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03.03.2008 

Die Geschichte, wie es dazu kam, beginnt im Jahr 2001. Die Maul- und Klauenseuche tobt in England, und Cumbria, die Region, in der Alston liegt, ist mit am schlimmsten getroffen. Die Bauern fürchten um ihre Zukunft, die Wandertouristen bleiben aus. In diesem Jahr schreibt die Regierung ein Musterprojekt für ländliche Kommunen aus: Sechs von ihnen sollen Geld bekommen, um ihre Bürger ins Web zu bringen. Auch Daniel Heery bewirbt sich als Angestellter der Kommunalverwaltung Alston. Denn British Telecom weigert sich, in dieser Gegend zu investieren, um auch die abgelegensten Bauernhöfe ans Netz zu bringen.

Alston bekommt den Zuschlag – und 1,9 Millionen Pfund von der britischen Regierung. Eine drahtlose Internetabdeckung auf WLan-Technik über eine Fläche von 65 Quadratkilometern entsteht, viele Bürger erhalten kostenlose Computer und werden geschult. Informations- und Diskussionsdrehscheibe wird eine Webseite: Cybermoor.

„Erst haben die Leute nicht geglaubt, dass es was wird“, erzählt Heery. Dann brechen die Dämme: Während die einen den Umgang mit der Technik in Schulungen lernen, lassen sich die anderen von Nachbarn helfen. Heute verfügen 88 Prozent der 670 Haushalte von Alston über einen Computer – ein höherer Anteil als in den Technikmetropolen Schwedens und Südkoreas, höher gar als im Silicon Valley.

Brian Marshall war einer der Ersten in Alston, die einen Rechner bekamen: „Ohne das Projekt hätte ich vielleicht einen Computer – aber ich würde ihn wohl weniger nutzen und weniger darüber wissen“, sagt der 65-jährige pensionierte Polizist und unterbricht für einen Moment das Gespräch mit einer Bekannten nahe Lancaster. Regelmäßig sprechen die beiden über Skype, den Videotelefondienst. Mit seinem Sohn in Manchester und alten Freunden in Berlin hält Marshall nun leichter Kontakt, „sonst gäbe es aus Deutschland wohl nur eine Weihnachtskarte pro Jahr“.

Seine neue Freundin hat Marshall ebenfalls im Internet kennengelernt. „Ist Online-Dating für Senioren in Deutschland eigentlich bekannt?“ fragt der graubärtige Ex-Ordnungshüter. Man weiß ja nie.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Eine neue Art demokratischer Kultur.

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