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11.01.2008 
Besuch in Holocaust-Gedenkstätte

Bush: „Wir hätten bombardieren sollen“

US-Präsident George W. Bush zeigte sich tief bewegt beim Besuch der Holocaust-Gedenkstätte Jad Vashem. Bush sei den Tränen nahe gewesen und habe gefragt, warum die USA im Zweiten Weltkrieg nicht die Zufahrtswege zum Konzentrationslager Auschwitz zerstört hätten. „Wir hätten bombardieren sollen“, sagte Bush.

George W. Bush in Jad Vashem. Foto: ReutersLupe

George W. Bush in Jad Vashem. Foto: Reuters

HB JERUSALEM. Mehr als 60 Jahre nach Ende des Holocausts hat US-Präsident George W. Bush es als Fehler bezeichnet, dass die USA nicht die Zufahrtswege zum Konzentrationslager Auschwitz bombardiert hätten. Während einer Führung durch die Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem in Jerusalem habe Bush Außenministerin Condoleezza Rice gefragt, warum die USA während des 2. Weltkrieges die Zufahrtswege nicht zerstört hätten, sagte der Vorsitzende des Holocaust-Zentrums Avner Schalev am Freitag in Jerusalem. „Wir hätten bombardieren sollen“, um das Töten zu beenden, habe Bush gesagt.

Zuvor hatte sich der Präsident Luftaufnahmen des Konzentrationslagers angesehen, die damals aus US-Flugzeugen gemacht wurden. Das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau war das größte deutsche Vernichtungslager während der Nazi-Zeit. Dort kamen nach Schätzungen 1,1 bis 1,5 Millionen Menschen ums Leben. Anlässlich des 60. Jahrestages der Befreiung von Auschwitz hatte der ehemalige israelische Präsident Mosche Katzav im Januar 2005 gesagt, dass eine Bombardierung der nach Auschwitz führenden Eisenbahnlinien viele Menschenleben hätte retten können.

Mit einem Besuch der Holocaust-Gedenkstätte und biblischer Stätten am See Genezareth im Norden Israels hatte Bush am Freitag seinen ersten offiziellen Besuch in Israel und den Palästinensergebieten beendet. „Es gibt gute Möglichkeiten für einen Frieden und ich möchte dabei helfen“, sagte Bush vor dem Abflug in den Golfstaat Kuwait. Der US-Präsident kündigte an, dass er zu den Feierlichkeiten anlässlich des 60. Jahrestages der Gründung Israels Anfang Mai wiederkommen werde.

Bush hatte sich während seines dreitägigen Aufenthalts in Israel für ein Ende der Besatzung und die Schaffung eines demokratischen und lebensfähigen Palästinenserstaates ausgesprochen. Zugleich gab Bush Israel eine Sicherheitsgarantie der USA. Während der politischen Gespräche äußerten sich sowohl Bush als auch Israels Ministerpräsident Ehud Olmert und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas optimistisch, dass ein israelisch-palästinensisches Friedensabkommen noch vor Jahresende geschlossen werden könne. Bush gab außerdem bekannt, dass US-General William Frazier als eine Art unparteiischer Schiedsrichter die Umsetzung des Nahost-Friedensplanes überwachen werde.

Bush hatte am letzten Besuchstag in Jad Vaschem einen Kranz niederlegt. Während der einstündigen Führung sei Bush zweimal den Tränen nahe gewesen, sagte Schalev. In einer kurzen Rede rief der US- Präsident dann zu mehr Zivilcourage gegen Gewalt und Verbrechen gegen die Menschlichkeit auf. Die Holocaust-Gedenkstätte sei eine ernüchternde Erinnerung, dass „das Böse“ noch existiere und dass man dagegen Widerstand leisten müsse. Die Holocaust-Gedenkstätte sei als lebendige Erinnerung sehr wichtig.

Bush ist unterdessen in Kuwait, der ersten Station einer Reise durch fünf arabische Staaten, eingetroffen. Im Vordergrund der politischen Gespräche stehen unter anderem der Iran, der israelisch- palästinensische Friedensprozess sowie das Schicksal von vier kuwaitischen Bürgern, die als mutmaßliche Terroristen im US- Gefangenenlager Guantánamo Bay auf Kuba festgehalten werden.

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