PolitikDeutschland
WebNewsDieser Artikel als DruckversionSchlagzeile per E-Mail verschicken
HANDELSBLATT, Mittwoch, 7. Mai 2008, 13:52 Uhr
Verwirrung um Kanzlerkandidatur

SPD hält K-Frage weiter offen

Erst hieß es, SPD-Chef Kurt Beck und Außenminister Frank-Walter Steinmeier hätten sich nach intensiven Beratungen darauf verständigt, dass nun doch Steinmeier SPD-Kanzlerkandidat für die Bundestagswahl 2009 wird. Doch die beiden Spitzenpolitiker bemühten sich um ein schnelles Dementi.


 Mehr zum Thema: Bundes-SPD
Artikel

SPD-Abgeordnete offen für Linke (10.05. 13:20)

Artikel

Beck sackt auf neues Tief (02.05. 07:10)

Artikel

Unbeholfene Annäherungsversuche (01.05. 09:10)

Zum Special ...



Wer wird Kanzlerkandidat: SPD-Parteivorsitzende Kurt Beck (l) oder Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier? Foto: dpa
Bild vergrößernWer wird Kanzlerkandidat: SPD-Parteivorsitzende Kurt Beck (l) oder Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier? Foto: dpa

HB BERLIN. Die SPD hält sich offiziell weiter offen, wer 2009 ihr Kanzlerkandidat wird. Parteichef Kurt Beck und sein Stellvertreter Frank-Walter Steinmeier dementierten am Mittwoch, dass bereits eine Entscheidung für den Außenminister gefallen sei.

Damit versuchten sie, die Diskussion über die „K-Frage“ zu bremsen, die seit Wochen immer wieder aufflammt und auch die kommenden Monate bestimmen dürfte.

Der NDR in Niedersachsen hatte gemeldet, alles laufe auf Steinmeier hinaus. Beck und Steinmeier hätten sich in jüngster Zeit intensiv beraten. Es gebe Hinweise, dass sie sich bereits verständigt hätten. Die endgültige Entscheidung solle schon nach der Sommerpause fallen. Der Sender berief sich auf Parteikreise.

Steinmeier und Beck sowie die SPD-Fraktion im Bundestag und das Auswärtige Amt veröffentlichten dazu lediglich zwei Sätze: „Es ist richtig, dass wir beide freundschaftlich zusammenarbeiten. Alles andere ist falsch.“

Die „Welt“ meldete wenig später, Beck habe auch mit FDP-Chef Guido Westerwelle in einem Vier-Augen-Gespräch über „die Kanzlerkandidatur und Außenminister Frank-Walter Steinmeier“ gesprochen. Das Blatt berief sich auf SPD-Kreise. Die Initiative dafür sei von Beck ausgegangen.

Beck hatte Ende April erklärt, er wolle die K-Frage bis Ende des Jahres klären. Er fühle sich in dieser Frage so frei, wie man nur sein könne. Beck will nach eigenen Worten die SPD nicht zu früh auf einen Kandidaten festlegen, weil dieser sonst „verheizt“ würde. Er verweist auf die verlorene Bundestagswahl von Kanzlerkandidat Johannes Rau 1987.

In jüngster Zeit hat Beck sich lobend über den Vizekanzler und Vizeparteichef Steinmeier geäußert. Er halte den Außenminister für einen Mann, der Wahlen gewinnen könne. Er sei sehr erfahren.

Steinmeier hat allerdings noch nie als Kandidat Wahlen gewonnen. 2009 will er sich erstmals in Brandenburg um ein Bundestagsmandat bewerben. Der SPD-Politiker hatte seine Karriere unter dem früheren niedersächsischen Ministerpräsidenten und späteren Bundeskanzler Gerhard Schröder begonnen.

Für ihn war er von 1998 bis 2005 im Kanzleramt. 2005 übernahm Steinmeier das Auswärtige Amt, Ende 2007 wurde er nach dem Rückzug von Arbeitsminister Franz Müntefering Vizekanzler.

Umfragen zufolge gilt Steinmeier bei einer Kanzlerkandidatur 2009 als aussichtsreicher als Beck. Der Außenminister lag zuletzt nach Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf Platz zwei der am meisten geschätzten Politiker und war damit beliebtester Sozialdemokrat.

Beck war hingegen zuletzt in Umfragen abgestürzt. Nur noch 23 Prozent der Teilnehmer in einer ARD-Umfrage waren mit seiner Arbeit zufrieden. Sowohl Beck als auch Steinmeier liegen bei der theoretischen Frage nach einer Direktwahl des Kanzlers hinter Merkel, Beck aber mit weit größerem Abstand.

Deshalb und wegen strategischer Unterschiede zwischen Beck und Steinmeier flammt die Debatte über die Kanzlerkandidatur immer wieder auf. Nach Becks Öffnung zur Linkspartei waren im März Gerüchte eines angeblichen Putsches von Steinmeier gegen Beck kolportiert und dementiert worden.


