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18.02.2008 
Russland-Serie

„Hölle des Nordens“ lebt allein vom Nickel

von Thomas Wiede

Die russische Kleinstadt Montschegorsk hat sich seit der Sowjetzeit kaum verändert. Noch immer blasen die Schlote der Nickel-verarbeitenden Industrieanlagen Kohlenstoffdioxid in den Himmel. Doch nun soll die Anschaffung neuer Anlagen für weniger Emissionen und mehr Effizienz und Produktivität sorgen – auf Kosten der rund 11 000 Beschäftigten.

Nickelproduktion bei Norilsk Nickel. Der größte Bergbaukonzern Russlands bringt auch abgelegenen Regionen Wohlstand. Doch es drohen Arbeitsplatzverluste. Foto: reutersLupe

Nickelproduktion bei Norilsk Nickel. Der größte Bergbaukonzern Russlands bringt auch abgelegenen Regionen Wohlstand. Doch es drohen Arbeitsplatzverluste. Foto: reuters

MONTSCHEGORSK. Im Herzen des Industriesauriers aus den 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts tanzen meterhohe Flammen. Der Schichtführer lässt das glühende Nickel aus dem 1 500 Grad heißen Kessel vorsichtig in die bereitstehenden Formen fließen. Rund um die Uhr bearbeiten die Männer in der kleinen Industriestadt Montschegorsk oberhalb des Polarkreises Russlands Reichtum: Für den größten Bergbaukonzern des Landes, Norilsk Nickel, verfeinern sie das rohstoffreiche Gestein, das ihre Kollegen rund vier Autostunden durch die eisige Tundra entfernt dem Polarboden entreißen.

Montschegorsk auf der Kola-Halbinsel mit seinen rund 50 000 Einwohnern war einmal so etwas wie die „Hölle des Nordens“. Und nur allmählich verändert sich das Bild. Russland hat sich in den acht Jahren der Präsidentschaft von Präsident Wladimir Putin rasant verändert – doch die Region zeigt Beharrungsvermögen.

Zu Sowjetzeiten bliesen die Schlote der Kombinate in Montschegorsk jährlich allein 250 000 Tonnen Schwefeldioxid in den Himmel. Heute sind es „nur“ 40 000 Tonnen. Immer noch zu viel, aber im Rahmen der Gesetze, wie der Konzern beteuert. Die staatliche Kontrollbehörde Rostechnadzor hat das Unternehmen im vergangenen Jahr zu zusätzlichen Zahlungen verdonnert – wegen der Umweltverschmutzung. Alles soll sich ändern, verspricht der Generaldirektor der örtlichen Norilsk-Nickel-Tochter, Jewgenij Potapow.

Der 33-jährige Jurist und erklärte Putin-Fan strotzt vor Energie und Zuversicht. Für die Firma und für Russland. Er hat ein Modernisierungsprogramm vor der Brust, das nicht nur weniger Emissionen, sondern vor allem mehr Effizienz und Produktivität bringen soll. Von den derzeit rund 11 000 Beschäftigten an den zwei Standorten im hohen Norden, die für rund 40 Prozent der Nickelproduktion des Weltmarktführers sorgen, sollen die Hälfte abgebaut werden.

Sorgen darüber, was dies für die beiden betroffenen Städte Montschegorsk und Sapoljarnij bedeutet, wo rund jede dritte Familie von der Arbeit bei Norilsk Nickel abhängig ist, macht sich Potapow weniger. Die größte Herausforderung für den Konzern werde sein, in Zukunft die nötigen Fachkräfte zu finden, um die modernen Maschinen zu bedienen, die sie anschaffen wollen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Stadt in der Tundra.

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