PolitikDas politische Feature
WebNewsDieser Artikel als DruckversionSchlagzeile per E-Mail verschicken
HANDELSBLATT, Donnerstag, 1. Mai 2008, 09:10 Uhr
Gewerkschaften und die SPD

Unbeholfene Annäherungsversuche


Wenn die Gewerkschaften am heutigen Donnerstag ihre Mai-Kundgebungen abhalten, dann wirkt es fast so, als sei die gute alte Zeit zurückgekehrt. Standortdebatte? Globalisierungszwänge? Niedergang der Gewerkschaften? Alles vergessen. Die Entbehrungen und Verwerfungen der Reform-Agenda 2010 scheinen abgeschüttelt.


 Mehr zum Thema: Bundes-SPD
Artikel

SPD-Abgeordnete offen für Linke (10.05. 13:20)

Artikel

SPD hält K-Frage weiter offen (07.05. 13:52)

Artikel

Beck sackt auf neues Tief (02.05. 07:10)

Zum Special ...



Der Vorsitzende der SPD, Kurt Beck, und DGB-Chef Michael Sommer. Foto: dpa
Bild vergrößernDer Vorsitzende der SPD, Kurt Beck, und DGB-Chef Michael Sommer. Foto: dpa

BERLIN. Und nun will es auch noch das Protokoll, dass auf der Hauptkundgebung zum Tag der Arbeit erstmals seit sechs Jahren wieder ein Mann auftritt, der den Titel „SPD-Vorsitzender“ führt: Ort der Veranstaltung ist die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt Mainz. Und so fügt es sich, dass Ministerpräsident Kurt Beck als höchster örtlicher Repräsentant ein Grußwort spricht, bevor DGB-Chef Michael Sommer seine eigentliche Mai-Rede hält. Das Motto: „Gute Arbeit muss drin sein!“

Trotzdem lassen sich die Verhältnisse heute kaum mit jenen vor sechs Jahren vergleichen. Damals, im Frühjahr 2002, war die SPD eine selbstbewusste Partei mit dem noch selbstbewussteren Chef und Bundeskanzler Gerhard Schröder – auch wenn die Vorzeichen des beginnenden Bundestagswahlkampfs nicht günstig standen. Die Gewerkschaften waren über Schröders „Bündnis für Arbeit“ noch direkt in die Regierungsverantwortung eingebunden. Da lag es auf der Hand, dass der Kanzler ihre Dankbarkeit in Anspruch nehmen und die Mai-Bühne für einen fulminanten Wahlkampfauftritt nutzen konnte. Es folgten: die Agenda 2010, Hartz IV – aber keine gemeinsamen Mai-Kundgebungen mehr.

Die Verhältnisse des Jahres 2008: Eine verunsicherte SPD dümpelt in den Meinungsumfragen bei 25 Prozent und tastet begierig nach Anknüpfungspunkten zur alten gewerkschaftlichen Kernwählerschaft. Der diesjährige Aufruf des SPD-Präsidiums zum 1. Mai liest sich wie ein Heiratsangebot. Da ist das generelle Plädoyer für Mindestlöhne. Auch stellt die Partei unter dem Titel „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ die gesetzliche Gleichstellung von Zeitarbeitern mit Stammbelegschaften in Aussicht. Zudem will sie sich mehr für geförderte Altersteilzeit stark machen und lobt die hohen Lohnabschlüsse der jüngsten Zeit als „gutes Signal“.

Beim DGB nimmt man derlei wohlwollend zur Kenntnis. Es bringt Sommer aber nicht von seinem Kurs ab, die parteipolitische Unabhängigkeit der Gewerkschaftsbewegung zu betonen. Anfangs war dies vor allem eine Reaktion auf die Agenda-Vertrauenskrise gegenüber der SPD. Nun hilft es bei einem selbstbewussten Umgang mit dem immer breiter aufgefächerten Parteiensystem: Warum einer Partei den Vorzug geben, wenn praktisch alle, von der Linken bis zur FDP, um die Gunst der Gewerkschaften buhlen?

Das neue Selbstbewusstsein zeigt sich auch in einem Vergleich, den IG-Metall-Chef Berthold Huber gern zieht: Mitgliederschwund? Die Zahl der IG-Metaller sei mittlerweile bei 2,3 Millionen nicht nur stabilisiert. Allein die IG Metall habe damit auch mehr Mitglieder als alle Parteien zusammen. Auf einem anderen Blatt steht, dass der mächtige IG-Metall-Chef mit dem DGB als Dachverband derzeit gar nicht zufrieden ist und ihm mit einem Radikalumbau mehr Effizienz verordnen will. Von derlei Disharmonie wird aber wohl erst nach dem 1. Mai wieder die Rede sein.


