0 Bewertungen
14.05.2008 
Renten-Debatte

SPD weist DGB-Rentenforderungen zurück

von Karl Doemens

Die Vorschläge des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) für Korrekturen an den Rentenreformen stoßen bei der SPD auf erhebliche Vorbehalte. Vor allem die vorgesehene Finanzierung mit Steuergeldern und über Beitragssteigerungen sorgt für Protest.

Der DGB spricht von einer „Zeitbombe Altersarmut“. Foto: apLupe

Der DGB spricht von einer „Zeitbombe Altersarmut“. Foto: ap

BERLIN. „Es kann nicht im Sinne von Arbeitnehmern und Arbeitgebern sein, wenn die Sozialbeiträge deutlich steigen“, sagte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Elke Ferner (SPD) dem Handelsblatt.

„Das heißt am Ende weniger Netto in den Taschen“, sagte Ferner. Sie kritisierte auch die Forderung nach zusätzlichen Bundesmitteln von mindestens 16,5 Mrd. Euro für die Alterssicherung von Langzeitarbeitslosen und Geringverdienern. „Wer mehr Geld aus dem Bundeshaushalt fordert, muss schon sagen, welche Steuer er denn erhöhen möchte.“

Ferner kündigte an, die SPD werde im Herbst ein Gesamtkonzept zur Rentenpolitik vorlegen. Dabei würden Lösungsvorschläge insbesondere für die bessere Absicherung von Geringverdienern, für gleitende Übergänge in den Ruhestand und für die Ausweitung der Rentenversicherung auf alle Erwerbstätigen gemacht. „Über einzelne Punkte in dem DGB-Papier kann man sicher reden“, sagte die SPD-Abgeordnete.

Der DGB hatte zur Vermeidung von Altersarmut eine umfassende Reform der gesetzlichen Rentenversicherung gefordert. Finanzieren will der DGB nach seinem am Mittwoch in Berlin vorgestellten Konzept die höheren Renten vor allem mit Steuergeld und über Beitragssteigerungen. Auch will er mit einer Erwerbstätigenversicherung für mehr Beitragszahler sorgen.

Der DGB verlangt unter anderem auf eine Anhebung des Rentenniveaus. Die zu einem geringeren Anstieg führenden Elemente der Rentenformel – wie Riester- und Nachhaltigkeitsfaktor – müssten komplett abgeschafft werden. Sie waren eingeführt worden, damit die Beitragssätze angesichts der alternden Bevölkerung nicht explodieren.

Selbstständige, Beamte und Politiker sollen nach Vorstellung des DGB schrittweise in die Rentenversicherung einbezogen werden. Auch solle es leichter und mehr Erwerbsminderungsrente geben. Darüber hinaus sollten die Renten für Langzeitarbeitslose deutlich aufgestockt werden.

Durch eine Rente nach Mindesteinkommen sollen kleine Renten nach mindestens 25 Versicherungsjahren über der gesetzlich garantierten Grundsicherung liegen. Weiter plädiert der Gewerkschaftsbund für flexiblere Übergänge vom Berufsleben in den Ruhestand.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige
Anzeige

weiterBildergalerien

 

zurück  vor
  • Das Drama um Ingrid Betan...

    Das Drama um Ingrid Betancourt

    „Gott, was für ein Wunder!“ Ingrid Betancourt kann es kaum glauben. Nach sechs Jahren wird sie aus der Farc-Geiselhaft im Dschungel von Kolumbien befereit. Die Nachricht stößt weltweit auf Freude und Erleichterung. Betancourts erster Auftritt in Freiheit und ihre Leide...Bildergalerie 

  • Steinbrück drückt Etatplä...

    Steinbrück drückt Etatpläne durch

    Sechs Flaschen Rotwein setzt Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) darauf, dass der Bundeshaushalt im Jahr 2011 erstmals seit gut vier Jahrzehnten wieder ohne neue Schulden auskommen wird. Wie der heute vom Kabinett verabschiedete Entwurf für den Haushalt 2009 und...Bildergalerie 

  • Was sich zum 1. Juli ände...

    Was sich zum 1. Juli ändert

    Am 1. Juli treten zahlreiche Änderungen in Kraft, die zum Teil in den letzten Monaten heftig umstritten waren: Rentner können sich über etwas mehr Geld im Portemonnaie freuen. Die Pflegereform bringt Verbesserungen für Pflegebedürftige und die Krankenversicherung steh...Bildergalerie 

  • Wahlfarce in Simbabwe

    Wahlfarce in Simbabwe

    Jagd auf Oppositionelle, Gewalt gegen Nichtwähler: Die umstrittene Wahl in Simbabwe löst weltweit Empörung aus. Doch Präsident Robert Mugabe lässt sich davon nicht beeindrucken. Im Gegenteil. Die Wahlfarce in Bildern. Bildergalerie 

 

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Die EZB darf nicht leichtsinnig werden  Artikel in Merkliste

03.07.2008 von Marietta Kurm-Engels

Die Falken im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) haben sich durchgesetzt, der Leitzinse wird um 25 Basispunkte angehoben. Die spannende Frage ist jetzt, ob das alles von der Zinsfront war. Kommentar