HB HAMBURG. „Die reale Bruttolohn- und Gehaltssumme je Arbeitnehmer wird um
1,5 Prozent steigen - das ist das kräftigste Plus seit 1995.“
Rürup und andere Experten verwiesen allerdings auf die
Inflation, die trotz leichten Rückgangs einen erheblichen Teil
der Lohnsteigerungen aufzehren dürfte.
Der Präsident des Ifo-Instituts, Werner Sinn, erwartet
ebenfalls Lohnabschlüsse in der von Rürup genannten Höhe. „Real
bedeutet das allerdings nur einen Zuwachs von 0,5 Prozent“,
sagte er. Der Präsident des Deutschen Instituts für
Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, hielt sich mit
seiner Prognose eher zurück: „Hohe Lohnsteigerungen können nur
gut ausgebildete Fachkräfte erwarten. Das durchschnittliche
Lohnplus von zwei Prozent wird durch die Inflation aufgefressen.
Die Reallöhne werden also stagnieren.“ Damit gebe es aber
wenigstens keinen Kaufkraftverlust.
Die drei Wissenschaftler sagten eine verhaltene
Preissteigerungsrate voraus, die leicht unter dem Wert von 2007
liegen soll. „Ich erwarte keine neuen Preisschocks bei Energie
oder Lebensmitteln“, meinte Zimmermann. Die Teuerungsrate
schätzt er auf weniger als zwei Prozent. Für Sinn gibt es keinen
Grund für „Inflationsalarm“. Er geht von 2,3 Prozent aus.
„Gemessen an den D-Mark-Zeiten ist dies ein moderater
Preisanstieg. In ihren 53 Jahren hatte die D-Mark
durchschnittlich 2,6 Prozent pro Jahr an Wert verloren“, sagte
Sinn. Rürup erwartet einen Rückgang der Teuerungsrate von 2,1
in diesem auf 2,0 Prozent im nächsten Jahr aus.
Die drei Wissenschaftler prognostizierten für 2008 ein
weiterhin starkes Beschäftigungswachstum und eine Senkung der
Arbeitslosenzahl um rund 300.000 auf durchschnittlich 3,5
Millionen voraus. Sinn nannte als Grund die Reformagenda 2010
von Ex-Kanzler Gerhard Schröder.