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HANDELSBLATT, Donnerstag, 8. Mai 2008, 07:34 Uhr

Trotzdem stellte er fünf Stunden später gleich ein gesamtes „Konzept“ zur Entlastung der Bürger in Aussicht. Im Willy-Brandt-Haus schrillten die Alarmglocken. Er sei falsch verstanden worden, wiegelte Beck intern ab. Doch die Aufzeichnung von N-TV ließ keine Zweifel zu. Also zimmerte die SPD-Zentrale eilig mit dem Finanzministerium eine 15-zeilige Sprachregelung. Deren Kernsatz lautet, auf dem Zukunftskongress in Nürnberg werde die Partei „erste Orientierungen für ein Steuer- und Abgabenkonzept“ vorlegen. Mehr nicht.

So trug es Beck am Dienstag auch in der Bundestagsfraktion vor. Draußen vor der Tür stellte er dann aber ein umfassendes und seriös gerechnetes „Konzept einer zukunftsgerichteten Verhaltensweise des Staates“ in Aussicht. In der Fraktionsspitze herrschte blankes Entsetzen. Bislang gibt es nicht einmal erste Entwürfe. Eilig trommelt die SPD nun eine Arbeitsgruppe zusammen.

Der Vorgang zeigt dramatisch, wie fremd Beck nach zwei Jahren an der Parteispitze der Berliner Politikbetrieb noch ist. Der Taktschlag der Metropole, die Hintergrundzirkel mit Journalisten und „die Simserei“ der Strippenzieher sind ihm zuwider. „Ich mache da nicht mit“, wiegelt er ab. „Nah bei den Menschen“ will er stattdessen sein und tingelt durch Handwerksbetriebe im Lande. Die Kritik an seinem abrupten Linksruck und hämische Berichte über seine Provinzialität haben den von den Insignien einer absoluten Mehrheit verwöhnten Landesfürsten dünnhäutig gemacht. „Er fühlt sich ausgegrenzt und nicht verstanden“, heißt es in der Partei.

Trotzig igelt sich Beck ein. Erst zum Jahresende werde er über die Kanzlerkandidatur entscheiden, antwortet er gebetsmühlenartig. Am Dienstag soll er über das Thema vertraulich mit FDP-Chef Guido Westerwelle geredet haben. Noch ist trotz desaströser Umfragewerte keineswegs klar, dass Beck am Ende seinem Vize Steinmeier den Vortritt lässt. „Es ist richtig, dass wir beide freundschaftlich zusammenarbeiten. Alles andere ist falsch“, ließ er gestern knapp erklären.


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