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HANDELSBLATT, Montag, 10. Dezember 2007, 13:51 Uhr
Wahlmänner und andere Besonderheiten

Die Präsidentschaftswahl: The winner takes it all

Der US-Präsident wird nicht direkt gewählt. Zwischen Volk und Staatschef stehen die Wahlmänner. Um ins Weiße Haus einzuziehen, muss ein Kandidat die absolute Mehrheit von 270 Wahlmännerstimmen erhalten. Ein Überblick zur Wahl des amerikanischen Staatsoberhauptes.


Wer die meisten Stimmen hat, gewinnt. Eine einfache Regel für die meisten Wahlen - aber nicht unbedingt für das Rennen um das Weiße Haus. Das System zur Wahl des US-Präsidenten stammt aus dem 18. Jahrhundert, und während Experten für internationales Wahlrecht es als völlig antiquiert bezeichnen, halten die Amerikaner unbeirrt daran fest.

Der Kernpunkt: Der Präsident wird nicht direkt vom Volk gewählt, sondern von einem Gremium von Wahlmännern. Wer mindestens 270 der 538 Stimmen auf sich vereint, ist der Sieger. Das System macht es wie im Jahr 2000 im Rennen zwischen dem Republikaner George W. Bush und dem Demokraten Al Gore möglich, dass ein Politiker ins Weiße Haus einzieht, der nicht die Mehrheit der Stimmen des Volkes (popular vote) auf sich vereinigt hat.

Voraussetzung für eine Präsidentschaftskandidatur ist ein Mindestalter von 35 Jahren, von denen 14 in den USA verbracht worden sein müssen. Auch muss ein Kandidat die US-Staatsbürgerschaft von Geburt an besitzen.

Der Wahltag

Gewählt wird der US-Präsident alle vier Jahre am ersten Dienstag im November – dieses Jahr also am 4. November. Jeder volljährige US-Bürger, der die notwendigen Voraussetzungen zur Wahlberechtigung in seinem Bundesstaat erfüllt, kann seine Stimme abgeben. Zu den Vorgaben kann beispielsweise gehören, sich als Wähler registrieren zu lassen.

Das Wahlkolleg

Die US-Bürger wählen den Präsident nicht direkt, sondern über 538 Wahlmänner. In diesem sogenannten „electoral college“ ist jeder einzelne Bundesstaat vertreten - wie stark, das orientiert sich an seiner Präsenz in den beiden Kammern des US-Kongresses. Das Minimum liegt bei drei wie im Falle von Alaska. Die meisten Wahlmänner und -frauen hat zurzeit Kalifornien mit 55, gefolgt von New York (31) und Florida (27). Vorgeschlagen werden die Wahlmänner von den politischen Parteien und den unabhängigen Kandidaten; welche Wahlmänner letztlich entstandt werden, entscheidet der Wähler.

Das Prinzip „The winner takes it all“

Das Wahlverfahren ist von Staat zu Staat unterschiedlich. Bis auf wenige Ausnahmen gilt das Prinzip „the winner takes it all“ - der Sieger bekommt alles. Das heißt: Die Wahlmänner-Stimmen des jeweiligen Staates werden komplett jenem Kandidaten zugeordnet, der im Staat die meisten Wählerstimmen erhalten hat. So heimste im Jahr 2000 Bush alle 25 damaligen Stimmen Floridas im Wahlmännergremium ein, obwohl er in dem Staat nach amtlichem Ergebnis nur über 537 Wählerstimmen mehr als Gore verfügte. Wären die Wahlmänner-Stimmen proportional verteilt worden, hätten Bush 13 und Gore 12 zugestanden. Gore wäre Präsident geworden.

In 48 der 50 Bundesstaaten erhält also der Kandidat mit einer Mehrheit der abgegebenen Stimmen in einem Bundesstaat auch alle Wahlmännerstimmen. Nur in Nebraska und Maine werden die Stimmen aufgeteilt.

Eid und Wiederwahl

Nach dem Wahltag treffen sich die Wahlmänner am ersten Montag nach dem zweiten Mittwoch im Dezember in den Hauptstädten ihrer Bundesstaaten zur Stimmabgabe und wählen offiziell den nächsten Präsidenten, dessen Amtszeit am 20. Januar beginnt. Seit 1951 darf der Präsident nicht mehr als zwei Amtszeiten dienen.


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Markus Ziener

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