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HANDELSBLATT, Sonntag, 11. Mai 2008, 12:12 Uhr
Richtungswahl

Hohe Beteiligung an „Schicksalswahl“ in Serbien

In Serbien haben die Wähler angesichts der als „historisch“ bezeichneten Parlamentswahl am Sonntag die Wahllokale gestürmt. Bei der Abstimmung zur Wahl von 250 Abgeordneten im neuen Parlament geht es vor allem um die Frage, ob sich Serbien weiter an die EU annähern oder sich von Brüssel abwenden soll.


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HB BELGRAD. Bis um 10 Uhr hätten rund zehn Prozent der 6,7 Millionen Wahlberechtigten bereits ihre Stimme abgebeben, berichtete die staatliche Wahlkommission (RIK) am Mittag in Belgrad. Niemals zuvor seien die Wähler zu diesem frühen Zeitpunkt so zahlreich an den Wahlurnen erschienen, erklärte die Kommission weiter.

Das nach den letzten Meinungsumfragen in Front liegende Anti-Europa-Lager unter Führung des amtierenden Regierungschefs Vojislav Kostunica will Serbien in ein enges Bündnis mit Russland führen. Heimische Experten hatten in diesem Fall vor einem Zusammenbruch der Wirtschaft gewarnt, da Serbien zwei Drittel seines Handels mit der EU abwickelt. In den EU-Ländern wie vor allem in Deutschland und Österreich arbeiten hunderttausende serbische Gastarbeiter.

Das pro-europäische Lager unter dem Staatspräsidenten Boris Tadic wurde im Wahlkampf offen von Brüssel unterstützt, während Kostunica aus Russland Schützenhilfe erhalten hatte. Der nationalkonservative Kostunica, der im Streit um die EU-Politik die Koalition mit dem Tadic-Lager hatte platzen lassen, wird nach allen Prognosen auch die neue Regierung anführen. In ihr dürften erstmals seit acht Jahren die Ultranationalisten (SRS) als vermutlich wieder stärkste Kraft im Lande sitzen.

Die Wahllokale schließen um 20 Uhr. Aussagekräftige Ergebnisse werden nicht vor Mitternacht erwartet.


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