WebNewsDieser Artikel als DruckversionSchlagzeile per E-Mail verschicken
Weitere News und Tools
Weitere News sowie Tools zu dieser Rubrik finden Sie hier

MEHR ARTIKEL AUS DER RUBRIK:

Artikel Lächeln und wohlfühlen? Das war einmal(16.05. 09:46)
Artikel „307 Millionen Amerikaner stehen hinter Ihnen“ (15.05. 17:46)
Artikel Hassfigur Vater Staat(14.05. 18:04)
Artikel Hoffnungsträger aus der Kälte(14.05. 13:41)
Artikel Der Feind in meinem Kabinett(14.05. 08:13)

Suche im Web:


Seitenanfang


Homepage | Site Map | Hilfe | FAQ | Kontakt | Partnerprogramm | Mediadaten

Abo | Bücher | Veranstaltungen | Webtipps

HANDELSBLATT-TICKER

Alle News     Alle Indizes     RSS

US-WAHL 2008
ArtikelUS-Republikaner fürchten „Blutbad“
ArtikelKein Land für wunde Seelen
ArtikelObama nennt Reporterin „Schätzchen“
ArtikelAuch Edwards unterstützt Obama
Exklusivmeldung„Ich würde Obama raten, eine CO2-Steuer einzuführen“
ArtikelSieg mit psychologischer Bedeutung
WEIMERS WOCHE


Beck up


Es gibt Missionen, die sind ehrenvoll, aber doch so heikel, dass man sie keinem wirklich wünscht: Frauenbeauftragter bei Beate Uhse, Zahnarzt beim Weißen Hai oder auch Vorsitzender der SPD.

Von Wolfram Weimer

ORDNUNGSPOLITISCHER EINSPRUCH


Disziplin zahlt sich aus


Drei Jahreszahlen markieren den Weg zur europäischen Währungsintegration: 1993, 1998 und 2008. Sie machen zugleich deutlich, durch welch unterschiedliche monetäre Welten wir uns innerhalb von anderthalb Jahrzehnten bewegt haben. Nach starken Währungsturbulenzen und großen Risiken wird 2008 ein besonders herausragendes Jahr in der Positionierung der europäischen Geldpolitik.

Von Michael Hüther

DAS POLITISCHE FEATURE


Lächeln und wohlfühlen? Das war einmal


Nicht jeder Politiker zeigt sich in diesen Tagen gern mit dem Dalai Lama. So wird der zweite Besuch des geistigen Oberhauptes der Tibeter in Deutschland überschattet vom Streit der Polit-Prominez über den richtigen Umgang mit dem Gast. Immerhin: Die CDU-Granden Roland Koch, Jürgen Rüttgers und Norbert Lammert kennen keine Berührungsängste.

Von Petra Blum und Andreas Rinke

BILDERGALERIEN
Bildergalerie  Freunde und Feinde des Dalai Lama
Der Dalai Lama ist auf fünftägiger Deutschland-Reise, und die Nervosität in der Bundesregierung ist groß. Diplomatischer Druck aus Peking ist Berlin gewiss. So zeigt sich die Regierungsspitze gegenüber dem religiösen Oberhaupt der Tibeter ungewohnt zurückhaltend. Doch der Dalai Lama hat andere Unterstützer. Seine Freunde und Feinde in Bildern.
Bildergalerie  Armut, Gewalt, Wirtschaftsboom
Bundeskanzlerin Angela Merkel ist auf großer Lateinamerika-Reise. Dabei erwartet sie ein Kontinent voller Widersprüche. Kräftiges Wirtschaftswachstum und ein neues Selbstbewusstsein stehen auf der einen Seite, immer noch weit verbreitete Armut, Umweltzerstörung sowie tiefe ideologische Gräben auf der anderen. Warum Länder wie Brasilien und Mexiko gerade jetzt wieder in den Fokus der deutschen Politik und Wirtschaft rücken.
Bildergalerie  Steuerentlastungen: Was wann kommt
Sicher ist: Bis zur Bundestagswahl im September 2009 werden die Parteien darüber streiten, wer die Bürger am meisten von Steuern und Abgaben entlasten will. Was wann an Entlastungen mit welcher Wahrscheinlichkeit kommt, zeigt diese Übersicht.
Bildergalerie  Putins Kreml AG
Russlands Präsident Wladimir Putin hat die Macht offiziell an seinen Wunschnachfolger Medwedjew übergeben. Seit 2000 war es das Ziel Putins, alle Macht auf den Kreml zu konzentrieren – und er hat es konsequent verfolgt: Putin steuert den Branchenriesen Gazprom, lehrt die Oligarchen das Fürchten, lässt eine Opposition nicht zu. Der Aufstieg des Ex-Geheimdienstlers in Bildern.
UMFRAGE

Um Konflikte mit China zu umschiffen, vermeiden deutsche Spitzenpolitiker und auch der Bundespräsident ein Treffen mit den Dalai Lama. Halten Sie das für richtig?

Ja

Nein

 
 Umfrageergebnis
 Umfragearchiv

Handelsblatt.com
VideoAudioMobilJobsNewsletterForumWeblogShopArchiv / wirtschaftspresse.bizAbo / Leserservice
Rohstoffe

Warum Lateinamerika für Deutschland wieder wichtig wird.
Steuerpläne

Wann die deutschen Steuerzahler mit welchen Entlastungen rechnen dürfen.
Präsident bling-bling

Warum die Franzosen bereits nach einem Jahr von Nicolas Sarkozy genervt sind.
VorschauVorschau

Alle wichtigen Termine für die Wirtschaft im Überblick