PolitikDeutschland
WebNewsDieser Artikel als DruckversionSchlagzeile per E-Mail verschicken
HANDELSBLATT, Samstag, 12. Januar 2008, 16:46 Uhr
Hintergrund

Stichwort: Mindestlohn

In der Mindestlohn-Debatte geht es derzeit meist um zwei Gesetze: das Entsendegesetz und das Mindestarbeitsbedingungengesetz von 1952. Vorgesehen sind zwei Wege hin zu Mindestlöhnen.


 Mehr zum Thema: Mindestlohn
Artikel

Union blockiert Mindestlohn für Zeitarbeiter  (02.05. 12:14)

Artikel

Kollegin auf Zeit (06.04. 09:30)

Exklusivmeldung

Grüne werfen Merkel bei Mindestlohn „Zynismus“ vor (01.04. 20:50)

Zum Special ...


- Das Entsendegesetz greift für Branchen, in denen mindestens 50 Prozent der Beschäftigten Tariflöhne erhalten. Auf Antrag der Tarifpartner kann der Arbeitsminister den vereinbarten Mindestlohn für allgemeinverbindlich erklären.
- Das noch nie angewandte Mindestarbeitsbedingungengesetz greift in Bereichen mit geringerer Tarifbindung. Ein von der Regierung berufener Hauptausschuss aus sechs unabhängigen Experten und einem zusätzlichen unparteiischen Vorsitzenden mit Stimmrecht entscheidet, ob ein Mindestlohn in einer Branche erforderlich ist. Ein nachgeordneter Fachausschuss schlägt die Höhe des Mindestlohns vor, der dann vom Arbeitsminister per Verordnung des Bundeskabinetts festgelegt wird.

Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) stellt in einem Vermerk klar, es müsse „nicht zwingend“ zu einem Mindestlohn in allen Branchen kommen: Voraussetzung sei der Antrag auf Allgemeinverbindlichkeit nach dem Entsendegesetz oder die Feststellung des Hauptausschusses, dass ein Mindestlohn erforderlich sei.

Die Gesetze im Überblick:

Entsendegesetz: Allen Branchen steht die Aufnahme in das Entsendegesetz grundsätzlich offen. Die Bundesregierung kann dann einen tariflich vereinbarten Mindestlohn für alle Firmen eines Wirtschaftszweigs allgemeinverbindlich machen. Jüngstes Beispiel war zum Jahresanfang 2008 der Mindestlohn für Briefträger.

Bereits länger gibt es den Mindestlohn am Bau, bei Gebäudereinigern und im Elektrohandwerk. Die SPD rechnet mit mindestens zehn weiteren Branchen. Wachdienste, Müllwirtschaft und Fleischer-Handwerk haben schon Verhandlungen mit der Gewerkschaft Verdi angekündigt.

Voraussetzung für die Aufnahme in das Entsendegesetz ist:
- Gemeinsamer Antrag der Tarifpartner bis Ende März 2008.
- Tarifbindung von mindestens 50 Prozent: Die an Flächen- oder Firmentarifverträge gebundenen Arbeitgeber müssen über die Hälfte der Arbeitnehmer einer Branche beschäftigen.

Tarifausschuss: In der Koalitionsrunde im Juni 2007 setzte die SPD durch, dass die Arbeitgeber im ständigen Tarifausschuss beim Arbeitsministerium die Ausweitung des Entsendegesetzes nicht blockieren können. Dieser Ausschuss setzt sich aus je drei – zumeist branchenfremden – Vertretern der Spitzenorganisationen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern zusammen.

