0 Bewertungen
31.07.2007 
Agenda 2009

Krisen vermeiden – Frieden sichern

von Vom Agenda-2009-Team

Die Bundeswehr hat es nicht leicht: Die Auslandseinsätze sind umstritten, der Etat ist stark eingeschränkt und der Streit um Inlandseinsätze ist wenig produktiv. Dabei ist der Wandel des Heeres zur schlagkräftigen Einsatztruppe eine für die Außenpolitik genauso notwendige Maßnahme, wie die Reform der Entwicklungshilfe.

Agenda 2009: Das Handelsblatt analysiert, was die Koalition in der zweiten Regierungszeit anpacken muss. Grafik: HB

Agenda 2009: Das Handelsblatt analysiert, was die Koalition in der zweiten Regierungszeit anpacken muss. Grafik: HB

In der Außen- und Sicherheitspolitik scheint es auf den ersten Blick schwierig, der Bundesregierung einen klaren Arbeitsplan bis 2009 aufzustellen. Denn in diesem Bereich kann die Politik oft nur auf internationale Krisen reagieren. Dennoch lassen sich etliche Punkte planen. Dabei ist zu erwarten, dass die politischen Debatten in der zweiten Hälfte der Legislaturperiode gerade über die Auslandseinsätze der Bundeswehr an Heftigkeit zunehmen werden.

Die Grundkonstellation der sicherheitspolitischen Debatte ist dabei klar: Schon heute helfen deutsche Soldaten in vielen Krisenregionen der Welt – im Kosovo, in Afghanistan, im Libanon. Die Zeiten, in denen sich Deutschland mit ein paar Milliarden aus der militärischen Beteiligung an internationalen Einsätzen herauskaufen konnte, sind eindeutig vorbei. Mittlerweile sind die Einsätze der Bundeswehr so vielfältig und anspruchsvoll, dass die deutsche Armee in etlichen Bereichen an ihre Leistungsgrenze gestoßen ist.

Daraus ergeben sich folgende Schlussfolgerungen: Der nach wie vor schleppende Umbau der Bundeswehr von einer reinen Verteidigungsarmee zu einer modernen Einsatztruppe muss beschleunigt werden. Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung hat zwar einen umfangreichen und präzisen Fahrplan zur Modernisierung der Bundeswehr vorgelegt, doch es wird noch Jahre dauern, bis die Reform abgeschlossen ist. Dabei kann sich Deutschland einen Zeitverzug kaum leisten. Die Zahl gut ausgebildeter Soldaten muss ebenso schnell erhöht werden wie die Ausstattung mit gepanzerten Fahrzeugen. Die Union sollte die Debatte um einen Einsatz der Bundeswehr im Inneren umgehend stoppen, weil sie nur von den eigentlichen Zukunftsaufgaben ablenkt.

Für die öffentliche Akzeptanz der gefährlichen Auslandseinsätze kommt es entscheidend darauf an, dass die Bundesregierung keine Zweifel an einer perfekten Vorbereitung der Bundeswehr aufkommen lässt. Geld für die nötigen Investitionen in Personal und Material sollte dem Verteidigungsminister deshalb ausreichend zur Verfügung gestellt werden – im Bundesetat muss entsprechend umgeschichtet werden. Angeschafft werden muss vor allem Material und Technologie, die für Auslandseinsätze notwendig ist: verstärkte eigene Aufklärungskapazitäten, Transportmittel zu Luft und zu Wasser, Waffensysteme, die bei Auslandsmissionen benötigt werden. Auch sollte die Bundesregierung darauf drängen, dass wichtige Transportmittel, wie der A 400 M, pünktlich geliefert werden.

Nötig wäre zudem eine Änderung des Parlamentsbeteiligungsgesetzes – die eigentlich nur eine große Koalition leisten könnte. Die Bundeswehr kann auch dann eine Parlamentsarmee bleiben, wenn der Bundestag nicht jeder Änderung an Mandaten zustimmt. Sinnvoll ist eine Mandatierung am Anfang eines Bundeswehreinsatzes und ein grober Umriss des Auftrages. Es ist kontraproduktiv, in Mandaten die Obergrenze der eingesetzten Bundeswehrsoldaten oder etwa die genauen Regionen innerhalb eines Landes festzulegen.

Ansonsten kreist die verteidigungspolitische Debatte immer wieder um Nebensächlichkeiten. Während die Nato-Partner darüber streiten, was nötig ist, um Afghanistan auf die Beine zu helfen, dreht sich die innenpolitische Diskussion um die Frage, ob es nun bei drei Afghanistan-Mandaten bleibt. Dabei ist etwa der Einsatz der KSK-Spezialeinheiten nur unter dem umstrittenen Mandat „Operation Enduring Freedom“ (OEF) möglich, nicht aber unter dem ISAF-Mandat. Absurderweise werden Bundeswehr-Einsätze deshalb auch weniger danach konzipiert, was in einem Einsatzland nötig ist, sondern bei der gerade vorhandenen Grundstimmung im Bundestag durchsetzbar scheint.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Überarbeitung der Entwicklungshilfe

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterBildergalerien

 

zurück  vor
  • Merkel und „Goldelse“: Ob...

    Merkel und „Goldelse“: Obamas Berlin-Agenda

    Die Faszination Obama erreicht Berlin. Zur Rede des US-Präsidentschaftskandidaten vor der Siegessäule werden Tausende Menschen erwartet, die begeistert amerikanische Fähnchen schwenken. Doch der Auftritt an der "Goldelse" ist nicht der einzige Termin des Demokraten in ...Bildergalerie 

  • Zwischen Minen und Stache...

    Zwischen Minen und Stacheldraht: Urlaub in Nordkorea

    Bade- und Wanderurlaub in Nordkorea? Gibt es nicht? Doch. Der südkoreanische Hyundai-Konzern macht es möglich: In einer kapitalistischen Enklave im bitterarmen Norden können Ausländer Golfspielen und in Luxushotels unterkommen. Doch nicht immer läuft beim Ausflug ins "...Bildergalerie 

  • Obama auf Schloss Neuschw...

    Obama auf Schloss Neuschwanstein

    Die Republik steht Kopf, seit US-Präsidentschaftskandidat Barack Obama angekündigt hat, einen Fuß auf deutschen Boden zu setzen. Doch prompt hat sich sein außenpolitisch unerfahrenes Team mit den Plänen für einen öffentlichen Auftritt am Brandenburger Tor in die Nessel...Bildergalerie 

  • G8: Viel Lärm um nichts

    G8: Viel Lärm um nichts

    Einmal im Jahr bietet die Weltpolitik eine ganz große Inszenierung - den Gipfel der führenden Industriestaaten und Russlands (G8). Geschätzte 356 Millionen Euro Steuergelder flossen diesmal in das Polit-Spektakel im japanischen Toyako. Vergleichsweise unspektakulär ...Bildergalerie 

 

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Alles schläft, Merkel lacht  Artikel in Merkliste

23.07.2008 von Thomas Hanke

Auf der Sommer-Pressekonferenz der Bundeskanzlerin gab es keine Nachricht, keine Botschaft. Das Medium war die Message: Angela Merkel selbst. Ausformuliert würde die Botschaft lauten: Macht euch keine Sorgen, genießt den Sommer, ich lächele alle Probleme weg. Kommentar