Der „Landesherr“, Oleg Tschirkunow, ein ehemaliger KGB-Mann, der seine ersten Schritte als „Bisnisman“ mit dem Import von Schokolade aus der Schweiz machte, gehört als einer der wenigen russischen Gouverneure nicht der Kremlpartei „Einiges Russland“ an. In seinem Büro hängt auch kein Bild des Präsidenten, was ihm angeblich gar nicht aufgefallen sei, bis ihn Journalisten darauf ansprachen, erzählt er.
Der Zugang zu Tschirkunows Dienstsitz steht offen – von den sonst üblichen strengen „Ochraniki“ (Wachleuten) keine Spur. Er sieht sich als Manager, sein von Putin vergebenes Amt als Projekt. Er will Mechanismen aus der Wirtschaft übertragen, um die Verwaltung effizienter zu machen. In Perm kursieren dennoch Gerüchte, die ihn zu einem der reichsten Männer Russlands machen wollen. Und auch seine Projektarbeit findet nicht überall Anklang.
Ob er denn dem zivilgesellschaftlichen Engagement in seiner Region eine große Rolle beimesse? Man habe Glück hier, antwortet er ein wenig ausweichend, die meisten Aktivisten seien vernünftige Leute. Tatsächlich lässt die Permer Regierung nun die „zivile Kontrolle“ geschlossener staatlicher Einrichtungen wie Gefängnisse und Heime zu. Der Bürgerrechtler Awerkijew hält das für einen großen Erfolg.
Die Permer Bürgergesellschaft ist nicht zahnlos. Als der Sohn des Moskauer Rohstoffministers und Ex-Gouverneurs Jurij Trutnjew am Ufer des Flusses Kama ein Immobilienprojekt startete und dabei offenbar gleich eine ganze Reihe von Vorschriften umging, machten Proteste unabhängiger Gruppen so viel Wirbel, dass er das Projekt schließlich fallen ließ.
Die Wurzeln für ein solches Engagement reichen in Perm weit in die sowjetische Zeit und den Stalinismus zurück. Der Diktator hatte die Industrialisierung des Urals auf Kosten hunderttausender Zwangsarbeiter vorangetrieben. Hier fristeten politische Gefangene der Sowjetunion im berüchtigten Lager Perm-36 bis zu dessen Auflösung 1986 ihr klägliches Dasein. Viele der Inhaftierten blieben nach ihrer Entlassung in der Region.
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