Mit seiner Reise will der seit dem 1. Dezember amtierende Präsident, dann auch vor allem die Wirtschaftsbeziehungen mit dem alten Kontinent beflügeln. Denn noch immer hinkt der Handelsaustausch Mexikos mit Europa jenem mit dem Haupthandelspartner USA hinterher; daran hat auch das Freihandelsabkommen von 2000 nicht viel ändern können. Mexiko wickelt nur acht Prozent seines Außenhandels mit Europa ab, während es 82 Prozent im Rahmen der Nordamerikanischen Freihandelszone Nafta mit den USA tätigt.
„Dank des Freihandelsabkommens hat Europa immerhin die Prozente wieder aufgeholt, die es nach Inkrafttreten der Nafta 1994 verloren hatte“, sagt Giselher Foeth, Vizegeschäftsführer der Deutsch-Mexikanischen Handelskammer Camexa – wobei vor allem die Mexikaner kaum die Chancen des Abkommens nutzen, weil ihnen die verschiedenen Anforderungen der einzelnen Märkte in Europa zu kompliziert sind.
Innerhalb Europas ist Deutschland vor Spanien der größte Wirtschaftspartner Mexikos. Etwa eintausend deutsche Firmen tragen rund sechs Prozent zum mexikanischen Bruttoinlandsprodukt bei. 2006 lieferten deutsche Partner Waren und Dienstleistungen für 9,6 Mrd. Dollar nach Mexiko – Tendenz steigend. Damit das so bleibt, will Calderón vor der Lateinamerika-initiative der Deutschen Wirtschaft für sein Land Werbung machen. „Mexiko ist ein hervorragender Platz für Investitionen”, betonte er wiederholt. „Wenn wir alles richtig machen, können wir 2050 zu den fünf größten Wirtschaftsmächten der Welt gehören.“
Die politischen Turbulenzen des vergangenen Jahres halten Experten zumindest vorerst für überwunden. Calderón steht aber vor der großen Herausforderung, die soziale Situation der rund 45 Millionen in Armut lebenden Mexikaner zu verbessern – sonst könnte sich die augenblickliche Ruhe im Land bald als trügerisch erweisen.

