PolitikDeutschland
WebNewsDieser Artikel als DruckversionSchlagzeile per E-Mail verschicken
HANDELSBLATT, Donnerstag, 18. Oktober 2007, 17:22 Uhr
Koch und Oettinger auf Beck-Linie

Union wankt beim Thema Arbeitslosengeld

Von Maximilian Steinbeis

Bislang sah die Linie der Union beim Thema Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes I so aus: Was langjährige Beitragszahler mehr bekommen, müsse bei Jüngeren eingespart werden. Nun rücken erste führende Unionspolitiker von dieser Haltung ab und wollen die soziale Wohltat ganz oder teilweise den Beitragszahlern aufbürden.


 Mehr zum Thema: Debatte über die Agenda 2010
Artikel

Forscher beklagen „Gerechtigkeitslüge“ (14.03. 11:03)

Artikel

Die Reform frisst ihre Kinder (14.03. 10:46)

Artikel

Steinmeier: „Vollbeschäftigung ist möglich“  (13.03. 15:53)

Zum Special ...



Antrag auf Arbeitslosengeld I. Foto: dpa
Bild vergrößernAntrag auf Arbeitslosengeld I. Foto: dpa

BERLIN. Der Kompromiss könne so aussehen, dass man „kein Nullsummenspiel macht, sondern für diese Maßnahme ergänzend einen gewissen Betrag vorsieht“, sagte Günther Oettinger, Ministerpräsident Baden-Württembergs, der „Zeit“. Roland Koch, CDU-Vize und Ministerpräsident in Hessen, sagte der „Frankfurter Rundschau“: „Die Verlängerung des Arbeitslosengelds muss aus den Mitteln der Arbeitslosenversicherung finanziert werden.“

Bislang sieht die Linie der Union vor, dass die Verlängerung „kostenneutral“ sein müsse. SPD-Chef Kurt Beck will dagegen dem Gewerkschaftsmodell folgen, das nicht an den Beitragsjahren, sondern am Lebensalter anknüpft. Das soll die Bundesagentur für Arbeit (BA) laut Beck 800 Mill. Euro kosten – und womöglich noch viel mehr.

Kanzlerin Angela Merkel hatte der SPD zwar wiederholt Gesprächsbereitschaft signalisiert, hält aber bisher an der Kostenneutralität fest. Auch Koch betonte, die geplante Beitragssenkung auf 3,5 Prozent koste bereits fünf Mrd. Euro, was nur einen „sehr engen Spielraum“ lasse. Doch das Wort Kostenneutralität vermied der Hesse, der sich im Januar Landtagswahlen stellen muss.

Wie eng der Spielraum bei der BA tatsächlich ist, wird sich nach der nächsten Steuerschätzung herausstellen, die am 7. November veröffentlicht wird. Bislang sagt die BA, sie rechne mit Überschüssen zwischen sechs und 6,5 Mrd. Euro, angeblich sind es aber acht Mrd. Euro. Der Koalitionsausschuss tagt im November zweimal – am 4. November und am 12. November. Wenn bei der zweiten Sitzung der Entschluss über die Verlängerung des Arbeitslosengeldbezugs fällt, wird man voraussichtlich über sehr viel Geld verfügen können.

Im Koalitionsausschuss sitzt aber auch Fraktionschef Volker Kauder mit am Tisch, und der hält bislang eisern dagegen: „Eine Verlängerung des Arbeitslosengeldes kann im Einzelfall richtig sein“, sagte Kauder dem Handelsblatt. „Sie hilft aber keinem einzigen Arbeitslosen in seinem grundsätzlichen Problem, nämlich der Vermittlung in Arbeit. Darauf sollten wir all unsere Kräfte auch weiterhin konzentrieren.“ Eine Veränderung dürfe deshalb „nur aufkommensneutral“ geschehen, worauf sich die Führungsgremien der Union verständigt haben, wie Kauder betont. „Alle weiteren Spielräume bei der Bundesagentur für Arbeit müssen für die Senkung der Beiträge genutzt werden“, weil dies sowohl die Arbeitnehmer entlaste als auch Arbeitsplätze schaffe. Ähnlich äußerte sich Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU).

