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HANDELSBLATT, Samstag, 1. Dezember 2007, 13:49 Uhr
Kompliziertes Verfahren

Der Vorwahl-Marathon: Caucuses und Primaries


Alle vier Jahre im November wählen die US-Bürger ihren Präsidenten neu. Die Weichen für die Wahl werden schon viel früher gestellt – ab Januar durch die Vorwahlen und im Sommer durch die Parteikonvente.


Am 4. November 2008 findet die 56. Wahl des Präsidenten der USA statt. Es muss ein Nachfolger für George W. Bush gefunden werden, der nach zwei Amtszeiten nicht mehr kandidieren darf. Wer Kandidat wird, entscheidet sich in einem mehrmonatigen Vorwahlkampf. Die Vorwahlen der Demokraten und Republikaner beginnen im Januar mit dem Höhepunkt im Februar, wo am sogenannten Super Tuesday in mehren Bundesstaaten Vorwahlen stattfinden.

In 14 Bundesstaaten findet ein sogenannter Caucus statt. Dabei stimmen die Parteimitglieder jeweils in ihren Orten über die Kandidaten ab. Vordergründig werden zwar als Ergebnis des Caucus lediglich die Delegierten für die National Convention, eine Art Bundesparteitag bestimmt, diese werden jedoch in der Regel auf einen bestimmten Kandidaten festgelegt.

Häufiger als der Caucus ist die Primary in 36 der 50 Staaten. Es gibt „offene“ Primaries, bei denen die Wähler ungeachtet ihrer Parteizugehörigkeit abstimmen können; Republikaner könnten also bei den Demokraten für einen Kandidaten stimmen. Bei den „geschlossenen“ Primaries bleiben die Mitglieder und Sympathisanten der Parteien unter sich. Um stimmberechtigt zu sein, reicht es im Allgemeinen aus, sich auf der Internetseite einer Partei einzutragen.

Die ersten Entscheidungen sind für den Vorwahlkampf von großer Bedeutung, da ihnen besondere mediale Aufmerksamkeit zukommt. So wird das Wahljahr traditionell mit dem Iowa-Caucus (3. Januar) eröffnet, bevor dann die erste Vorwahl im Staat New Hampshire (8. Januar) stattfindet. Wer sich hier durchsetzt, hat in der Regel gute Karten bei den folgenden Wahlen.

Um den unverhältnismäßig großen Einfluss der Voten von Iowa und New Hampshire auszugleichen, haben andere Staaten ihre Vorwahlen an einem Tag zusammengelegt. Am Super Tuesday – diesmal am 5. Februar– fällt dann in 24 der insgesamt 50 US-Bundesstaaten die Entscheidung.

Offiziell werden die jeweiligen Präsidentschaftskandidaten erst bei den National Conventions im Sommer gekürt. Diese Veranstaltungen sind jedoch reine Propaganda- und Showevents, da die Kandidaten zu diesem Zeitpunkt längst feststehen. Die Demokraten zelebrieren diesen Parteitag vom 25. bis 28. August in Denver, die Republikaner vom 1. bis 4. September 2008 in St. Paul (Minnesota). Dann beginnt die wirklich heiße Wahlkampf-Phase bis zum November.

Am 4. November dürfen die US-Wähler schließlich zu den Urnen gehen. Aber die Wahl geht indirekt über die Bühne. In jedem Bundesstaat wird bestimmt, welche Partei ihre Wahlmänner in das Electoral College, das Wahlmännerkollegium, senden darf.

Dieses Gremium stimmt in letzter Instanz über den neuen Präsidenten ab. Insgesamt gibt es 538 Wahlmänner. Ihre Anzahl pro US-Bundesstaat errechnet sich aus der Summe der Sitze, die der jeweilige Staat im Kongress hat. Am stärksten vertreten ist entsprechend der höchsten Bevölkerungszahl Kalifornien (54 Wahlmänner). Für die Kandidaten ist es deshalb besonders wichtig, die Wahlen in großen Bundesstaaten zu gewinnen, da sie viele Stimmen im Kollegium bringen. Der Präsident braucht mindestens 270 Wahlmännerstimmen, um gewählt zu werden.

Gewinnt einer der Präsidentschaftskandidaten die Mehrheit in einem Bundesland, stehen ihm dort also alle Wahlmänner zu. Dieses Prinzip des „the winner takes ist all", wird auch als „general ticket“ bezeichnet und kann, wie bei der Wahl von George W. Bush im Jahr 2000, zu Verzerrungen führen: Das Wahlsystem war damals in die Kritik geraten, da Bush dank der Stimmen aus Florida Präsident werden konnte, obwohl die Mehrheit der US-Bevölkerung für Al Gore gestimmt hatte. Eine solche Situation gab es in der amerikanischen Geschichte zuletzt 1888.


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Showdown mit Signalwirkung


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Markus Ziener

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