PolitikDeutschland
WebNewsDieser Artikel als DruckversionSchlagzeile per E-Mail verschicken
HANDELSBLATT, Donnerstag, 27. Dezember 2007, 08:38 Uhr
Forderung für neue Branchen

Arbeitgeber wollen „niedrige Mindestlöhne“ durchsetzen

Kurz vor Inkrafttreten des Post-Mindestlohns am 1. Januar haben Arbeitgeber Mindestlöhne auch für ihre Märkte gefordert – allerdings mit einem entscheidenden Unterschied.


 Mehr zum Thema: Mindestlohn
Artikel

Union blockiert Mindestlohn für Zeitarbeiter  (02.05. 12:14)

Artikel

Kollegin auf Zeit (06.04. 09:30)

Exklusivmeldung

Grüne werfen Merkel bei Mindestlohn „Zynismus“ vor (01.04. 20:50)

Zum Special ...


© watchberlin
Dialektik von Mindestlohn und Pflegeversicherung

HB BERLIN. Nach der Post fordern nun die Arbeitgeber in den Branchen Zeitarbeit, Wachschutz und Entsorgung eigene Mindestlöhne. „Die Zeitarbeit braucht jetzt rasch einen Branchenmindestlohn“, sagte der Präsident des Bundesverbandes Zeitarbeit (BZA), Volker Enkerts, der „Frankfurter Rundschau“. Der Hauptgeschäftsführer beim Bundesverband der Wach- und Sicherheitsunternehmen, Harald Olschok, sagte: „Wir wollen mit Mindestlöhnen für faire Wettbewerbsbedingungen sorgen.“

Sein Kollege vom Bundesverband der Deutschen Entsorgungswirtschaft, Stephan Harmening, kündigte noch für den Januar Verhandlungen mit der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di über einen Mindestlohn-Tarifvertrag an.

Die Arbeitsgebervertreter betonten allerdings übereinstimmend, sie strebten „niedrige Mindestlöhne“ an: „9,80 Euro wie bei der Post kommen für uns nicht in Frage“, sagte Enkerts laut „Frankfurter Rundschau“. Der BZA habe mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund für die Zeitarbeit 7,15 Euro ausgehandelt. „Das ist eine Bezahlung, von der die Menschen leben können und die Lohndumping verhindert.“

Für die Sicherheitsfirmen bezeichnete Olschok vier bis fünf Euro als „gerade noch verkraftbar“. Die 7,50 Euro, die der DGB als allgemeine Untergrenze fordert, seien besonders in den neuen Ländern für die Firmen nicht zu bezahlen.

TNT
Chart: TNT
Analystenmeinung

„Perverses Geschäftsmodell“

Der IG-Metall-Vorsitzende Berthold Huber forderte indes die Union auf, ihre „ideologiegetriebene Ablehnung“ von Mindestlöhnen aufzugeben. „Eine Volkspartei, die diesen Namen verdient, kann nicht gegen die Mehrheit der Menschen an dieser Stelle nichts tun“, sagte Huber der Deutschen Presse-Agentur dpa. Auch die Union dürfe nicht akzeptieren, „dass über breite Bereiche der Wirtschaft hinweg die Menschen, auch wenn sie 40 Stunden in der Woche arbeiten und das Monat für Monat, von ihrer Arbeit nicht leben können“, sagte der Gewerkschaftsvorsitzende.

Der IG-Metall-Vorsitzende kritisierte den Versuch privater Postdienstleister, den für diese Branche vereinbarten Mindestlohn unterlaufen zu wollen. Ein Geschäftsmodell, bei dem die Beschäftigten Zuschüsse vom Staat bekommen müssten, damit sie überhaupt über die Runden kommen könnten, sei „pervers“.

Die Klagen der angeschlagenen Springer-Brieftochter Pin über einen wettbewerbsverzerrenden Post-Mindestlohn hatte zuvor auch Verdi-Chef Frank Bsirske als unbegründet zurückgewiesen. „Das Jahr 2007 war ein Jahr ohne tariflichen Mindestlohn, trotzdem macht Pin zwischen 50 und 80 Millionen Euro Verlust.“

Der Post-Mindestlohn wird für Zusteller im Osten 9,00 und im Westen 9,80 Euro pro Stunde betragen. Der Arbeitgeberverband Neue Brief- und Zustelldienste, dem auch Pin und TNT angehören, will aber nur 6,50 beziehungsweise 7,50 Euro zahlen und hat deshalb beim Arbeitsminister bereits einen eigenständigen Mindestlohn beantragt.

Pin und TNT fürchten, dass mit dem Mindestlohn die Marktmacht des Bonner Konzerns gefestigt wird. Nach der Einigung der Koalition auf einen Mindestlohn für Briefzusteller hatte Pin Massen-Entlassungen angekündigt. Sieben Pin-Gesellschaften mit rund 800 Mitarbeitern meldeten Zahlungsunfähigkeit an. Hintergrund war, dass die Firmen nicht mehr die Sozialversicherungsbeiträge für ihre Mitarbeiter zahlen konnten.


