0 Bewertungen
14.05.2008 
FDP kritisiert Bundespräsident

Köhler nennt Finanzmärkte „Monster“

Bundespräsident Horst Köhler hat den Banken vorgeworfen, die Weltfinanzmärkte zu einem „Monster“ entwickelt zu haben. Auch die Manager und die Landesbanken bekommen ihr Fett weg. FDP-Vize Rainer Brüderle kritisierte die Äußerungen Köhlers am Mittwoch heftig.

Sah das Land nahe an einem Zusammenbruch: Bundespräsident Horst Köhler. Foto: apLupe

Sah das Land nahe an einem Zusammenbruch: Bundespräsident Horst Köhler. Foto: ap

HB HAMBURG. Mit Blick auf die weltweite Krise der Finanzmärkte hat Bundespräsident Horst Köhler die Banken hart kritisiert. „Wir waren nahe dran an einem Zusammenbruch der Weltfinanzmärkte“, sagte Köhler dem Magazin „Stern“.

Die Finanzmärkte hätten sich „zu einem Monster entwickelt, das in die Schranken gewiesen werden muss“. Dies müsse auch jedem verantwortlich Denkenden in der Finanzwelt klar geworden sein.

FDP-Vize Rainer Brüderle kritisierte die Äußerungen Köhlers am Mittwoch heftig: „Markt und Wettbewerb haben in Deutschland ohnehin schon einen schweren Stand. Die Politik sollte die bestehenden Vorurteile nicht auch noch durch Begriffe nähren", sagte Brüderle dem Handelsblatt. „Das Beschwören von Heuschrecken und Monstern verunsichert Sparer, Anleger und Investoren und kann zu fatalen Kettenreaktionen führen. Solche Begriffe aus dem Tier- und Fabelbereich bringen uns in einer sachgerechten Diskussion nicht weiter." Es sei aber richtig, Transparenz und faire Spielregeln auf den Finanzmärkten zu fordern, sagte der FDP-Vize.

Köhler unterstellte den Banken zudem, dass sie selbst die Übersicht verloren hätten. Ganz offensichtlich hätten die Banker so viele Derivate geschaffen, dass sie am Ende selbst nicht mehr verstanden hätten, wie diese wirkten. „Die Überkomplexität der Finanzprodukte und die Möglichkeit, mit geringstem eigenem Haftungskapital große Hebelgeschäfte in Gang zu setzen, haben das Monster wachsen lassen“, sagte Köhler, der früher Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF) war. „Es hat kaum noch Bezug zur Realwirtschaft.“


Quiz/Umfrage Umfrage: Teilen Sie die Kritik von Horst Köhler?


Dazu gehören auch „bizarr hohe Vergütungen für einzelne Finanzmanager“. Die Finanzwelt habe sich „mächtig blamiert“. Er vermisse aber noch immer als Schuldbekenntnis „ein klar vernehmbares Mea Culpa“.

Der Bundespräsident forderte zugleich eine strategische Überprüfung des deutschen Finanzsektors. „Die meisten Landesbanken haben offensichtlich kein tragfähiges Geschäftsmodell“, sagte Köhler.

Er habe daher schon vor seiner Zeit als Bundespräsident für die beste Lösung gehalten, dass die sieben beherrschenden Landesbanken zu einer Zentralbank der Sparkassen fusioniert würden. Auch die deutschen Privatbanken „sollten sich in einer Form konsolidieren, dass wir uns auf sie verlassen können“.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige
Anzeige

weiterBildergalerien

 

zurück  vor
  • Zwischen Minen und Stache...

    Zwischen Minen und Stacheldraht: Urlaub in Nordkorea

    Bade- und Wanderurlaub in Nordkorea? Gibt es nicht? Doch. Der südkoreanische Hyundai-Konzern macht es möglich: In einer kapitalistischen Enklave im bitterarmen Norden können Ausländer Golfspielen und in Luxushotels unterkommen. Doch nicht immer läuft beim Ausflug ins "...Bildergalerie 

  • Obama auf Schloss Neuschw...

    Obama auf Schloss Neuschwanstein

    Die Republik steht Kopf, seit US-Präsidentschaftskandidat Barack Obama angekündigt hat, einen Fuß auf deutschen Boden zu setzen. Doch prompt hat sich sein außenpolitisch unerfahrenes Team mit den Plänen für einen öffentlichen Auftritt am Brandenburger Tor in die Nessel...Bildergalerie 

  • G8: Viel Lärm um nichts

    G8: Viel Lärm um nichts

    Einmal im Jahr bietet die Weltpolitik eine ganz große Inszenierung - den Gipfel der führenden Industriestaaten und Russlands (G8). Geschätzte 356 Millionen Euro Steuergelder flossen diesmal in das Polit-Spektakel im japanischen Toyako. Vergleichsweise unspektakulär ...Bildergalerie 

  • Das Drama um Ingrid Betan...

    Das Drama um Ingrid Betancourt

    „Gott, was für ein Wunder!“ Ingrid Betancourt kann es kaum glauben. Nach sechs Jahren wird sie aus der Farc-Geiselhaft im Dschungel von Kolumbien befereit. Die Nachricht stößt weltweit auf Freude und Erleichterung. Betancourts erster Auftritt in Freiheit und ihre Leide...Bildergalerie 

 

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

In der CSU geht die Angst um  Artikel in Merkliste

20.07.2008, 10:08 Uhr von Thomas Sigmund

Die Angst unter der professionellen Oberfläche der Siegeszuversicht ist in der CSU mit Händen zu greifen. Der fulminante Auftritt der Bundeskanzlerin hat deutlich gemacht, wo die eigentliche Schwäche der Partei liegt. Kommentar