Viele in der CDU fürchten, dass ein Nachgeben Beck nur zu neuen Forderungen animiert. Der Parteitagsbeschluss für die ALG-Verlängerung vom letzten Jahr hat ohnehin viele Gegner – wozu übrigens auch Oettinger gehört. Um so größer ist die Verwunderung, warum gerade er jetzt über Kompromisse spekuliert, bevor die SPD überhaupt über ihre Forderung formell abgestimmt hat. Bei Koch könne man das ja noch verstehen, heißt es, der sei immerhin im Wahlkampf. Aber Oettinger mache sich damit vollends unmöglich.


WebNewsDieser Artikel als DruckversionSchlagzeile per E-Mail verschicken
Weitere News und Tools
Weitere News sowie Tools zu dieser Rubrik finden Sie hier

MEHR ARTIKEL AUS DER RUBRIK:

Artikel Beirat warnt vor Mitarbeiterbeteiligung(16.05. 16:04)
Artikel Gefeiert wie ein Popstar(16.05. 17:37)
Artikel Maut soll Straßen finanzieren (16.05. 17:27)
Artikel Große Krankenkassen fahren Defizit ein(16.05. 14:38)
Artikel Wagenknecht kandidiert nicht als Parteivize(16.05. 13:42)

Suche im Web:


Seitenanfang


Homepage | Site Map | Hilfe | FAQ | Kontakt | Partnerprogramm | Mediadaten

Abo | Bücher | Veranstaltungen | Webtipps

COMPACT: SPD
HANDELSBLATT COMPACT:
SPD
Artikel

Clement hackt auf Beck herum

Artikel

Einmal Eintracht im Café Einstein

Artikel

Beck verliert weiter an Wählergunst

Artikel

SPD fordert sinkende Sozialabgaben

Artikel

Becks Bart ist das kleinste Problem

Artikel

Beck sackt auf neues Tief

Artikel

Clement ätzt gegen Berufspolitikertum

Quiz

„Becksperten“ gesucht

Debatte über die Agenda 2010
Artikel

Forscher beklagen „Gerechtigkeitslüge“

Artikel

Die Reform frisst ihre Kinder

Artikel

Steinmeier: „Vollbeschäftigung ist möglich“

Artikel

Agenda 2010: Viel diskutiertes Reformpaket

Bildergalerie

„Agenda 2010“ – von Hartz IV bis Praxisgebühr

Artikel

Eine peinliche Bescherung

Artikel

Althaus skizziert Kompromiss für ALG-I

Artikel

Union droht mit Scheitern der ALG I-Verlängerung

Artikel

CSU will Übergangsgelder streichen

Artikel

Merkel schleicht um den heißen Brei herum

Artikel

Zeitarbeitsbranche empört über SPD-Pläne

Artikel

SPD-Vorstand billigt Beck-Pläne

Artikel

Kommentar: Inszenierung der Beck-Festspiele

Exklusivmeldung

Weber warnt vor Rückwärtsgang

Artikel

SPD sortiert geräuschvoll Ideen für „soziales Deutschland“

Artikel

Union wankt beim Thema Arbeitslosengeld

Artikel

Dissonanzen im Gesangverein

Artikel

Vom alten Moses und dem Piano-Mann

Artikel

Wirtschaftsverbände attackieren Beck

Artikel

Schröders Comeback unerwünscht

Artikel

Wer was im Streit um das ALG-I will

Artikel

Schröder: Agenda 2010 „nicht die zehn Gebote“


Handelsblatt.com
VideoAudioMobilJobsNewsletterForumWeblogShopArchiv / wirtschaftspresse.bizAbo / Leserservice
Rohstoffe

Warum Lateinamerika für Deutschland wieder wichtig wird.
Steuerpläne

Wann die deutschen Steuerzahler mit welchen Entlastungen rechnen dürfen.
Präsident bling-bling

Warum die Franzosen bereits nach einem Jahr von Nicolas Sarkozy genervt sind.
VorschauVorschau

Alle wichtigen Termine für die Wirtschaft im Überblick