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HANDELSBLATT, Mittwoch, 9. April 2008, 15:47 Uhr
Condoleezza Rice

John McCains bessere Hälfte


An sechs Tagen der Woche steht Condoleezza Rice um 4.30 Uhr auf und treibt Frühsport. Bis in die Nacht ist sie unterwegs, um die Krisen dieser Welt zu verarzten. Doch in den Medien wird Bushs Außenministerin kaum wahrgenommen. Es sei denn, sie begibt sich in die Innenpolitik und frühstückt mit Grover Norquist, dem mächtigen Chef der konservativen Lobbygruppe Americans for Tax Reform.


Auch in der Rassendebatte wagte sich Rice unverhofft aus der Deckung und stellte sich neben Barack Obama. Seither wird sie als potenzieller Running Mate von John McCain beim Kampf um das Weiße Haus gehandelt. Einzelne US-Kolumnisten sehen sie gar schon auf dem Chefsessel – spätestens 2013. Die Vorstellung hat Charme. Eine junge, schwarze, weibliche Kandidatin an der Seite des weißhaarigen Machos könnte die Demokraten, die sich nicht zwischen „dem ersten schwarzen Präsidenten“ und „der ersten Präsidentin“ entscheiden können, plötzlich ziemlich alt aussehen. Eine nette Spekulation, aber ziemlich ausgeschlossen.

Rice, die nicht nur in der Außenpolitik, sondern auch als Pianistin und früher als Ballerina exzellent war, dreht einige Pirouetten, um die Spekulationen zu dämpfen. „Ich habe es immer wieder gesagt: wenn ich mir etwas nicht vorstellen kann, dann ist es, mich für ein öffentliches Amt zur Wahl zu stellen“. Nicht einmal zur Schulsprecherin habe sie sich wählen lassen. Sie werde den Job im State Departement bis zum letzten Tag erfüllen und dann an ihre Uni zurückgehen, nach Stanford in Kalifornien. Ihr Traum ist es zwar, Präsident zu werden. Aber Präsident der National Football Leaque.

Auch McCain hat bislang nichts von Rice vernommen: „Bei mir sind keine Signale angekommen.“ Zwar lobt er die 53-Jährige als „großartige Amerikanerin“ und als „Modell für viele Millionen Menschen in diesem Land und in der Welt“, aber er gibt ihr auch einen Teil der Mitverantwortung für das Mismanagement der USA im Irak.

Viel schwerer wiegen wahltaktische Argumente gegen Rice. Wie der Kandidat selbst hat die Russland-Expertin ein sicherheits- und außenpolitisches Profil, aber weder Verbindungen in den sozialkonservativen Flügel der republikanischen Partei noch wirtschaftpolitische Expertise. Doch genau das wird McCain brauchen, wenn er das Wählerpotenzial auf der Rechten voll ausschöpfen will. Und daher wird eher sein Ex-Intimfeind Mitt Romney der Running Mate als Condoleezza Rice. Leider.


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Markus Ziener

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