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20.03.2008 
Was im US-Wahlkampf wirklich interessiert

Neuigkeiten aus dem „Oral Office“

von Georg Watzlawek

Rassismus, der Irak-Krieg, die drohende Rezession – wichtige Themen, die den Kampf um das Weiße Haus entscheiden werden. Aber seien wir ehrlich: Viel mehr interessieren uns die Sex-Eskapaden von John McCain, Eliot Spitzer, David Paterson und, immer noch, Bill Clinton. Gerade hier gibt es einige Neuigkeiten.

Die Äffäre des ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton mit Monica Lewinsky beschäftigt auch den aktuellen Wahlkampf. Foto: dpaLupe

Die Äffäre des ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton mit Monica Lewinsky beschäftigt auch den aktuellen Wahlkampf. Foto: dpa

DÜSSELDORF. Hillary Clinton hat jetzt ihre Kalender aus ihrer Zeit als First Lady veröffentlicht, um ihre Erfahrung in Gesundheitsfragen und der Außenpolitik zu dokumentieren. Doch es kommt wie es kommen musste: Die Journalisten rekonstruierten zuerst, wo eigentlich Hillary war, als sich Ehemann Bill mit Praktikatin Monica Lewinsky im Oval Office – scherzhaft auch „Oral Office “genannt – vergnügte.

Eigentlich ist es unfair, im Privatleben der Politiker zu graben - finde ich ja auch. Aber die prüden Amerikaner bieten ja jede Einladung dafür selbst an. Aus purer Panik, irgendwann könnten seine Sünden der Vergangenheit ans Licht kommen, stellte sich zuletzt New Yorks neuer Gouverneur David Paterson. Gleich mehrere Seitensprünge habe es gegeben, darunter auch mit einer Angestellten, beichtete der schwarze und blinde Politiker. Seine Begründung war besonders orginell: Seine Frau (die bei dem Auftritt brav daneben stand), habe ja angefangen - dafür habe er sich rächen wollen. Und: „Ich wollte ehrlich zu den Bürgern von New York sein, damit sie wissen, wer ihr neuer Gouverneur ist und dass er sein Amt ernst nimmt.“

Nur wenige Tage zuvor hatte Eliot Spitzer, der zuvor als Staatsanwalt die Wall Street aufgeräumt und einen Feldzug gegen Prostituierten-Ringe geführt hatte, sein Amt als New Yorker Gouverneur abgeben müssen. Weil er sich genau aus so einem Ring regelmäßig Prostituierte orderte - und sich dann auch noch von genau den Überwachungsinstrumenten überführen ließ, die er selbst zuvor initiert hatte. Aber das weiß ja inzwischen jeder. Ist der Fall doch in den deutschen Medien weitaus intensiver gewürdigt worden als zum Beispiel Barack Obamas historische Rede zur Rolle des Rassismus in Amerika.

Bei Spitzer weiß man inzwischen nicht mehr, ob man bei so viel Scheinheiligkeit und Dummheit eher Verachtung oder Mitleid empfinden soll. Ähnlich ambivalent, aber deutlich positiver gefärbt ist dagegen das Interesse für den Sunnyboy Bill Clinton, dessen Ruhm als großer Erneuerer im Weißen Haus nach wie vor durch seine Affären überschattet wird. Und auch er und seine Gattin sind mehr denn je öffentliche Figuren, denen in Amerika schon längst kein Recht auf eine Privatsphäre zugebilligt wird. Nicht ganz freiwillig hat Hillary Clinton, die sich nach wie vor große Hoffnungen macht, erste Präsidentin der USA zu werden, jetzt alle Dokumente aus der Regierungszeit von Bill im Internet zugänglich gemacht - die Seiten der Clinton-Library werden derzeit eifrig angeklickt.

Wo Hillary war, als...

Nicht, dass die Lektüre besonders spannend ist. Rund 4400 der insgesamt 11 000 Seiten sind zudem zum Teil geschwärzt, oft sind nur "Private Meetings" ohne Angabe der Teilnehmer verzeichnet. Aber wer suchet, der findet. Und ganze Legionen von Journalisten legen derzeit Nachtschichten ein, um sich durch die Seiten zu klicken.

Die Nachrichtenagentur AP verzeichnete bereits einige Treffer, die CNN genüsslich unter der Schlagzeile "Hillary war während Bills Begegnungen mit Monica Lewinsky im Weißen Haus". Zum Beispiel Sonntag, der 7. Januar 1996, als die Praktikantin und der Präsident den größten Teil des Nachmittags zu zweit im Oval Office verbrachten - und sich Hillary Clinton auf ein privates Abendessen mit 20 Freunden im "Old Family Dining Room" vorbereitete.

Am 28. Februar 1997, als Lewinsky nach eigenen Angaben in der Mittagspause in einem Nebenraum des Oval Office Oralsex hatten, kamen sich die Praktikantin und die First Lady offenbar besonders nah: Der Tischkalender von Hillary Clintons verzeichnet in der fraglichen Zeit zwischen 11 und 12.30 Uhr mehrere Treffen im Map Room und im Diplomatischen Empfangsraum - nur wenige Schritte entfernt.

Müssen wir das alles so genau wissen? Eigentlich nicht. Aber diese Fakten werden Einfluss darauf haben, wer nach George W. Bush ins Weiße Haus einzieht. Und damit ist es doch nicht so ganz unwichtig.


Links zum Thema im Web:

» Hillary Clintons Daily Schedules in der Clinton-Library
» CNN zur den Tagebucheinträgen
» Barack Obamas Rede zur Rassenfrage
» Weblog: The Real Dangers in Clinton's White House Schedule
» New York Times: Clinton’s White House Schedules Are Released
» Washington Post: In Hillary Clinton's Datebook, A Shift

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