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21.02.2008 

Frei handelbar ist Land erst seit 2001 und erst seit drei Jahren darf Ackerland legal in Bau- und Industriegrundstücke umgewandelt werden. Damit ist ein wahrer Kampf um Grund und Boden entbrannt: Ganze Horden von „Raidern“ suchen die alten Kolchosen heim. Seit die Getreidepreise auf dem Weltmarkt sich fast verdoppelt haben erkennen immer mehr Investoren die möglichen Gewinnmargen auf dem Acker. Zum Beispiel in Krasnojarskoje: Nur rund fünf Monate dauert es auf der Schweinefarm, bis ein Wurf reif zur Schlachtung ist, sieben Monate früher als im Landesschnitt. Massentierhaltung auf europäischem Niveau – eine dänische Firma hat den Betrieb hier aufgebaut. Die Super-Schweine würden auf einem traditionellen russischen Bauernhof gar nicht überleben, wo sie mit Hilfe von Schaufel und Stiefel in die Ställe getrieben würden, sagt Roman Anochin.

Noch immer leben gut die Hälfte der fünf Millionen Einwohner der Region Krasnodar von der Landwirtschaft – doch arbeiten immer mehr von ihnen in der Verarbeitung. In den vergangenen Jahren hat sich hier ein Zentrum der Lebensmittelindustrie entwickelt: Russische Hersteller wie Magnit oder Wim-Bill-Dann haben sich angesiedelt aber auch ausländischere Investoren wie Pepsico. Der deutsche Landmaschinenhersteller Claas hat einen Montagestandort aufgebaut und freut sich über wachsenden Absatz. Großabnehmer wie der Oligarch Oleg Deripaska, der die Landwirtschaft in der Region entdeckt hat, setzen fast ausschließlich auf westliche Technologien.

Nachdem Krasnodar in den neunziger Jahren unter der Herrschaft des nationalistischen Gouverneurs Nikolai Kondratenko zu einem Investoren-Grab zu werden drohte – der deutsche Baustoffkonzern Knauf wurde hier gar mit Waffengewalt aus seiner Fabrik vertrieben – hat sich die Region inzwischen zu einem der vielversprechenden Standorte in Russland gewandelt.

Alexander Tkatschjow, der von Putin eingesetzte Landesherr, trommelt regelmäßig im Ausland für Investitionen. Krasnodar steht heute in einem klaren Gegensatz zu den benachbarten „Problemzonen“ wie Tschetschenien, Dagestan oder Inguschetien, wo nach wie vor eine Zeitbombe aus extremer Armut angereichert mit ethnischen Konflikten tickt.

Doch auch in Krasnodar bleibt noch viel zu tun. Ein Jahr dauere es, um die Genehmigung und Finanzierung für einen neuen Betrieb zu bekommen, beklagt Uniprofessor Komlatskij. Ein großer Teil der Fördermittel würden zudem nicht abgerufen. Sicherlich habe sich auch die Lebensqualität auf dem Land gesteigert. Aber, sagt er mit Blick auf die niedriger Lebenserwartung in den ländlichen Regionen: „Unsere politischen Führer sagen immer, wie leben heute besser“, sagt er. „Doch warum leben wir dann nicht länger?“

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