| HANDELSBLATT, Montag, 12. Mai 2008, 10:36 Uhr | ||||||||||||||||||||||||
Parlamentswahl | ||||||||||||||||||||||||
Pro-Europäer siegen in Serbien | ||||||||||||||||||||||||
In Serbien haben die Proeuropäer einen überraschenden Sieg bei der Parlamentswahl errungen. Die Koalition für ein europäisches Serbien konnte die in den Umfragen führenden Ultranationalisten um rund zehn Prozentpunkte überrunden und erklärte sich in der Nacht zum Montag zum Wahlsieger. | ||||||||||||||||||||||||
HB BELGRAD. Die Europäische Union begrüßte das sich abzeichnende Ergebnis als förderlich für eine künftige Mitgliedschaft Belgrads. Allerdings kündigte das nationalistische Lager an, eine Regierungskoalition bilden zu wollen. „Dies ist ein großartiger Tag für Serbien“, erklärte Staatspräsident Boris Tadic. „Die Bürger Serbiens haben Serbiens europäischen Weg bestätigt.“ Nach Auszählung von mehr als 50 Prozent der Stimmen kam sein Parteienbündnis auf rund 39 Prozent, wie das unabhängige Zentrum für freie Wahlen und Demokratie mitteilte. In den Straßen von Belgrad feierten Tadics Anhänger das Ergebnis mit Hupkonzerten und EU-Flaggen. Die ultranationalistische Serbische Radikale Partei (SRS) von Tomislav Nikolic erzielte den Hochrechnungen zufolge 28,6 Prozent der Stimmen. Die Demokratische Partei Serbiens (DSS) des amtierenden Ministerpräsidenten Vojislav Kostunica erreichte 11,6 Prozent. Die Sozialistische Partei der Anhänger des verstorbenen Slobodan Milosevic kam auf 8,2 Prozent - ihr bestes Ergebnis seit dem Sturz des früheren serbischen und jugoslawischen Präsidenten im Jahr 2000. Die Wahlbeteiligung lag bei rund 60 Prozent. Die slowenische EU-Ratspräsidentschaft plädierte dafür, Serbien nunmehr bald den Status eines Beitrittskandidaten zu gewähren. Dies wäre die notwendige Vorstufe einer Mitgliedschaft. Die Verhandlungen darüber waren bislang immer wieder ins Stocken geraten, da die mutmaßlichen bosnisch-serbischen Kriegsverbrecher Radovan Karadzic und Ratko Mladic immer noch nicht ans Haager UN-Tribunal ausgeliefert wurden. Diese sind vermutlich in Serbien untergetaucht. | ||||||||||||||||||||||||
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