PolitikDas politische Feature
WebNewsDieser Artikel als DruckversionSchlagzeile per E-Mail verschicken
HANDELSBLATT, Donnerstag, 8. Mai 2008, 16:12 Uhr
Innovationen in Israel

Bibel, Christentum & ICQ

Von Pierre Heumann

Der kleine israelische Markt zwingt Unternehmer, global zu handeln – Jungunternehmer müssen lernen, wie sich mit guten Ideen ausländische Investoren anziehen lassen. Was aber ist eine gute Idee? Yossi Vardi hat es vorgemacht.


 Mehr zum Thema: 60 Jahre Israel
Artikel

Demokraten erzürnt über Bush-Äußerungen in Jerusalem  (16.05. 09:05)

Artikel

„307 Millionen Amerikaner stehen hinter Ihnen“  (15.05. 17:46)

Artikel

Palästinenser gedenken der Vertreibung (15.05. 15:47)

Zum Special ...


TEL AVIV. Es war eine Sensation: Die kleine israelische Firma Mirabilis, die in einem Kellergeschoss mit einer Handvoll Mitarbeitern das Chatprogramm ICQ entwickelt hatte, wurde für 400 Mill. Dollar an den Giganten AOL verkauft. Das war 1998 – gerade mal zwei Jahre nach Gründung von Mirabilis. Der Mann hinter der Cinderella-Firma: Yossi Vardi. Zusammen mit seinem Sohn hatte der israelische „startup guru“ (Business Week) die Internetsoftware entwickelt, mit der er urplötzlich reich – und weltweit bekannt wurde.

Inzwischen gilt Mirabilis als Vorbild für israelische Technologiefirmen, die innovative Produkte entwickeln, beim Vertrieb dann aber auf eine potente amerikanische Gruppe angewiesen sind. Der kleine israelische Markt zwingt Unternehmer, global zu handeln – und Vardi hat den Jungunternehmern vorgemacht, wie sich mit guten Ideen ausländische Investoren anziehen lassen.

Was aber ist eine gute Idee? Geben Business-Pläne darüber Auskunft? „Nein“, sagt Vardi. Bei der Prüfung neuer Investitionsidee geht er eher unkonventionell vor. Business-Pläne seien für ihn nicht relevant, ebenso wenig wie Power Point-Präsentationen, gibt er zu Protokoll: „Sie sind nutzlos.“ Den Wert einer Idee könne man schließlich nicht beurteilen. „Ich halte lieber nach talentierten Menschen Ausschau, die einen guten Charakter haben, schnell denken und auf eine Idee fokussiert sind.“

Obwohl Vardis Know how weltweit gesucht ist – er hat den Vorsitzenden von AOL beraten, Siemens und Amazon – ist er bescheiden geblieben. Sein Büro liegt nach wie vor im Untergeschoss seines Hauses in einem Tel Aviver Vorort, von wo er ohne Allüren sein kleines Imperium steuert. Der 66jährige verzichtet auf eine Sekretärin. Lieber stützt er sich bei seiner Terminplanung auf Papier und Kästchen, die er sich darauf notiert. Seine Karriere begann Vardi als Beamter: Als 27jähriger wurde er Generaldirektor des israelischen Entwicklungsministeriums, später erhielt er einen vergleichbaren Job im Energieministerium. Nachdem er den öffentlichen Dienst quittiert hatte, leitete oder gründete er in der Folge rund 60 Firmen – darunter Israel Chemicals oder ITL Optronics. Zudem engagierte er sich in einem Bereich, für den sich seine Hightech-Kollegen sonst nicht interessieren: Politik. Er beriet Politiker in Nahostfragen und leitete die Wirtschaftskooperationsverhandlungen mit Jordanien, Syrien und den Palästinensern.

Der promovierte Ingenieur sorgt sich trotz aller Erfolge um die wirtschaftliche und soziale Zukunft des Landes. Denn die Hochtechnologie sei zu stark auf Tel Aviv konzentriert, lebe in einer Blase, die gegenüber dem Rest des Landes zunehmend ein Eigenleben führe. Statt wie bisher vorwiegend im Hightech-Sektor zu investieren, sollte der Staat seine Forschungsausgaben vermehrt auch den traditionellen Industrien zukommen lassen. Als er vor einem Jahr den Industriepreis Israels erhielt, forderte er von der Regierung neue Prioritäten beim Einsatz der Forschungsgelder.

Denn Vardi weiß, dass das Internet die Welt bereits verändert hat. In Israel, so lässt sich Vardi gern zitieren, wurden drei bedeutende Marken entwickelt: Die Bibel, das Christentum und ICQ. Alle drei hätten sich auf Mund-zu-Mund-Propaganda beschränkt, um populär zu werden. Das Alte Testament brauchte dazu 2 700 Jahre, das Christentum 2 000 Jahre – ICQ aber weniger als zehn Jahre.


