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HANDELSBLATT, Donnerstag, 8. Mai 2008, 17:35 Uhr
Deutsch-israelische Beziehungen

Die etwas andere Versöhnung


Auf der Bühne des Deutschen Theaters in Berlin ist ein Fußballplatz angedeutet. Theo Zwanziger und Frank-Walter Steinmeier sitzen irgendwo hinter der Eckfahne im Seitenaus. Denn der DFB-Präsident und der Außenminister sind an diesem Abend nur Randfiguren.



Im Stadion am Wurfplatz in Berlin standen sich die Nationalmannschaften der Autoren Israels und Deutschlands gegenüber. Foto: dpa
Bild vergrößernIm Stadion am Wurfplatz in Berlin standen sich die Nationalmannschaften der Autoren Israels und Deutschlands gegenüber. Foto: dpa

BERLIN. Auf dem Grün stehen vielmehr zwei ungewöhnliche Teams aus Deutschland und Israel im Mittelpunkt. Schon am Nachmittag waren die inoffiziellen „Nationalmannschaften der Autoren“ beider Länder gegeneinander angetreten. Nun liefern sich die frisch geduschten Kicker einen literarischen Schlagabtausch – Anlass: der 60. Geburtstag des Staates Israel.

Sinn der vom DFB und dem Außenministerium gesponserten Veranstaltung ist eine etwas andere Versöhnung. Denn zunehmend macht sich in beiden Ländern die Erkenntnis breit, dass allein das Gedenken an den Holocaust und die deutsche Sonderverantwortung für Israel keine dauerhafte Basis zwischen den Gesellschaften ermöglicht. Auch die offizielle Gratulation von Bundespräsident Horst Köhler zum 60. Geburtstag des Landes und die Betonung der Solidarität reicht dafür nicht aus.

Also sucht die Politik nach neuen Symbolen und Aktivitäten. Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach als erste Regierungschefin in der Knesset, dem israelischen Parlament. Die bilateralen Beziehungen werden durch deutsch-israelische Regierungskonsultationen aufgewertet.

Viele Organisationen wie etwa die lokalen Ableger der Deutsch-israelischen Gesellschaft organisieren quer durchs Land Veranstaltungen, die direkte Kontakte zwischen Deutschen und Israelis ermöglichen sollen. Außenminister Steinmeier und Israels Botschafter in Berlin, Joram Ben Zeev, haben eine ganzjährige Lesereihe mit Autoren angeschoben.

Das mag banal klingen – und nicht nach hoher Politik. Aber wie spannungsreich dies sein kann, wird deutlich, als der junge Siedler aus dem Westjordanland, Nachum Pachenik, im Deutschen Theater nach vorn tritt und einen ernsten Text über seine Auseinandersetzung mit dem Holocaust und den Deutschen vorliest. Kurz danach kontert der deutsche Autor Moritz Rinke mit einem zwar locker geschriebenen, aber teilweise erschütternden Reisebericht aus seinen Erlebnissen in den Palästinensergebieten. Zur selben Zeit, als Rinke in Ramallah war, diente sein israelischer Kollege und Fußball-Gegenspieler Guy Lichtensztajn dort als israelischer Soldat. „Vielleicht hat er mich sogar an einem Check-Point kontrolliert“, staunt Rinke. Nicht nur Fußball verbindet.

Unterfüttert werden sollen die Kontakte durch das „Deutsch-israelische Zukunftsforum“, das Bundespräsident Köhler und sein israelischer Kollege Schimon Peres auf den Weg bringen wollen. Es soll vor allem die Kontakte zwischen jungen Deutschen und Israelis fördern – quer durch Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur. Ob davon auch die „Autoren-Nationalmannschaft“ mit Spielern wie dem Filmemacher Sönke Wortmann oder dem Theaterregisseur Albert Ostermeier profitieren, ist noch nicht klar. Doch ein Rückspiel in Israel ist auch so vereinbart.

Geschenkt haben sich die beiden Fußballteams übrigens trotz allen Wünschen nach Verständigung auch in Berlin nichts. „Wir wollen wie immer gute Gastgeber sein, aber dennoch gewinnen“, hatte Außenminister Steinmeier noch vor dem Fußballspiel geflackst. Prompt siegten die Deutschen 4:2. Am Abend trat dann der israelische Autor Assaf Gavron grinsend nach, bevor er aus seinem Roman „Ein schönes Attentat“ las. „Ganz klar, ein Elfmeter ist uns verweigert worden.“


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Die etwas andere Versöhnung


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Andreas Rinke

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