0 Bewertungen
17.05.2008 
Afghanistan

Taliban-Führer entwischt der Bundeswehr

Patzer mit Folgen: Nach Medienberichten wollte eine Eliteeinheit der Bundeswehr zusammen mit afghanischen Soldaten einen Taliban-Führer verhaften, der jedoch entkam. Die Deutschen hätten ihn nicht töten dürfen, heißt es. Nun könnten die deutschen Soldaten stärker als bislang bedroht sein.

HB FRANKFURT/KABUL. Der Extremist sei – so der „Spiegel“ – im Norden Afghanistans nach wochenlanger Beobachtung bei einem nächtlichen Zugriff entkommen. Der Mann hätte getötet werden können. Aber die Bundeswehreinheit Kommando Spezialkräfte (KSK) sei dazu nicht ermächtigt gewesen. Das Verteidigungsministerium in Berlin wollte zu dem Bericht keine Stellung nehmen. Über Einzelheiten zu den Einsätzen von Spezialkräften in Afghanistan werde das Parlament unterrichtet, erklärte ein Sprecher auf Anfrage.

Der „Spiegel“ berichtete weiter, die verpatzte Aktion Ende März erhöhe möglicherweise das Risiko für die in Nordafghanistan stationierten Deutschen. Der Extremist sei nun gewarnt „und wohl auf Rache bedacht“. Der Mann sei mit seinem Netzwerk weiter aktiv. Das Blatt zitierte einen Taliban-Kommandeur in Kundus, Maulawi Baschir Hakkani: „Die Deutschen sind der wichtigste Feind im Norden. Sollten sie ihre Lager verlassen, werden auf jeder Straße Sprengfallen und Bomben auf die Deutschen warten. Sie werden noch viele Särge mit Leichen auf ihre Schultern laden, wenn sie nicht zu der realistischen Einschätzung kommen, dass ihre Streitkräfte aus unserem Land abziehen müssen.“

Der der KSK entkommene Kommandeur steckte laut „Spiegel“ hinter dem bislang verheerendsten Anschlag in Afghanistan, bei dem im November 2007 in einer Zuckerfabrik in der Provinz Baghlan mehr als 70 Menschen getötet worden waren. Er habe beste Verbindungen zu Terrorkreisen in Pakistan.

Im Isaf-Hauptquartier habe das Vorgehen der deutschen Spezialeinheit den Streit über die richtige Strategie bei der Terroristenbekämpfung weiter geschürt. Während Briten und Amerikaner gezielte Tötungen grundsätzlich befürworten und dies auch im konkreten Fall für angebracht gehalten hätten, lehnten die Deutschen tödliche Gewalt gegen Terrorverdächtige ab, „solange nicht ein Angriff stattfindet oder unmittelbar bevorsteht“, zitierte das Nachrichtenmagazin aus einem geheimen Weisungspapier der Bundesregierung, das bei der Nato hinterlegt sei. Ein Flüchtender wie der Bomber von Baghlan sei kein Angreifer und dürfe deshalb nicht ohne Not erschossen werden, sagte ein hoher Beamter des Verteidigungsministeriums nach Angaben des „Spiegels“.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige
Anzeige

weiterBildergalerien

 

zurück  vor
  • Zwischen Minen und Stache...

    Zwischen Minen und Stacheldraht: Urlaub in Nordkorea

    Bade- und Wanderurlaub in Nordkorea? Gibt es nicht? Doch. Der südkoreanische Hyundai-Konzern macht es möglich: In einer kapitalistischen Enklave im bitterarmen Norden können Ausländer Golfspielen und in Luxushotels unterkommen. Doch nicht immer läuft beim Ausflug ins "...Bildergalerie 

  • Obama auf Schloss Neuschw...

    Obama auf Schloss Neuschwanstein

    Die Republik steht Kopf, seit US-Präsidentschaftskandidat Barack Obama angekündigt hat, einen Fuß auf deutschen Boden zu setzen. Doch prompt hat sich sein außenpolitisch unerfahrenes Team mit den Plänen für einen öffentlichen Auftritt am Brandenburger Tor in die Nessel...Bildergalerie 

  • G8: Viel Lärm um nichts

    G8: Viel Lärm um nichts

    Einmal im Jahr bietet die Weltpolitik eine ganz große Inszenierung - den Gipfel der führenden Industriestaaten und Russlands (G8). Geschätzte 356 Millionen Euro Steuergelder flossen diesmal in das Polit-Spektakel im japanischen Toyako. Vergleichsweise unspektakulär ...Bildergalerie 

  • Das Drama um Ingrid Betan...

    Das Drama um Ingrid Betancourt

    „Gott, was für ein Wunder!“ Ingrid Betancourt kann es kaum glauben. Nach sechs Jahren wird sie aus der Farc-Geiselhaft im Dschungel von Kolumbien befereit. Die Nachricht stößt weltweit auf Freude und Erleichterung. Betancourts erster Auftritt in Freiheit und ihre Leide...Bildergalerie 

 

weiterGlobal Reporting

Missbrauch von Symbolen bei Betancourt-Befreiung 

17.07.2008Global Reporting

Das kolumbianische Militär hat Ingrid Betancourt und 14 weitere Geiseln unter Einsatz verbotener Symbole einer humanitären Organisation aus den Händen der FARC-Rebellen befreit. Blog


weiterMadagaskar

Was Beck von Barack lernen kann 

09.07.2008Madagaskar

Kein Wunder, dass sich die Große Koalition in Berlin über den Auftritt von Barack Obama vor dem Brandenburger Tor streitet. Angela Merkel kann dabei nur verlieren. Blog