Die Zaren haben Wladiwostok einst als Vorposten gegen China und Japan gegründet. Sie verpflanzten ethnische Europäer in die Siedlung und schlugen später die transsibirische Eisenbahn durch das Riesenreich. Die Sowjetunion schätzte den Hafen wegen seiner strategischen Lage und stationierte hier eine Flotte – Besucher durften die Stadt nicht betreten. Erst jetzt beginnt Wladiwostok, sich von dem Tief nach der Perestroika zu erholen.
Das Stadtbild reflektiert die verschiedenen Schichten der Entwicklung: Neben prächtigen Fassaden, die an Prag erinnern, stehen graubraune Betonklötze aus Sowjetzeiten. Dazwischen finden sich Holzhütten mit Wellblechdach, Schutthalden und Brachen, Erdwälle und schmutziger Schnee. Zugleich lassen Cafés und Kneipen das Flair der Hafenmetropole aufleben. Die Straßen wirken durch und durch westlich. Es sind fast ausschließlich japanische Wagen zu sehen – nur die Polizei fährt noch Lada. Denn Wladiwostok ist Russlands wichtigster Importhafen für Gebrauchtwagen. Etwa 500 Autos landen täglich mit Fähren an – von konsumfreudigen Japanern abgelegt, aber immer noch in Top-Zustand. Nur die Nummernschilder im europäischen Format passen nicht in die vorgesehene Ausbuchtung – und das Lenkrad sitzt auf der falschen Seite, denn Nippon fährt links.
Auch Konstantin Schatoba handelt mit Gebrauchtwagen. „Die meisten Bürger hängen hier letztlich entweder vom Autogeschäft oder der Fischerei ab“, sagt der 40-jährige Vater von zwei Kindern. Eine Gefahr fürs Business droht aus Moskau – die Regierung will Wagen mit dem Lenkrad auf der falschen Seite verbieten. Vorsichtshalber hat sich Schatoba daher ein zweites Standbein geschaffen und einen Supermarkt aufgemacht: „Doch die Korruption erschwert das Geschäft.“
Wegen eines Streits um den Grund und Boden unter seinem Laden hat Schatoba eine Gerichtsverhandlung am Hals. Ohne mit tausenden von Dollar zu schmieren, habe man jedoch vor Gericht kaum Aussicht auf Erfolg, sagt Schatoba. In seiner Funktion als Vizevorsitzender des Vereins für die Rechte der Autofahrer klagt er zudem gegen die Lokalregierung, weil auf der Fahrbahn seit Jahrzehnten Schlaglöcher überwiegen: Zwar ist Geld für den Straßenbau geflossen – es sei jedoch in den Taschen von Beamten gelandet.
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