0 Bewertungen
29.04.2008 
Erster Prozess gegen Tibet-Demonstranten in China

Buddhistischer Mönch zu lebenslanger Haft verurteilt

Es war der erste Prozess wegen der antichinesischen Unruhen in Tibet vor eineinhalb Monaten: Vor Gericht in China standen 17 Menschen, darunter auch ein buddhistischer Mönch. Das Urteil der Richter fiel hart aus – und ist damit eine klare Warnung.

HB PEKING. Im ersten Prozess seit den antichinesischen Unruhen in Tibet vor eineinhalb Monaten hat ein chinesisches Gericht 17 Menschen zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Zwei Männer erhielten lebenslange Haft, darunter ein buddhistischer Mönch, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete.

Nach Angaben der tibetischen Exilregierung kamen bei den Unruhen mindestens 203 Tibeter ums Leben, diese Zahl ist fast zehn Mal so hoch wie die offiziellen Angaben aus Peking. Mehr als 1000 Menschen hätten Verletzungen erlitten, und mehr als 5715 seien noch immer in Haft, erklärte die Exilregierung im nordindischen Dharamsala. Die tatsächlichen Zahlen lägen vermutlich noch höher, weil es aus entlegenen Gebieten kaum Informationen gebe, sagte Sprecher Thubten Samphal. Die chinesischen Behörden haben die Zahl der Toten bei den gewaltsamen Protesten Mitte März mit 22 angegeben.

Der zu lebenslanger Haft verurteilte buddhistische Mönch Basang habe eine Gruppe angeführt, die in Lhasa Regierungsgebäude zerstört, Geschäfte in Brand gesetzt und Polizisten angegriffen habe, berichtete Xinhua. Zwei weitere Mönche müssen für 20 Jahre ins Gefängnis, drei wurden zu 15 Jahren Haft verurteilt. Bei den Unruhen wurden Xinhua zufolge sieben Schulen, fünf Krankenhäuser und 120 Wohnhäuser in Brand gesetzt, Hunderte Geschäfte wurden geplündert. Der Schaden betrage mehr als 244 Millionen Yuan (22,4 Millionen Euro).

Die Regierung in Peking hat den Dalai Lama für die gewaltsamen Proteste verantwortlich gemacht, sich nach wochenlangem internationalen Druck aber zu Gesprächen mit Vertretern des geistlichen Oberhaupts der tibetischen Buddhisten bereiterklärt. Einzelheiten zu dem geplanten Treffen seien bislang noch nicht vereinbart, teilte das Außenministerium mit.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Olympische Flamme setzt Spießrutenlauf fort

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige
Anzeige

weiterBildergalerien

 

zurück  vor
  • Das Drama um Ingrid Betan...

    Das Drama um Ingrid Betancourt

    „Gott, was für ein Wunder!“ Ingrid Betancourt kann es kaum glauben. Nach sechs Jahren wird sie aus der Farc-Geiselhaft im Dschungel von Kolumbien befereit. Die Nachricht stößt weltweit auf Freude und Erleichterung. Betancourts erster Auftritt in Freiheit und ihre Leide...Bildergalerie 

  • Steinbrück drückt Etatplä...

    Steinbrück drückt Etatpläne durch

    Sechs Flaschen Rotwein setzt Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) darauf, dass der Bundeshaushalt im Jahr 2011 erstmals seit gut vier Jahrzehnten wieder ohne neue Schulden auskommen wird. Wie der heute vom Kabinett verabschiedete Entwurf für den Haushalt 2009 und...Bildergalerie 

  • Was sich zum 1. Juli ände...

    Was sich zum 1. Juli ändert

    Am 1. Juli treten zahlreiche Änderungen in Kraft, die zum Teil in den letzten Monaten heftig umstritten waren: Rentner können sich über etwas mehr Geld im Portemonnaie freuen. Die Pflegereform bringt Verbesserungen für Pflegebedürftige und die Krankenversicherung steh...Bildergalerie 

  • Wahlfarce in Simbabwe

    Wahlfarce in Simbabwe

    Jagd auf Oppositionelle, Gewalt gegen Nichtwähler: Die umstrittene Wahl in Simbabwe löst weltweit Empörung aus. Doch Präsident Robert Mugabe lässt sich davon nicht beeindrucken. Im Gegenteil. Die Wahlfarce in Bildern. Bildergalerie 

 

weiterGlobal Reporting

Bogotá: Keinen Centavo für Ingrid 

06.07.2008Global Reporting

Kolumbiens Präsident Álvaro Uribe hat am Wochenende massiv Berichten widersprochen, seine Regierung habe für die Befreiung von Ingrid Betancourt ein Lösegeld von 20 Millionen Dollar bezahlt. „Einige Verbitterte versuchen die Rettung zu beschmutzen“, wetterte Uribe am Sonnabend. Blog


weiterMadagaskar

Verrät Barack Obama seine Politik? 

27.06.2008Madagaskar

Barack Obama als Befürworter der Todesstrafe und des Waffenbesitzes? Es scheint, als habe der Kandidat der Demokraten für das Weiße Haus seine Seele verkauft. Doch er macht nur, was jeder Politiker macht, der gewinnen will. Auch er. Blog