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HANDELSBLATT, Freitag, 9. Mai 2008, 15:18 Uhr
Nahrungsmittelkrise

Millionen droht der Hunger

Von Sven Prange

Millionen Menschen droht weltweit der Hungertod. Grund sind die explodierenden Lebensmittelpreise. Die steigenden Kosten für Hilfslieferungen bringen selbst die Uno in Bedrängnis. Die Bundesregierung versucht jetzt mit weiteren Millionen für das Welternährungsprogramm gegenzusteuern. Trotzdem wird sich das Problem verschärfen.


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Hohe Preise für Nahrungsmittel bedrohen Stabilität in vielen Ländern. Foto: dpa
Bild vergrößernHohe Preise für Nahrungsmittel bedrohen Stabilität in vielen Ländern. Foto: dpa

BERLIN. Es ist für Millionen Menschen eine Rechnung des Schreckens, die der stellvertretende Chef des Welternährungsprogramms (WFP), John Powell, aufstellt. Wenn die finanzielle Ausstattung seiner Uno-Behörde durch die Geberstaaten nicht um mindestens ein Drittel aufgestockt wird, droht weltweit über 75 Millionen Menschen noch größeres Hungerleid. Die Kosten des Welternährungsprogramms zur Versorgung dieser Menschen sind seit vergangenem Herbst von jährlich 2,3 Milliarden US-Dollarn ausgehend um über 750 Millionen Dollar gestiegen. Schuld daran sind die weltweit explodierenden Preise für Nahrungsmittel.

Das trifft vor allem die Ärmsten. „Wenn wir ihre Hilfsportionen nicht dramatisch kürzen wollen, müssen wir die die finanziellen Mittel aufstocken“, sagt die deutsche Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD). Ihr Ministerium hat die jährlichen Zahlungen von 23 Millionen Euro an das Welternährungsprogramm bereits verdoppelt. „Damit hat Deutschland eine Vorreiterrolle beim Kampf gegen den Hunger unternommen“, lobt Powell.

Allerdings ist der deutsche Beitrag wenig mehr als der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Vor allem, weil keine Entspannung der Lage in Sicht ist. Die Preise für Grundnahrungsmittel wie Getreide, Reis oder Mais sind in den letzten Monaten durch die Decke gegangen und befinden sich weiter im Aufwärtstrend. Der Reispreis etwa stieg seit August um 60 Prozent, Mais oder Weizen wurden ebenfalls um zweistellige Prozentzahlen teurer. In zahlreichen Entwicklungsländern, etwa Ägypten, Haiti oder Kamerun, haben seitdem Menschen revoltiert, weil sie sich selbst eine Grundversorgung nicht mehr leisten können.

Die Vereinten Nationen, denen das WFP angegliedert ist, sind auch besorgt, „weil die Krise Regierungen in Entwicklungsländern schon dazu verleitet hat, Maßnahmen zu ergreifen, die das Problem auf lange Sicht eher verschlimmern als lösen“, so Powell. Er verweist etwa auf staatliche Preislimits für Lebensmittel und Exportverbote, die einige Regierungen in Entwicklungsländern verhängt haben.

Eine Verbesserung der Lage ist nicht in Sicht. „Wir gehen davon aus, dass die Lebensmittelpreise zumindest mittelfristig so hoch bleiben“, sagt Powell. Die Uno versuchen deswegen, neben mehr Geld auch vorbeugende Hilfe in den betroffenen Ländern zu leisten. Dazu gehört eine bessere Entwicklung der Landwirtschaft. „Wir haben begonnen, in einigen Ländern Kleinbauern näher an den Markt zu bringen“, erklärt Powell. Denn nur eine professionelle Landwirtschaft kann Menschen überall auf der Welt versorgen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Warum Deutschland trotz Krise aus Lebensmitteln weiter Energie machen möchte


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