftlerinnen fest. Was die Sache noch dramatischer macht: In hoch entwickelten Industriestaaten haben Bankenkrisen in der Vergangenheit besonders großen Schaden angerichtet.

Der ökonomische Super-Gau tritt ein, wenn es gleichzeitig bei den Banken und auf dem Devisenmarkt brennt. In solchen Fällen bricht das BIP im Durchschnitt um zehn Prozent ein und erholt sich innerhalb von zehn Jahren nicht. Angesichts der chronischen Schwäche der US-Währung, die nach Ansicht mancher Beobachter in einem regelrechten Dollar-Crash münden könnte, ist dies ein besonders beunruhigendes Resultat.

Was sich aus den historischen Erfahrungen für die aktuelle Finanzkrise schließen lässt, das diskutieren Cerra und Saxena nicht. Aus ihren Ergebnissen lassen sich aber folgende Schlussfolgerungen ziehen: Langfristig muss die Bankenaufsicht so gut sein, dass es gar nicht erst zu einer Krise kommt.

Wenn aber – wie momentan – das Finanzsystem ernsthaft wackelt, dann sollten Geld- und Fiskalpolitik alles daran setzen, um das Ausmaß der Krise zu minimieren. Angesichts des Gefahrenpotenzials erscheinen auch ordnungspolitisch an sich fragwürdige Aktionen durchaus angemessen – zum Beispiel die Rettung einzelner Geldhäuser durch die Zentralbank wie im Falle Bear Stearns oder drastische Zinssenkungen trotz Inflationsrisiken.

» Klicken Sie hier, um die gesamte Studie in einer kostenlosen Working-Paper-Version herunterzuladen.


»  Neue Trends in VWL und BWL – der Ökonomie-Newsletter bringt sie einmal pro Woche auf den neuesten Stand


Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Forum Diskussionen zu diesem Beitrag im Forum
  Alle anzeigen
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Ich, das Genie

14.07.2008
Anzeige

weiterTop-Downloads

Hot Papers in VWL und BWL  Artikel in Merkliste

12.07.2008

Wie lassen sich Rohölpreise und Bärenmärkte an der Börse besser prognostizieren? Und kämpft die US-Notebank mit den richtigen Mitteln gegen die Finanzkrise? Mit diesen Fragen beschäftigen sich ökonomische Forschungspapiere, die derzeit im Web besonders häufig herunterladen werden. Lesen Sie mehr über die "Hot Paper" in BWL und VWL. Artikel


weiterDas Grüner-Blog

Die EZB kommt vom Kurs ab 

10.07.2008Das Grüner-Blog

Die Inflationsrate in Europa ist auch bei Berücksichtigung der Energiepreise etwas zu hoch. Wer glaubt, das läge an der Reaktion der EZB auf die Subprime Krise, liegt falsch. Blog


weiterKrämers Konjunktur-Kommentar

Ifo, Einkaufsmanagerindex: Empfindliche Rückschläge 

23.06.2008Krämers Konjunktur-Kommentar

Im Juni sind sowohl das Ifo-Geschäftsklima (101,3 nach 103,5) als auch die Einkaufsmanagerindizes für den Euroraum deutlich gefallen. Aber noch überwiegt im EZB-Rat zu Recht die Sorge um die Inflation. Blog


weiterHarald Uhlig - Makro und mehr

Danke, lrland! 

15.06.2008Harald Uhlig - Makro und mehr

Demokratie und Freiheit funktionieren noch in Europa!   Nachdem das Volk Europas das 400-Seiten starke Eurokraten-Monstrum, dass man tatsächlich mal “Vefassung für Europa” nannte, in Bausch und Bogen abgelehnt hatte, hatte die Politiker-Elite Europas eine clevere Idee. Blog