Stellt eine Branche erstmals einen Antrag auf Allgemeinverbindlicherklärung, befasst sich damit zunächst der Tarifausschuss. Für ein Votum hat er drei Monate Zeit. Lässt er die Frist verstreichen oder stimmen mindestens zwei der sechs Mitglieder dem Branchen-Mindestlohn zu, kann der Arbeitsminister die Lohnuntergrenze per Rechtsverordnung ohne Zustimmung des Bundesrates erlassen. Stimmen drei oder vier Mitglieder des Ausschusses ausdrücklich gegen den Mindestlohn, kann dieser immer noch in Kraft gesetzt werden – dann aber nur mit Zustimmung der Bundesregierung, also des Kabinetts.

Mindestarbeitsbedingungengesetz: Für Wirtschaftszweige, in denen es keine Tarifverträge gibt oder eine Tarifbindung nur für eine Minderheit besteht, wird das Gesetz von 1952 aktualisiert.

Hauptausschuss: Dieses auf Dauer einzurichtende Gremium prüft, ob in einer Branche ein Mindestlohn festgelegt werden sollte. Seine sechs Mitglieder sollen unabhängige Experten sein, die keine Repräsentanten einer Arbeitnehmer- oder Arbeitgeberorganisation sein dürfen. Deren Spitzenorganisationen haben aber ein Vorschlagrecht für die Mitglieder, die vom Arbeitsminister berufen werden. Die Experten bestimmen einen zusätzlichen Vorsitzenden, der bei einem Patt den Ausschlag geben kann. Können sie sich nicht einigen, benennt die Bundesregierung einen Vorsitzenden.

Fachausschuss: Dieser wird jeweils für betroffene Branchen gebildet und setzt sich aus sechs Experten zusammen, „die je zur Hälfte den Kreisen der beteiligten Arbeitnehmer und Arbeitgeber angehören“. Hinzu kommt ein unparteiischer Vorsitzender.


WebNewsDieser Artikel als DruckversionSchlagzeile per E-Mail verschicken
Weitere News und Tools
Weitere News sowie Tools zu dieser Rubrik finden Sie hier

MEHR ARTIKEL AUS DER RUBRIK:

Exklusivmeldung CDU-Wirtschaftsflügel greift Merkel an(16.05. 08:11)
Artikel Thierse fordert SPD-Kandidaten für das Bundespräsidentenamt(16.05. 08:25)
Exklusivmeldung Zahl der Hartz-IV-Aufstocker sinkt(15.05. 19:43)
Artikel Wirtschaftsspione werden frecher(15.05. 18:15)
Artikel Eine Art Apo-Präsident (15.05. 17:26)

Suche im Web:


