0 Bewertungen
16.05.2008 
Gestiegene Steuereinnahmen

Experten halten an Steuerschätzung fest

von Axel Schrinner

Die Steuereinnahmen sind im April um 5,2 Prozent gestiegen. Damit haben Bund, Länder und Gemeinden nach vier Monaten bereits zehn Mrd. Euro mehr als im Vorjahreszeitraum eingenommen – trotz Finanzmarktkrise und Unternehmensteuerreform. Einen Anlass, die Steuerschätzung von letzter Woche nach oben zu korrigieren, gibt es allerdings nicht.

DÜSSELDORF. „Der April war ein guter Monat, aber er ist auch ein kleiner Steuermonat“, sagte ein Steuerschätzer. Die Finanzexperten schauen stets besonders auf die letzten Quartalsmonate, in denen die Unternehmen ihre Vorauszahlungen leisten müssen.

Vor allem die Lohnsteuer entwickelte sich im April günstig. Sie brachte dem Staat von Januar bis April gut 44 Mrd. Euro ein – das ist ein Zuwachs von 7,8 Prozent. Grund ist neben den gestiegenen Löhnen vor allem der Boom am Arbeitsmarkt. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, wurde die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal von 39,8 Millionen Erwerbstätigen erbracht, das waren 686 000 Personen oder 1,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Gleichwohl sehen Steuerschätzer in dem überraschend hohen Wirtschaftswachstum im ersten Quartal keinen Grund, die Steuerschätzung von letzter Woche nach oben zu korrigieren. „Die hohe Wirtschaftsleistung passt jetzt besser zu den hohen Steuereinnahmen im ersten Quartal“, sagte ein Schätzer. Welche Folgen dies für das Gesamtjahr hätte, sei unklar, vor allem, da in der Schnellschätzung noch keine Details bekanntgegeben worden seien. Sollten die amtlichen Statistiker allerdings die Daten für 2007 nennenswert revidieren, müsse wegen der anderen Startrampe neu gerechnet werden.

Für das Steueraufkommen ist die Zusammensetzung des Bruttoinlandsproduktes wichtig. So führt ein exportgetriebenes Wachstum zu geringeren Einnahmen als ein vom Inland beflügelter Aufschwung. Als wichtige Größe gilt die Lohnsumme. Sie bestimmt zum einen das Aufkommen der wichtigen Lohnsteuer. Außerdem beeinflusst sie das verfügbare Einkommen und damit den privaten Konsum. Und der Konsum ist weiter schwach. Das Umsatzsteueraufkommen sank im April sogar um 1,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige
Anzeige

weiterBildergalerien

 

zurück  vor
  • Zwischen Minen und Stache...

    Zwischen Minen und Stacheldraht: Urlaub in Nordkorea

    Bade- und Wanderurlaub in Nordkorea? Gibt es nicht? Doch. Der südkoreanische Hyundai-Konzern macht es möglich: In einer kapitalistischen Enklave im bitterarmen Norden können Ausländer Golfspielen und in Luxushotels unterkommen. Doch nicht immer läuft beim Ausflug ins "...Bildergalerie 

  • Obama auf Schloss Neuschw...

    Obama auf Schloss Neuschwanstein

    Die Republik steht Kopf, seit US-Präsidentschaftskandidat Barack Obama angekündigt hat, einen Fuß auf deutschen Boden zu setzen. Doch prompt hat sich sein außenpolitisch unerfahrenes Team mit den Plänen für einen öffentlichen Auftritt am Brandenburger Tor in die Nessel...Bildergalerie 

  • G8: Viel Lärm um nichts

    G8: Viel Lärm um nichts

    Einmal im Jahr bietet die Weltpolitik eine ganz große Inszenierung - den Gipfel der führenden Industriestaaten und Russlands (G8). Geschätzte 356 Millionen Euro Steuergelder flossen diesmal in das Polit-Spektakel im japanischen Toyako. Vergleichsweise unspektakulär ...Bildergalerie 

  • Das Drama um Ingrid Betan...

    Das Drama um Ingrid Betancourt

    „Gott, was für ein Wunder!“ Ingrid Betancourt kann es kaum glauben. Nach sechs Jahren wird sie aus der Farc-Geiselhaft im Dschungel von Kolumbien befereit. Die Nachricht stößt weltweit auf Freude und Erleichterung. Betancourts erster Auftritt in Freiheit und ihre Leide...Bildergalerie 

 

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

In der CSU geht die Angst um  Artikel in Merkliste

20.07.2008, 10:08 Uhr von Thomas Sigmund

Die Angst unter der professionellen Oberfläche der Siegeszuversicht ist in der CSU mit Händen zu greifen. Der fulminante Auftritt der Bundeskanzlerin hat deutlich gemacht, wo die eigentliche Schwäche der Partei liegt. Kommentar