WebNewsDieser Artikel als DruckversionSchlagzeile per E-Mail verschicken
Weitere News und Tools
Weitere News sowie Tools zu dieser Rubrik finden Sie hier

MEHR ARTIKEL AUS DER RUBRIK:

Artikel Große Krankenkassen fahren Defizit ein(16.05. 14:38)
Artikel Wagenknecht kandidiert nicht als Parteivize(16.05. 13:42)
Artikel Chinesen machen Bundesregierung Druck(16.05. 12:28)
Artikel Einwanderer bilden zu wenig aus (16.05. 11:43)
Artikel CDU-Generalsekretär schließt Steuersenkung für 2009 aus(16.05. 11:13)

Suche im Web:


Seitenanfang


Homepage | Site Map | Hilfe | FAQ | Kontakt | Partnerprogramm | Mediadaten

Abo | Bücher | Veranstaltungen | Webtipps

HANDELSBLATT-TICKER

Alle News     Alle Indizes     RSS

ORDNUNGSPOLITISCHER EINSPRUCH


Disziplin zahlt sich aus


Drei Jahreszahlen markieren den Weg zur europäischen Währungsintegration: 1993, 1998 und 2008. Sie machen zugleich deutlich, durch welch unterschiedliche monetäre Welten wir uns innerhalb von anderthalb Jahrzehnten bewegt haben. Nach starken Währungsturbulenzen und großen Risiken wird 2008 ein besonders herausragendes Jahr in der Positionierung der europäischen Geldpolitik.

Von Michael Hüther

BILDERGALERIEN
Bildergalerie  Freunde und Feinde des Dalai Lama
Der Dalai Lama ist auf fünftägiger Deutschland-Reise, und die Nervosität in der Bundesregierung ist groß. Diplomatischer Druck aus Peking ist Berlin gewiss. So zeigt sich die Regierungsspitze gegenüber dem religiösen Oberhaupt der Tibeter ungewohnt zurückhaltend. Doch der Dalai Lama hat andere Unterstützer. Seine Freunde und Feinde in Bildern.
Bildergalerie  Armut, Gewalt, Wirtschaftsboom
Bundeskanzlerin Angela Merkel ist auf großer Lateinamerika-Reise. Dabei erwartet sie ein Kontinent voller Widersprüche. Kräftiges Wirtschaftswachstum und ein neues Selbstbewusstsein stehen auf der einen Seite, immer noch weit verbreitete Armut, Umweltzerstörung sowie tiefe ideologische Gräben auf der anderen. Warum Länder wie Brasilien und Mexiko gerade jetzt wieder in den Fokus der deutschen Politik und Wirtschaft rücken.
Bildergalerie  Steuerentlastungen: Was wann kommt
Sicher ist: Bis zur Bundestagswahl im September 2009 werden die Parteien darüber streiten, wer die Bürger am meisten von Steuern und Abgaben entlasten will. Was wann an Entlastungen mit welcher Wahrscheinlichkeit kommt, zeigt diese Übersicht.
Bildergalerie  Putins Kreml AG
Russlands Präsident Wladimir Putin hat die Macht offiziell an seinen Wunschnachfolger Medwedjew übergeben. Seit 2000 war es das Ziel Putins, alle Macht auf den Kreml zu konzentrieren – und er hat es konsequent verfolgt: Putin steuert den Branchenriesen Gazprom, lehrt die Oligarchen das Fürchten, lässt eine Opposition nicht zu. Der Aufstieg des Ex-Geheimdienstlers in Bildern.
DAS POLITISCHE FEATURE


Lächeln und wohlfühlen? Das war einmal


Nicht jeder Politiker zeigt sich in diesen Tagen gern mit dem Dalai Lama. So wird der zweite Besuch des geistigen Oberhauptes der Tibeter in Deutschland überschattet vom Streit der Polit-Prominez über den richtigen Umgang mit dem Gast. Immerhin: Die CDU-Granden Roland Koch, Jürgen Rüttgers und Norbert Lammert kennen keine Berührungsängste.

Von Petra Blum und Andreas Rinke

UMFRAGE

Um Konflikte mit China zu umschiffen, vermeiden deutsche Spitzenpolitiker und auch der Bundespräsident ein Treffen mit den Dalai Lama. Halten Sie das für richtig?

Ja

Nein

 
 Umfrageergebnis
 Umfragearchiv

Handelsblatt.com
VideoAudioMobilJobsNewsletterForumWeblogShopArchiv / wirtschaftspresse.bizAbo / Leserservice
Rohstoffe

Warum Lateinamerika für Deutschland wieder wichtig wird.
Steuerpläne

Wann die deutschen Steuerzahler mit welchen Entlastungen rechnen dürfen.
Präsident bling-bling

Warum die Franzosen bereits nach einem Jahr von Nicolas Sarkozy genervt sind.
VorschauVorschau

Alle wichtigen Termine für die Wirtschaft im Überblick