Seitenanfang


Homepage | Site Map | Hilfe | FAQ | Kontakt | Partnerprogramm | Mediadaten

Abo | Bücher | Veranstaltungen | Webtipps

COMPACT: ARBEITSMARKT
HANDELSBLATT COMPACT:
ARBEITSMARKT
Artikel

Kommunen sollen Hartz IV stärker steuern

Artikel

Erstmals wieder mehr Lehrstellen als Bewerber

Artikel

Machtkampf der Bürokraten

Artikel

Zahl der Arbeitslosen im April gesunken

Exklusivmeldung

DGB will Arbeitsrecht vereinfachen

Artikel

Arbeitslosigkeit in Deutschland sinkt

Artikel

SPD will Altersteilzeit länger fördern

Artikel

Deutschland hat geringsten Anstieg bei Arbeitskosten

Artikel

Hartz IV senkt Zahl der Arbeitslosen

Exklusivmeldung

Warnung vor Unterschätzen der Kreditkrise

Exklusivmeldung

„Mangel an Lehrlingen schon in Sicht“

Artikel

Zahl der Arbeitslosen sinkt weiter

Artikel

Wenn Glos träumt

Artikel

Behörden decken Sozialmissbrauch leichter auf

Artikel

Hartz IV: CDU warnt vor Milliarden-Defizit

Bildergalerie

Die Top Ten der offenen Stellen im Februar

Statistik
Artikel

Zahl der Arbeitslosen sinkt weiter

Mindestlohn
Artikel

Union blockiert Mindestlohn für Zeitarbeiter

Artikel

Kollegin auf Zeit

Exklusivmeldung

Grüne werfen Merkel bei Mindestlohn „Zynismus“ vor

Artikel

Müllabfuhr will auch Mindestlohn

Artikel

Sieben weitere Branchen wollen Mindestlöhne

Artikel

Meldefrist für Mindestlöhne endet

Artikel

Auch die Pflegeverbände beantragen Mindestlohn

Artikel

Wachgewerbe bringt Verdi gegen sich auf

Artikel

Nur wenige Branchen wollen Mindestlöhne

Artikel

Staat zahlt oft nur Niedriglöhne

Exklusivmeldung

Sieben Top-Ökonomen klagen an

Exklusivmeldung

Im Wortlaut: Der Brandbrief der Wirtschaftsforscher

Artikel

Postkonkurrenten drohen Bund mit Klage

Artikel

Struck fordert Machtwort von Merkel

Artikel

Urteil zu Mindestlohn bringt Arbeitsminister in Bedrängnis

Artikel

Debatte um Mindestlohn neu entfacht

Artikel

Post-Mindestlohn-Verordnung rechtswidrig

Artikel

Wirtschaftsministerium lehnt Scholz-Mindestlohn ab

Exklusivmeldung

„Mindestlohn-Pläne gehören in den Schredder“

Exklusivmeldung

„Mindestlöhne von 15 Euro wären Unsinn“

Artikel

Verdi lässt Mindestlohn für Wachleute scheitern

Artikel

SPD hofft auf Antragsflut für Mindestlöhne

Artikel

Union bremst Scholz

Artikel

Jeder fünfte Ostdeutsche verdient weniger als den Mindestlohn

Artikel

Mindestlohn wird zum Risiko

Artikel

Ist der Post-Mindestlohn noch gar nicht in Kraft?

Artikel

Unsolidarische Gewerkschaften

Artikel

Mindestlohn-Entwurf schreckt Union

Tabellen und Infografiken

Infografik: Der Weg zum Mindestlohn ohne Tarifvertrag

Exklusivmeldung

Scholz will bei Mindestlohn Tarif aushebeln

Artikel

Mindestlohn-Debatte verschärft sich

Artikel

Stichwort: Mindestlohn

Artikel

Mindestlohn-Gesetz für alle schon in Arbeit

Artikel

„Kommt, ihr Branchen, die ihr es braucht“

Artikel

Scholz beharrt auf Mindestlohn

Exklusivmeldung

Köhler ebnet Weg für Post-Mindestlohn

Artikel

Arbeitgeber wollen „niedrige Mindestlöhne“ durchsetzen

Exklusivmeldung

Mittelständische Zeitarbeitsfirmen strikt gegen Mindestlohn

Exklusivmeldung

SPD forciert Unterschriftenaktionen zu Mindestlohn

Artikel

Experten rechnen für 2008 mit Lohnplus

Bildergalerie

Mindestlohn hin, Mindestlohn her

Exklusivmeldung

Welchen Mindestlohn Rürup für den richtigen hält

Lehrstellen und Ausbildungsplätze
Exklusivmeldung

Pakt schafft 90 000 neue Lehrstellen

Exklusivmeldung

Zahl der Lehrstellen steigt weiter

Exklusivmeldung

ZDH und DIHK melden Ausbildungsrekord


Handelsblatt.com
VideoAudioMobilJobsNewsletterForumWeblogShopArchiv / wirtschaftspresse.bizAbo / Leserservice
Rohstoffe

Warum Lateinamerika für Deutschland wieder wichtig wird.
Steuerpläne

Wann die deutschen Steuerzahler mit welchen Entlastungen rechnen dürfen.
Präsident bling-bling

Warum die Franzosen bereits nach einem Jahr von Nicolas Sarkozy genervt sind.
VorschauVorschau

Alle wichtigen Termine für die Wirtschaft im Überblick