Beck will die Abkehr von der Agenda 2010, eine Verlängerung des Arbeitslosengeldes I für ältere Arbeitnehmer, und hat sich deshalb sogar mit Arbeitsminister Franz Müntefering angelegt, der auf den Einschnitten beharrt, die er einst mit Bundeskanzler Gerhard Schröder durchsetzte. Auch ein Krisengespräch brachte keine Einigung. Nun herrschen Dissonanzen im choralen Miteinander. Wer ist der Dirigent im Haus? Wer gibt den Takt vor? Und welches Lied wird eigentlich gesungen?
Gründe genug für einen Besuch an der Basis, wo ein hessischer Polizist, ein niedersächsischer Banker und eine Hamburger Sozialökonomin um den Einzug ins Landesparlament kämpfen und sich ihren eigenen Refrain auf die Situation machen – und immer wieder betonen, dass die Bundespolitik dort keine Geige spielt. Eigentlich.
Wiesbaden-Biebrich, 11.00 Uhr: Die „Straße der Republik“ teilt den Bezirk in zwei ungleiche Hälften. Auf der einen Seite ein schnuckeliger Park und Althausbestand. Auf der anderen Seite der soziale Brennpunkt, ein Tengelmann-Revier mit Hochhäusern im Nacken.
Davor ein rot-weißer Sonnenschirm samt Tisch, daran Michael David, seine Frau und eine Riege älterer Männer. David, kräftige Statur und Kevin-Kuranyi-Bart, kandidiert für den hessischen Landtag, sein Wahlkreis 31 umfasst 17 Ortsteile. „Das ist kaum zu schaffen“, stöhnt er.
„Wo laufen wir denn hin?“ fragt in diesem Moment einer in die Runde – und meint wohl die SPD. Meist lau-fen die Menschen hier an ihr vorbei.
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