0 Bewertungen
08.01.2008 
Wahl-Tagebuch

Polit-Tourismus in New Hampshire

von Markus Ziener

Bill Clinton wirbt für seine Frau Hillary und tut das mit größtem Einsatz. Kaum eine Frage, kaum einen Autogrammwunsch lässt er offen. Das lassen sich viele Wähler nicht entgehen.

CLAREMONT. Sam und Jill warten seit über einer Stunde auf Bill Clinton. Der Ex-Präsident lässt sich Zeit mit seiner Ankunft im Opernhaus von Claremont in New Hampshire. Denn wenn der Ex-Präsident einmal in Fahrt kommt, dann antwortet er gerne ausführlich auf die Fragen der Besucher. So war das auch bei seinem vorherigen Stopp, als er in Keene einen „Downtown-Walk“ absolvierte.

Doch dann läuft ihm die Zeit davon. „Bill ist immer zu spät“, sagt einer, der ihn bereits seit Tagen in Iowa und New Hampshire beobachtet hat. Doch die Menschen warten geduldig auf den wohl derzeit beliebtesten Ex-Präsidenten.

Sam und Jill sind aus dem benachbarten Vermont nach New Hampshire gekommen, um Bill Clinton zu sehen. Die Wartezeit vertreiben sich die beiden damit, dass sie die Landkarte und die Entfernungen studieren. Am Vormittag bereits waren sie in Lebanon und haben dort Barack Obama gesehen, danach beobachteten sie den Republikaner John McCain in Hanover, jetzt sind sie bei Bill. Ob es dann noch für einen Trip zu Hillary reicht, die am Abend in einer High School in Salem auftritt ist fraglich. „Das schaffen wir nicht“, sagt Jill zu ihrem Mann, nachdem sie die Meilen zusammen addiert hat. „Reicht ja auch für heute“ gibt der zurück. Politikerschauen kann anstrengend sein.

Für viele Menschen in den ersten Bundesstaaten mit Vorwahlen sind die Tourneen der Kandidaten ein echter „event“. Favoriten sind dabei die Obama-Auftritte, die immer wieder den Glanz von Rockkonzerten haben: Sie sind laut, bunt und dynamisch. Aber auch John Edwards setzt auf Jugend und Rock. Auf den ersten Wahlstationen sind die Bewerber dabei noch hautnah zu erleben. Später, wenn in den großen Bundesstaaten gewählt wird, spielt sich die Präsenz vor allem über die Medien ab. Zudem sind dann meist schon viele der Kandidaten ausgeschieden und gar nicht mehr zu sehen.

Als nach eineinhalb Stunden Bill Clinton endlich mit weißgrauem Haar und reichlich müde auf die Bühne tritt, ist für einen langen Moment großer Respekt zu spüren. „Ihr habt mich immer gut behandelt“, erinnert Clinton an seine vergangenen Siege in New Hampshire. Dann bittet er darum, diese Sympathie auch auf seine Frau zu übertragen. Als Clinton dies sagt, wirkt er gar nicht so souverän, dafür aber ganz nah. „Das ist New Hampshire“, sagt Sam und Jill nickt. „So direkt würden wir einen solchen Mann sonst nie erleben“.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Kandidat der Demokraten

Barack Obama: der neue Star  Artikel in Merkliste

06.06.2008Barack Obama Foto: Archiv

Barack Obama (46) ist nach John F. Kennedy der jüngste Anwärter aufs Weiße Haus. Noch vor kurzem galt der politische Newcomer vielen als Modeerscheinung. Die „Obamania“, die Begeisterung vor allem unter jungen Amerikanern für ihn, war jedoch von Dauer. Von Obama erhofft sich die Nation Weihe, Waschung und Wunder. Artikel


Kandidat der Republikaner

John McCain: der Veteran  Artikel in Merkliste

06.06.2008John McCain Foto: Reuters

Abgehärtet durch seine Lebenserfahrung präsentiert sich McCain als einer, der sich in seinem Urteilsvermögen nicht beirren lässt. Sein Trumpf im Duell mit Obama ist die große Erfahrung in der Außen- und Sicherheitspolitik. Doch nicht allen Republikanern ist er der liebste Kandidat. Artikel


Anzeige

weiterBildergalerien

 

zurück  vor
  • Obama auf Schloss Neuschw...

    Obama auf Schloss Neuschwanstein

    Die Republik steht Kopf, seit US-Präsidentschaftskandidat Barack Obama angekündigt hat, einen Fuß auf deutschen Boden zu setzen. Doch prompt hat sich sein außenpolitisch unerfahrenes Team mit den Plänen für einen öffentlichen Auftritt am Brandenburger Tor in die Nessel...Bildergalerie 

  • Obama sucht den Vize

    Obama sucht den Vize

    In einem harten Vorwahlkampf hat sich Barack Obama durchgesetzt. Noch in dieser Woche will er nun entscheiden, wer im Falle eines Wahlsiegs als Vizepräsident mit ihm ins Weiße Haus einziehen soll. Die Liste der möglichen Mitstreiter ist lang.Bildergalerie 

  • Was Hillary von Verlierer...

    Was Hillary von Verlierern lernen kann

    Hillary Clinton hat den Vorwahlkampf der Demokraten verloren und sich voll hinter Barack Obama gestellt. Aber eine Wahlkampfniederlage muss nicht gleich das politische Ende bedeuten. So mancher gescheiterter Kandidat überraschte mit einem Comeback. Bildergalerie 

  • Barack Obama – Kindheit u...

    Barack Obama – Kindheit und Karriere

    Barack Obama ist für viele Amerikaner ein Hoffnungsträger, der nach den Bush-Jahren neuen Schwung nach Washington bringen könnte. Der Harvard-Absolvent, der einen ungewöhnlichen Lebensweg hinter sich hat, wäre der erste schwarze US-Präsident. Bildergalerie