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HANDELSBLATT, Sonntag, 11. Mai 2008, 17:42 Uhr
Wirbelsturm-Katastrophe

Lage in Birma droht völlig zu eskalieren

Nach dem verheerenden Zyklon in Birma droht die Lage in dem verarmten Land nun völlig zu eskalieren. Bis zu 1,9 Millionen Menschen kämpfen der Uno zufolge ums Überleben, während die Militärjunta weiter keine Helfer ins Land ließ. Experten halten das Ausmaß der Zerstörung für weitaus schlimmer als nach dem Tsunami im Dezember 2004.


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Birma nach dem Zyklon: Die Seuchengefahr steigt. Foto: dpa
Bild vergrößernBirma nach dem Zyklon: Die Seuchengefahr steigt. Foto: dpa

HB RANGUN. Es werde inzwischen von bis zu mehr als 100.000 Toten und 220.000 Vermissten ausgegangen, teilten die Vereinten Nationen (Uno) am Sonntag weiter mit. Auf der verzweifelten Suche nach Essen, Wasser und Medizin strömten Überlebende unterdessen in Scharen aus dem am schwersten verwüsteten Irrawaddy-Delta. Die UN warnten angesichts des dramatischen Mangels auch vor gewaltsamen Übergriffen unter den Opfern. Ein Rote-Kreuz-Schiff mit Hilfsgütern sank kurz vor seinem Ziel im Katastrophengebiet.

„Wenn nicht sofort und massiv Experten sowie Versorgungsgüter in die am schwersten betroffenen Gebiete gelangen, wird es eine Tragödie unvorstellbaren Ausmaßes geben“, sagte Greg Beck vom International Rescue Committee. Die Hilfsorganisation Oxfam forderte am Sonntag ein internationales Engagement wie nach dem Tsunami an Weihnachten 2004, um in Birma den Ausbruch von Epidemien doch noch zu verhindern. Es ist die die schwerste Zyklon-Katastrophe ihrer Art in Asien seit 1991, als im benachbarten Bangladesch 143.000 Menschen starben.


Bildergalerie Bildergalerie: Ausländische Hilfe unerwünscht


Nach Angaben der Militärjunta in Birma ist die Zahl der Toten durch den Killer-Zyklon „Nargis“ jetzt auf über 28 450 gestiegen. Gerüchten in der alten Hauptstadt Rangun zufolge ist die wirklich Zahl aber erheblich höher. Der von der Junta kontrollierte Sender MRTV gab die genaue Zahl der Opfer am Sonntag mit 28 458 Toten und 33 416 Vermissten an. Zuvor war von 23 000 Toten und 37 000 Vermissten die Rede. Überlebende der Unwetterkatastrophe, die die Küste am 2. und 3. Mai heimsuchte, glauben jedoch, dass die Uno-Schätzung näher an der Realität liegt.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier forderte die Regierung Birmas auf, internationalen Helfern schnell und uneingeschränkt Zugang zu den Notstandsgebieten zu gewähren. Steinmeier betonte nach einem Telefonat mit seinem thailändischen Amtskollegen, angesichts des Ausmaßes der Katastrophe sei internationale Hilfe dringlich und dulde keinen Aufschub mehr.

Das Technische Hilfswerk (THW) hält das Ausmaß der Zerstörung für weitaus schlimmer als nach dem Tsunami im Dezember 2004. Deutschland und Thailand forderten die Militärregierung auf, schnell ausländische Helfer einreisen zu lassen. Es seien „alle Faktoren“ für eine Folgekatastrophe gegeben, warnte die Regionaldirektorin von Oxfam, Sarah Ireland, am Sonntag in Thailand. „Es ist lebensnotwendig, dass die Leute Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Anlagen erhalten“, sagte Ireland.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die bisher in Birma eingetroffene Unterstützung sei nichts weiter als ein Tropfen auf den heißen Stein


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