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21.04.2008 

Vor der Entscheidung wurde jeder Proband gefragt, ab welcher Erfolgswahrscheinlichkeit er sich für die risikoreiche Variante entscheiden würde. Wer wusste, dass ein Mensch und nicht der Zufall über das Ergebnis die Summe entschied, die man einstreichen kann, verlangte eine deutlich höhere Erfolgswahrscheinlichkeit - war also deutlich risikoscheuer. Die Probanden hätten sich nur bei einer um 15 Prozentpunkte höheren Gewinn-Wahrscheinlichkeit auf dieses Wagnis eingelassen. Die Versuchsteilnehmer zogen es vor, die Möglichkeit auszuschließen, unfair behandelt zu werden. Dafür verzichteten sie auf einen Teil des Geldes, das sie hätten verdienen können.

War dagegen der Zufall für das Endergebnis verantwortlich, dann waren die Probanden viel schneller bereit, sich auf das Risiko einzulassen. Die Wissenschaftler nennen dieses Phänomen "Betrugsaversion".

Um herauszufinden, welche Rolle kulturelle, soziale, politische oder ökonomische Faktoren dabei spielen, machten die Ökonomen die gleichen Experimente in sechs Ländern, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Brasilien, China, Oman, der Schweiz, der Türkei und den USA.

Unter dem Strich, so das Ergebnis, ist die Betrugsaversion tief in der menschlichen Psyche verankert. Die Versuchspersonen verhielten sich in allen sechs Ländern ähnlich - in den USA und Oman war die Abneigung gegen Betrug etwas stärker ausgeprägt, in Brasilien, Chile und der Schweiz etwas geringer.

Überall interessierten sich die Menschen nicht nur für das Endergebnis, sondern auch dafür, wie es zustande gekommen ist. Wenn ein anderer aufgrund höherer Gewalt besser dasteht als man selbst, akzeptieren wir dies eher als bei unfairem Verhalten dieser Person.

Die Autoren folgern daraus, dass im realen Leben viele Chancen ungenutzt bleiben. Denn aus der Angst heraus, von anderen enttäuscht zu werden, würden Risiken häufig vermieden. "Moderne Volkswirtschaften haben mit Versicherungen und Haftungsregeln viele Instrumente, die die materiellen Kosten von Betrug reduzieren", schreiben die Forscher. Da aber der emotionale Schaden ebenfalls eine Rolle spielt, sei es "wichtig, auch die Wahrscheinlichkeit, betrogen zu werden, zu reduzieren - zum Beispiel, indem man durch den Aufbau von Reputationssystemen Anreize schafft, ehrlich zu sein". Wie so etwas funktioniert, macht Ebay mit seinem Bewertungssystem vor.


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