Spätestens 2011 soll die jüngste Generation des Zuges, den ein Konsortium von Thyssen–Krupp und Siemens entwickelt hat, auf einer Trasse von 37,4 Kilometern zwischen Hauptbahnhof und Flughafen verkehren. Er soll bis zu 350 Stundenkilometer schnell sein und die Fahrzeit zwischen Airport und Hauptbahnhof auf etwa zehn Minuten verkürzen – heute sind es mit der S-Bahn etwa 40 Minuten. Gegen die Planung liegen allerdings 2 300 Einsprüche vor, die Landeshauptstadt München und ihr Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) leisten erbitterten Widerstand. Ude sieht sich in seiner Skepsis auch von Brüssel bestätigt.
In einem Brief an Ude hat der stellvertretende Präsident der EU-Kommission, Günter Verheugen, schwere Bedenken gegen eine finanzielle Förderung des Projekts durch Brüssel kundgetan. Das Schreiben liegt dem Handelsblatt vor. Die Förderung aus EU-Töpfen ist Teil des Finanzierungspakets, das Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber unbedingt bis Jahresende geklärt haben möchte.
Huber hat gestern seine Zuversicht bekräftigt. Er halte an seinem Zeitplan fest. Bis spätestens Herbst 2007 solle Baurecht herrschen, der Finanzplan solle Ende 2006 stehen. Er rechne weiterhin mit einer dreistelligen Millionen-Förderung durch Brüssel. Schließlich solle das Projekt Teil des transeuropäischen Netzausbaus (Projekt) sein.
Thyssen-Krupp droht mit Technologie-Verkauf
Huber will noch im Oktober mit Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee über die Finanzierung, in der eine Lücke von etwa 800 Mill. Euro klafft, verhandeln. Dabei hat die Industrie bislang keine konkrete Zusage gegeben, sich zu beteiligen. Statt dessen drohte Thyssen-Krupp vor wenigen Tagen damit, die Technologie zu verkaufen, sollte es nicht zur Realisierung des Transrapid kommen.
Nach Angaben von Huber hält auch die Bundesregierung am Projekt fest, trotz der Katastrophe auf dem Versuchskurs im Emsland. Zudem sei der Transrapid im Koalitionsvertrag verankert. Am Ende würden die Details der Finanzierung in einem Spitzengespräch zwischen dem bayerischen Ministerpräsidenten und der Bundeskanzlerin entschieden, kündigte Huber an. Bayern sei bereit, über seinen Anteil zu verhandeln. Bund und Land hätten in den kommenden Jahren weitere Spielräume, um den Transrapid zu verwirklichen.