WebNewsDieser Artikel als DruckversionSchlagzeile per E-Mail verschicken
Weitere News und Tools
Weitere News sowie Tools zu dieser Rubrik finden Sie hier

MEHR ARTIKEL AUS DER RUBRIK:

Artikel Koalitionsparteien zusammen so schwach wie noch nie (16.05. 10:02)
Artikel Thierse fordert SPD-Kandidaten(16.05. 08:25)
Exklusivmeldung CDU-Wirtschaftsflügel greift Merkel an(16.05. 08:11)
Exklusivmeldung Zahl der Hartz-IV-Aufstocker sinkt(15.05. 19:43)
Artikel Wirtschaftsspione werden frecher(15.05. 18:15)

Suche im Web:


Seitenanfang


Homepage | Site Map | Hilfe | FAQ | Kontakt | Partnerprogramm | Mediadaten

Abo | Bücher | Veranstaltungen | Webtipps

COMPACT: ARBEITSMARKT
HANDELSBLATT COMPACT:
ARBEITSMARKT
Artikel

Kommunen sollen Hartz IV stärker steuern

Artikel

Erstmals wieder mehr Lehrstellen als Bewerber

Artikel

Machtkampf der Bürokraten

Artikel

Zahl der Arbeitslosen im April gesunken

Exklusivmeldung

DGB will Arbeitsrecht vereinfachen

Artikel

Arbeitslosigkeit in Deutschland sinkt

Artikel

SPD will Altersteilzeit länger fördern

Artikel

Deutschland hat geringsten Anstieg bei Arbeitskosten

Artikel

Hartz IV senkt Zahl der Arbeitslosen

Exklusivmeldung

Warnung vor Unterschätzen der Kreditkrise

Exklusivmeldung

„Mangel an Lehrlingen schon in Sicht“

Artikel

Zahl der Arbeitslosen sinkt weiter

Artikel

Wenn Glos träumt

Artikel

Behörden decken Sozialmissbrauch leichter auf

Artikel

Hartz IV: CDU warnt vor Milliarden-Defizit

Bildergalerie

Die Top Ten der offenen Stellen im Februar

Statistik
Artikel

Zahl der Arbeitslosen sinkt weiter

Mindestlohn
Artikel

Union blockiert Mindestlohn für Zeitarbeiter

Artikel

Kollegin auf Zeit

Exklusivmeldung

Grüne werfen Merkel bei Mindestlohn „Zynismus“ vor

Artikel

Müllabfuhr will auch Mindestlohn

Artikel

Sieben weitere Branchen wollen Mindestlöhne

Artikel

Meldefrist für Mindestlöhne endet

Artikel

Auch die Pflegeverbände beantragen Mindestlohn

Artikel

Wachgewerbe bringt Verdi gegen sich auf

Artikel

Nur wenige Branchen wollen Mindestlöhne

Artikel

Staat zahlt oft nur Niedriglöhne

Exklusivmeldung

Sieben Top-Ökonomen klagen an

Exklusivmeldung

Im Wortlaut: Der Brandbrief der Wirtschaftsforscher

Artikel

Postkonkurrenten drohen Bund mit Klage

Artikel

Struck fordert Machtwort von Merkel

Artikel

Urteil zu Mindestlohn bringt Arbeitsminister in Bedrängnis

Artikel

Debatte um Mindestlohn neu entfacht

Artikel

Post-Mindestlohn-Verordnung rechtswidrig

Artikel

Wirtschaftsministerium lehnt Scholz-Mindestlohn ab

Exklusivmeldung

„Mindestlohn-Pläne gehören in den Schredder“

Exklusivmeldung

„Mindestlöhne von 15 Euro wären Unsinn“

Artikel

Verdi lässt Mindestlohn für Wachleute scheitern

Artikel

SPD hofft auf Antragsflut für Mindestlöhne

Artikel

Union bremst Scholz

Artikel

Jeder fünfte Ostdeutsche verdient weniger als den Mindestlohn

Artikel

Mindestlohn wird zum Risiko

Artikel

Ist der Post-Mindestlohn noch gar nicht in Kraft?

Artikel

Unsolidarische Gewerkschaften

Artikel

Mindestlohn-Entwurf schreckt Union

Tabellen und Infografiken

Infografik: Der Weg zum Mindestlohn ohne Tarifvertrag

Exklusivmeldung

Scholz will bei Mindestlohn Tarif aushebeln

Artikel

Mindestlohn-Debatte verschärft sich

Artikel

Stichwort: Mindestlohn

Artikel

Mindestlohn-Gesetz für alle schon in Arbeit

Artikel

„Kommt, ihr Branchen, die ihr es braucht“

Artikel

Scholz beharrt auf Mindestlohn

Exklusivmeldung

Köhler ebnet Weg für Post-Mindestlohn

Artikel

Arbeitgeber wollen „niedrige Mindestlöhne“ durchsetzen

Exklusivmeldung

Mittelständische Zeitarbeitsfirmen strikt gegen Mindestlohn

Exklusivmeldung

SPD forciert Unterschriftenaktionen zu Mindestlohn

Artikel

Experten rechnen für 2008 mit Lohnplus

Bildergalerie

Mindestlohn hin, Mindestlohn her

Exklusivmeldung

Welchen Mindestlohn Rürup für den richtigen hält

Lehrstellen und Ausbildungsplätze
Exklusivmeldung

Pakt schafft 90 000 neue Lehrstellen

Exklusivmeldung

Zahl der Lehrstellen steigt weiter

Exklusivmeldung

ZDH und DIHK melden Ausbildungsrekord


Handelsblatt.com
VideoAudioMobilJobsNewsletterForumWeblogShopArchiv / wirtschaftspresse.bizAbo / Leserservice
Rohstoffe

Warum Lateinamerika für Deutschland wieder wichtig wird.
Steuerpläne

Wann die deutschen Steuerzahler mit welchen Entlastungen rechnen dürfen.
Präsident bling-bling

Warum die Franzosen bereits nach einem Jahr von Nicolas Sarkozy genervt sind.
VorschauVorschau

Alle wichtigen Termine für die Wirtschaft im Überblick