Die Arbeitslosenquote in der Region liegt bei 2,8 Prozent. Örtliche Vermittlungsagenturen haben schon große Schwierigkeiten, den Bedarf an qualifiziertem Personal zu decken. Der Jobabbau werde vor allem über Pensionierungen erfolgen, erwartet Alexej Tolstych, der stellvertretende technische Direktor in Montschegorsk. Er wollte eigentlich nur drei Jahre bleiben, jetzt ist er schon 26 Jahre dabei. Damals, noch zu sowjetischen Zeiten, hatten Studienabsolventen keine großen Wahlmöglichkeiten: Der Staat schickte sie dorthin, wo er sie brauchte.
Und der Norden war attraktiv – noch heute haben die Arbeiter mehr Urlaub, bekommen die Rentner mit 4 700 Rubeln mehr als das doppelte an Pension im Vergleich zu Zentralrussland. Wer dann weiter im Werk „schafft“, macht noch einmal bis zu 5 000 Rubel (140 Euro) extra im Monat. In einer Stadt wie Montschegorsk lässt es sich damit leben.
Die 29-jährige Tatjana Sidorow ist nach zehn Jahren Abwesenheit, nach Studium und ersten Jobs, wieder in ihre Heimatstadt zurückgekehrt und hat sich selbstständig gemacht. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Hier in Montschegorsk sei manches einfacher. Das Leben ist weniger teuer und anstrengend als in Städten wie St. Petersburg oder Moskau. Doch auch noch viel sowjetischer und vor allem langweiliger.
Die Stadt in der Tundra hat zwar eine weitgehend renovierte Hauptstraße mit Gebäuden aus der Stalinzeit. Doch Theater, Kino, Geschäfte und Cafes? Bis nach Murmansk – mit über 300 000 Einwohnern die größte Stadt in der Region – fährt man mit dem Auto zwei Stunden über schlechte Straßen. Die meisten jungen Leute, die zurückkämen, suchten schnelle Arbeitserfahrung und Geld, erzählt Sidorow. Um dann weiterzuziehen. Hier oben im dünn besiedelten Norden macht sich der negative Bevölkerungstrend in Russland besonders bemerkbar: Die Region hat seit 2001 gut sieben Prozent ihrer Einwohner verloren. Drogen sind ein Problem geworden – die örtlichen Behörden begründen dies mit den steigenden Einkommen.
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