0 Bewertungen
09.05.2008 
Libanon

Hisbollah kontrolliert Beiruts Zentrum

Der Libanon steuert möglicherweise auf einen neuen blutigen Bürgerkrieg zu. Kämpfer der pro-iranischen Miliz Hisbollah und der schiitischen Amal-Bewegung brachten am Freitag mehrere Viertel im Zentrum Beiruts unter ihre Kontrolle. Bei den Kämpfen gab es zahlreiche Tote.

Ein Regierungsanhänger will der Hisbollah den Weg versperren. Foto: apLupe

Ein Regierungsanhänger will der Hisbollah den Weg versperren. Foto: ap

HB BEIRUT. In der Hauptstadt wurden nach Angaben von Krankenhausärzten mindestens 13 Menschen getötet. Zwei weitere Menschen kamen in der Stadt Chaldeh südlich von Beirut ums Leben. Insgesamt mehr als 60 Menschen wurden verletzt.

Augenzeugen hörten in der Innenstadt von Beirut den ganzen Tag über immer wieder Maschinengewehrsalven und den Knall explodierender Granaten. Die Armee, die einige Gebäude schützte, ließ zu, dass Schiiten auch in den vorwiegend von Sunniten bewohnten Stadtteilen Stellung bezogen. Die Kämpfe hatten Donnerstag begonnen, nachdem Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah erklärt hatte, die Regierungsmehrheit habe der Opposition „den Krieg erklärt“.

Unter den Opfern waren auch unbewaffnete Passanten. Ein Krankenhausmitarbeiter sagte, die Leiche eines enthaupteten Sunniten sei in das Leichenschauhaus der Klinik gebracht worden: „Seine Verwandten behaupteten, militante Schiiten hätten ihn in seiner Wohnung im Stadtteil Ras al-Nabaa getötet.“

Die Innenstadt von Beirut war am Nachmittag mehr oder weniger ausgestorben, nachdem viele Familien aus ihren Häusern in sicherere Gebiete im christlichen Osten der Stadt geflohen waren. Maskierte Schützen standen auf vielen Dächern. „Wir haben die Nacht im Badezimmer verbracht, weil es dort am sichersten war, es war die Hölle“, sagte Salwa Hitti, die mit ihrer Familie im Zentrum wohnt.

Am Morgen hatten Hisbollah-Kämpfer das Büro der Zeitung „Al- Mustaqbal“ (Die Zukunft) mit Maschinengewehren und Granaten beschossen. Die Zeitung gehört zum Medienkonzern der sunnitischen Hariri-Familie, die mit dem pro-westlichen Regierungschef Fuad Siniora verbündet ist. Sie zogen nach Angaben der Journalisten erst ab, als Soldaten eintrafen. Der 2005 ermordete Milliardär und Ex- Ministerpräsident Rafik Hariri war der „Vater des Wiederaufbaus von Beirut“ nach dem Ende des Bürgerkrieges (1975-1990) gewesen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Außenminister Steinmeier zutiefst besorgt

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

WTO-Mitgliedschaft mit Vollkasko?

24.07.2008 , 10:24 Uhr
Anzeige

weiterBildergalerien

 

zurück  vor
  • Merkel und „Goldelse“: Ob...

    Merkel und „Goldelse“: Obamas Berlin-Agenda

    Die Faszination Obama erreicht Berlin. Zur Rede des US-Präsidentschaftskandidaten vor der Siegessäule werden Tausende Menschen erwartet, die begeistert amerikanische Fähnchen schwenken. Doch der Auftritt an der "Goldelse" ist nicht der einzige Termin des Demokraten in ...Bildergalerie 

  • Zwischen Minen und Stache...

    Zwischen Minen und Stacheldraht: Urlaub in Nordkorea

    Bade- und Wanderurlaub in Nordkorea? Gibt es nicht? Doch. Der südkoreanische Hyundai-Konzern macht es möglich: In einer kapitalistischen Enklave im bitterarmen Norden können Ausländer Golfspielen und in Luxushotels unterkommen. Doch nicht immer läuft beim Ausflug ins "...Bildergalerie 

  • Obama auf Schloss Neuschw...

    Obama auf Schloss Neuschwanstein

    Die Republik steht Kopf, seit US-Präsidentschaftskandidat Barack Obama angekündigt hat, einen Fuß auf deutschen Boden zu setzen. Doch prompt hat sich sein außenpolitisch unerfahrenes Team mit den Plänen für einen öffentlichen Auftritt am Brandenburger Tor in die Nessel...Bildergalerie 

  • G8: Viel Lärm um nichts

    G8: Viel Lärm um nichts

    Einmal im Jahr bietet die Weltpolitik eine ganz große Inszenierung - den Gipfel der führenden Industriestaaten und Russlands (G8). Geschätzte 356 Millionen Euro Steuergelder flossen diesmal in das Polit-Spektakel im japanischen Toyako. Vergleichsweise unspektakulär ...Bildergalerie 

 

weiterGlobal Reporting

Kochen im Eis - arktisches Tagebuch 

20.07.2008Global Reporting

Paul Devlin ist ein wichtiger Mann auf dem Eisbrecher Louis S. St-Laurent. Ohne ihn würde es den 70 Menschen an Bord nicht so gut gehen. Der 44-jährige Paul ist Chefkoch der „Louis“. Er versteht sein Handwerk. Davon konnte ich mich während meiner siebentägigen Arktisfahrt überzeugen. Blog


weiterMadagaskar

Was Beck von Barack lernen kann 

09.07.2008Madagaskar

Kein Wunder, dass sich die Große Koalition in Berlin über den Auftritt von Barack Obama vor dem Brandenburger Tor streitet. Angela Merkel kann dabei nur verlieren. Blog