0 Bewertungen
16.01.2008 
Emissionshandel

Glos zieht gegen EU-Pläne zu Felde

von Klaus Stratmann

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos will die aktuellen EU-Pläne zum Emissionshandel stoppen - und scheut dabei vor deutlichen Worten nicht zurück, wie EU-Kommissionsvizepräsident Günter Verheugen jetzt erfahren konnte. Hintergrund des Streits sind die Bestrebungen der Kommission, Emissionszertifikate künftig nicht mehr kostenlos auszugeben.

BERLIN. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) hat sich in einem Brandbrief an EU-Kommissionsvizepräsident Günter Verheugen gegen die Pläne der Kommission zum Emissionshandel ausgesprochen. In dem Schreiben, das dem Handelsblatt vorliegt, heißt es, die Auktionierung von Emissionszertifikaten auch für energieintensive Branchen verschlechtere deren Wettbewerbsfähigkeit und sei daher abzulehnen. „Wir erweisen dem globalen Klimaproblem geradezu einen Bärendienst, wenn wir durch weitere Preissteigerungen Standort- und Arbeitsplatzverlagerungen in Länder auslösen, die keinem Klimaregime unterliegen“, schreibt Glos.

Tatsächlich will die Kommission den Emissionshandel schrittweise auf eine vollständige Auktionierung der Zertifikate umstellen. Bislang bekommen die Unternehmen die Zertifikate größtenteils kostenlos zugeteilt. Müssten Unternehmen der energieintensiven Branchen (Aluminium, Stahl, Zement, Kalk, Glas) die Zertifikate ersteigern, würden sich ihre Produkte verteuern. International wären sie so nicht mehr konkurrenzfähig.

Die Ankündigung der Kommission, dass künftig alle Anlagenbetreiber Zertifikate ersteigern müssten, sei ein „völlig falsches Signal“, schreibt Glos. Es müsse klar sein, „dass die europäischen Unternehmen gegenüber ihren außereuropäischen Konkurrenten, die für Kohlendioxid keinen Preis bezahlen müssen, keine Wettbewerbsnachteile haben werden“. Daher müsse das produzierende Gewerbe von einer Auktionierung ausgenommen werden. Erst wenn es ein internationales Klimaabkommen gebe, könne über den Einstieg in die Versteigerung nachgedacht werden.

Die energieintensiven Branchen warnen seit Monaten vor einer Versteigerung und propagieren eine alternative Lösung. So spricht sich etwa die Wirtschaftsvereinigung Stahl für ein sektorales Konzept aus. Jede energieintensive Branche soll je Produktionseinheit eine bestimmte Menge an Zertifikaten kostenlos zugeteilt bekommen. Die zugeteilte Menge soll sich kontinuierlich verringern, um Anreize für eine stetige Effizienzsteigerung zu setzen.

Allerdings stößt man auch dabei an Grenzen: „Wir sind bereits heute am verfahrenstechnischen Limit“, sagte Dieter Ameling, Präsident der Wirtschaftvereinigung Stahl, dem Handelsblatt. Am Ende gehe es um die Frage, ob man energieintensive Branchen aus Europa verdrängen wolle oder nicht. Ameling warnte gar vor den Folgen einer schleichenden Deindustrialisierung Europas.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterBildergalerien

zurück
  • Wachstumsprognosen: Wer was für 2009 ...

    Wachstumsprognosen: Wer was für 2009 orakelt

    Die deutsche Wirtschaft wird im kommenden Jahr nach Einschätzung von Konjunkturexperten schrumpfen. Unklar sind Ausmaß und Dauer der Rezession. Wirtschaftsinstitute, internationale Organisationen und Banken überbieten sich fast täglich mit düsteren Konjunkturprognosen ...Bildergalerie 

  • Wie die Länder unter dem Gasstreit le...

    Wie die Länder unter dem Gasstreit leiden

    Mehrere Länder in Ost- und Mitteleuropa greifen wegen ausbleibender Gaslieferungen aus Russland zu drastischen Maßnahmen. Teilweise riefen sie den Notstand aus. Wie sich der Gasstreit in den einzelnen Ländern Europas auswirkt.Bildergalerie 

  • Wie der Gasstreit deutsche Verbrauche...

    Wie der Gasstreit deutsche Verbraucher trifft

    Der Stopp russischer Gaslieferungen in die Ukraine hat auch in Deutschland Ängste vor Energieengpässen geweckt. Was deutsche Verbraucher nun wissen müssen: die wichtigsten Fragen und Antworten zu den möglichen Auswirkungen des Konflikts.Bildergalerie 

vor

 

 

weiterGlobal Reporting

Die schöne Narco-Braut 

03.01.2009Global Reporting

Wirklich überraschen konnte nicht, was jüngst in Mexiko durch den politischen Boulevard gereicht wurde. Es ist die Geschichte von Laura Elena Zuñiga, einer 23 Jahre alten Schönheitskönigin, die tief im mexikanischen Mafia-Milieu steckt. Blog


weiterMadagaskar

EU-Standardantwort: Beobachter 

07.01.2009Madagaskar

An der Oberfläche haben beide Konflikte nichts miteinander zu tun, in Georgien ging es um Autonomie und nationale Souveränität, im Gasstreit mit der Ukraine um Wirtschaftsinteressen. In Wahrheit geht es in beiden Fällen um Russlands Machtanspruch. Ein Beleg gefällig? Blog