Zum Ende seiner Ansprache wird Medwedjew persönlich: "Sie müssen verstehen, wie ich mich fühle" - die Last des Amtes. Dann dankt er Putin, für dessen Unterstützung, die er immer gespürt hat, die ihn über eine durchorganisierte Wahl dahin gebracht hat, wo er jetzt steht, und er ist sicher, dass "dies auch in Zukunft so bleibt". Dann geht es schnell: Um 14 Uhr 26 meldet Interfax, dass die Regierung zurückgetreten ist, vier Minuten später, dass Medwedjew Putin für das Amt des Regierungschefs vorschlägt, und eine halbe Stunde später tickert es über die staatliche Nachrichtenagentur, dass Putin noch am Mittwoch die "Konsultationen" mit den Duma-Fraktionen aufnimmt. Der Brief, der seine Nominierung formell bestätigt, ist da noch nicht bei Parlamentspräsident Boris Grislow eingetroffen (15.36 Uhr).
Präsident Medwedjew ist da bereits fleißig und unterzeichnet Erlasse, zum Beispiel über den Wohnungsbau für Weltkriegsveteranen. Würde er Interfax weiterverfolgen, käme er gleich zu einer der größten Herausforderungen der russischen Politik: Nach einer Umfrage des Lewada-Zentrums sind 75 Prozent der Befragten unzufrieden mit der Art und Weise, wie die scheidende Regierung gegen die steigende Inflation vorgeht. Gut 37 Prozent erklären, dass sie die sozialen Probleme ignoriere, und ein Drittel, dass sie korrupt sei. Moment! Die Regierung? Medwedjew ist nun Präsident, und der ist zwar der Garant der Verfassung und Symbol des Staates, die höchste Exekutive ist aber der Ministerpräsident, das hat zumindest Wladimir Putin einmal so gesagt.
Eine Änderung der Verfassung sei nicht geplant, hat erst vergangene Woche der Chef des Komitees für die konstitutionelle Gesetzgebung der Duma betont. Russland bleibt nach Wladimir Piligin eine "halb-präsidiale Republik" oder, "genauer: eine parlamentarisch-präsidiale, halb-präsidiale Republik".
Schulter an Schulter stehen Putin und Medwedjew am Ende der Zeremonie im Hof vor dem Kremlpalast, um die Parade der Ehrengarde abzunehmen - Medwedjew ein wenig mehr mittig, er ist es jetzt schließlich, der den Soldaten "Guten Tag, Kameraden" entgegenrufen darf. Vermutlich wird das auf absehbare Zeit seine Hauptaufgabe sein: den Schulterschluss zu wahren und doch immer ein Stück mehr im Zentrum zu stehen.