WebNewsDieser Artikel als DruckversionSchlagzeile per E-Mail verschicken
Weitere News und Tools
Weitere News sowie Tools zu dieser Rubrik finden Sie hier

MEHR ARTIKEL AUS DER RUBRIK:

Artikel Lächeln und wohlfühlen? Das war einmal(16.05. 09:46)
Artikel „307 Millionen Amerikaner stehen hinter Ihnen“ (15.05. 17:46)
Artikel Hassfigur Vater Staat(14.05. 18:04)
Artikel Hoffnungsträger aus der Kälte(14.05. 13:41)
Artikel Der Feind in meinem Kabinett(14.05. 08:13)

Suche im Web:


Seitenanfang


Homepage | Site Map | Hilfe | FAQ | Kontakt | Partnerprogramm | Mediadaten

Abo | Bücher | Veranstaltungen | Webtipps

HANDELSBLATT-TICKER

Alle News     Alle Indizes     RSS

US-WAHL 2008
ArtikelUS-Republikaner fürchten „Blutbad“
ArtikelKein Land für wunde Seelen
ArtikelObama nennt Reporterin „Schätzchen“
ArtikelAuch Edwards unterstützt Obama
Exklusivmeldung„Ich würde Obama raten, eine CO2-Steuer einzuführen“
ArtikelSieg mit psychologischer Bedeutung
WEIMERS WOCHE


Beck up


Es gibt Missionen, die sind ehrenvoll, aber doch so heikel, dass man sie keinem wirklich wünscht: Frauenbeauftragter bei Beate Uhse, Zahnarzt beim Weißen Hai oder auch Vorsitzender der SPD.

Von Wolfram Weimer

ORDNUNGSPOLITISCHER EINSPRUCH


Disziplin zahlt sich aus


Drei Jahreszahlen markieren den Weg zur europäischen Währungsintegration: 1993, 1998 und 2008. Sie machen zugleich deutlich, durch welch unterschiedliche monetäre Welten wir uns innerhalb von anderthalb Jahrzehnten bewegt haben. Nach starken Währungsturbulenzen und großen Risiken wird 2008 ein besonders herausragendes Jahr in der Positionierung der europäischen Geldpolitik.

Von Michael Hüther

DAS POLITISCHE FEATURE


Lächeln und wohlfühlen? Das war einmal


Nicht jeder Politiker zeigt sich in diesen Tagen gern mit dem Dalai Lama. So wird der zweite Besuch des geistigen Oberhauptes der Tibeter in Deutschland überschattet vom Streit der Polit-Prominez über den richtigen Umgang mit dem Gast. Immerhin: Die CDU-Granden Roland Koch, Jürgen Rüttgers und Norbert Lammert kennen keine Berührungsängste.

Von Petra Blum und Andreas Rinke

BILDERGALERIEN
Bildergalerie  Freunde und Feinde des Dalai Lama
Der Dalai Lama ist auf fünftägiger Deutschland-Reise, und die Nervosität in der Bundesregierung ist groß. Diplomatischer Druck aus Peking ist Berlin gewiss. So zeigt sich die Regierungsspitze gegenüber dem religiösen Oberhaupt der Tibeter ungewohnt zurückhaltend. Doch der Dalai Lama hat andere Unterstützer. Seine Freunde und Feinde in Bildern.
Bildergalerie  Armut, Gewalt, Wirtschaftsboom
Bundeskanzlerin Angela Merkel ist auf großer Lateinamerika-Reise. Dabei erwartet sie ein Kontinent voller Widersprüche. Kräftiges Wirtschaftswachstum und ein neues Selbstbewusstsein stehen auf der einen Seite, immer noch weit verbreitete Armut, Umweltzerstörung sowie tiefe ideologische Gräben auf der anderen. Warum Länder wie Brasilien und Mexiko gerade jetzt wieder in den Fokus der deutschen Politik und Wirtschaft rücken.
Bildergalerie  Steuerentlastungen: Was wann kommt
Sicher ist: Bis zur Bundestagswahl im September 2009 werden die Parteien darüber streiten, wer die Bürger am meisten von Steuern und Abgaben entlasten will. Was wann an Entlastungen mit welcher Wahrscheinlichkeit kommt, zeigt diese Übersicht.
Bildergalerie  Putins Kreml AG
Russlands Präsident Wladimir Putin hat die Macht offiziell an seinen Wunschnachfolger Medwedjew übergeben. Seit 2000 war es das Ziel Putins, alle Macht auf den Kreml zu konzentrieren – und er hat es konsequent verfolgt: Putin steuert den Branchenriesen Gazprom, lehrt die Oligarchen das Fürchten, lässt eine Opposition nicht zu. Der Aufstieg des Ex-Geheimdienstlers in Bildern.
UMFRAGE

Um Konflikte mit China zu umschiffen, vermeiden deutsche Spitzenpolitiker und auch der Bundespräsident ein Treffen mit den Dalai Lama. Halten Sie das für richtig?

Ja

Nein

 
 Umfrageergebnis
 Umfragearchiv

Handelsblatt.com
VideoAudioMobilJobsNewsletterForumWeblogShopArchiv / wirtschaftspresse.bizAbo / Leserservice
Rohstoffe

Warum Lateinamerika für Deutschland wieder wichtig wird.
Steuerpläne

Wann die deutschen Steuerzahler mit welchen Entlastungen rechnen dürfen.
Präsident bling-bling

Warum die Franzosen bereits nach einem Jahr von Nicolas Sarkozy genervt sind.
VorschauVorschau

Alle wichtigen Termine für die Wirtschaft im Überblick