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15.10.2003 
FALKENSTEINS WEINPROBE

Geheimtipp vom Rhein

von Pit Falkenstein, Weinautor des Handelsblatts

Auch wenn Hammerstein am nördlichen Ende des westdeutschen Weinbaus liegt, gedeiht der Riesling dort prächtig.

Hammerstein, zu finden zwischen Koblenz und Bonn, ist eine Kurzreise wert. Das Dörfchen liegt in einer kleinen Bucht geschützt zwischen zwei mächtigen Felsen, von denen zumindest einer, sagen die Menschen dort, so schön ist wie die Loreley, nur nicht so bekannt. Der 320-Seelen-Ort besitzt sechs Gaststätten und ein Hotel. Die meisten Gäste kommen aus der näheren Umgebung, vor allem aus Neuwied, um dort zu wandern und manch Gläschen zu kosten.

Auch wenn Hammerstein am nördlichen Ende des westdeutschen Weinbaus liegt, gedeiht der Riesling dort prächtig. Und Georg Scheidgen, führender Winzer im Ort, legt sich ins Zeug. Der 40-Jährige, ein drahtiger, quirliger Kerl, schon aus der Ferne am Blondschopf zu erkennen, ist ständig in den steilen Hängen unterwegs, um überschüssige und faule Trauben zu entfernen.

Ältere Winzerkollegen, deren Knochen nicht mehr mitmachen, verpachten ihm gerne ihre Rebgärten. So kam Hammerstein im Laufe der Zeit zu einer beachtlichen Fläche mit alten Weinstöcken. Vater Heinrich hilft trotz seiner 70 Jahre wacker mit. "Wenn ich den nicht hätte", weiß der Sohn, "wüsste ich nicht, wie ich im Herbst rumkäme." Sie arbeiten harmonisch zusammen. Beiden gemeinsam ist die Vorliebe für herbe Tropfen.

Nur einmal, vor etlichen Jahren, protestierte der Senior, als sein Georg den Keller umrüstete, um den Most im Herbst kühlen zu können. "Das brauchen wir nicht", knurrte der Alte. Doch heute gibt er zu, dass die Weine seitdem noch fruchtiger und geschliffener schmecken.

Bei einer großen Mittelrhein-Probe in Koblenz fiel ein halbtrockener Hammerstein-Riesling angenehm auf. Der Wein blieb, wie die Winzer sagen, in der Gärung stecken. Der Hauch Restsüße verstärkt alle Aromen - ein gaumenfüllendes Ereignis mit wenig Alkohol.

Die zarte Spätlese wuchs in der Lage "In den Layfelsen". "Dort liegt reiner Schiefer", macht Georg Scheidgen aufmerksam. Aber eben kein Moselschiefer. Schon beim Einschenken steigen rauchige Töne auf, die auf vulkanischen Ursprung hinweisen. Ungewöhnlich ist die an Birnen erinnernde Frucht, abgerundet von einem Hauch Kamille.

Das passende Rezept lebt vom Kontrast zwischen mild und scharf. Zuerst ein cremiges Kartoffelpüree stampfen, sodann geschälte, entkernte Birnen würfeln und in der Pfanne mit ausgelassener Butter erhitzen. Fein gehackte Zitronenschalen hinzufügen und alles zusammen geben. Mit etwas Curry oder - raffinierter noch - mit gemahlenem Gelbwurz (beim türkischen Händler als Sari Kök zu kaufen) abschmecken. Dazu herzhaft mit Piment gewürzte Buletten braten.

Zur Käseplatte hernach schmeckt der Riesling auch vorzüglich.

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