0 Bewertungen
05.03.2008 

Bei Deutschland, Frankreich und weiteren EU-Ländern mit hohem Industrieanteil trifft Verheugens Forderung nach frühzeitigen Ausnahmen für die energieintensiven Branchen deshalb auf große Zustimmung. Der deutsche Umwelt-Staatssekretär Matthias Machnig sagte nach einem Treffen der EU-Umweltminister am Montag, diese Branchen bräuchten jetzt Klarheit und könnten nicht bis 2011 auf eine Entscheidung warten, ob sie für ihre Emissionen bezahlen müssen. Die Umweltminister beschlossen, die Reform des Emissionshandels und die Gefahr von Produktionsverlagerungen zum Thema des EU-Gipfels am 13. und 14. März zu machen.

Ob Verheugen sich bei den Regierungschefs durchsetzt, ist aber ungewiss. Sein Gegenspieler Dimas ließ gestern durch eine Sprecherin bekräftigen, dass er an dem Datum 2011 für die Festlegung möglicher Ausnahmen und die Auswahl der infrage kommenden Branchen festhalten wolle.

Der größte deutsche Stahlhersteller Thyssen-Krupp sieht durch die Brüsseler Pläne zum Emissionshandel die Stahlproduktion in Europa bedroht. „Wenn die vage formulierte Ausnahmeregelung für die energieintensive Stahlindustrie nicht greifen sollte, erwartet Thyssen-Krupp für das Jahr 2020 eine Mehrbelastung von rund einer Mrd. Euro“, sagte Stahlvorstand Jost A. Massenberg gestern auf einer vom Handelsblatt veranstalteten Branchentagung in Düsseldorf. Die daraus resultierenden Wettbewerbsnachteile gegenüber der internationalen Konkurrenz seien durch Rationalisierung nicht aufzuholen. „Der Stahlstandort Deutschland wäre massiv gefährdet“, warnte Massenberg.

Der Verband der chemischen Industrie (VCI) bezifferte die Zusatzkosten der verschärften Regeln für den Emissionshandel für seine Branche im Jahr 2020 mit fast zwei Mrd. Euro jährlich. Bei dieser Rechnung sei ein „relativ niedriger“ Preis von 30 Euro pro Tonne CO2 unterstellt.

Verheugen forderte zum Schutz der Industrie, dass die EU beim Scheitern eines globalen Klimaabkommens mit wichtigen Industriestaaten solche Abkommen für einzelne Branchen schließen solle.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Die weiche Flanke des Kandidaten

09.07.2008 , 08:45 Uhr
Anzeige

weiterBildergalerien

 

zurück  vor
  • Alte Hasen und ehrgeizige...

    Alte Hasen und ehrgeizige Neulinge

    Für Kanzlerin Merkel ist es die Nahrungsmittelkrise, dem britischen Premier Brown liegt Simbabwe am Herzen, Japans Ministerpräsident Fukuda zeigt auf den Klimawandel und US-Präsident Bush will vor allem einen guten Abgang hinlegen. Neben der offiziellen Agenda verfolge...Bildergalerie 

  • Das Drama um Ingrid Betan...

    Das Drama um Ingrid Betancourt

    „Gott, was für ein Wunder!“ Ingrid Betancourt kann es kaum glauben. Nach sechs Jahren wird sie aus der Farc-Geiselhaft im Dschungel von Kolumbien befereit. Die Nachricht stößt weltweit auf Freude und Erleichterung. Betancourts erster Auftritt in Freiheit und ihre Leide...Bildergalerie 

  • Steinbrück drückt Etatplä...

    Steinbrück drückt Etatpläne durch

    Sechs Flaschen Rotwein setzt Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) darauf, dass der Bundeshaushalt im Jahr 2011 erstmals seit gut vier Jahrzehnten wieder ohne neue Schulden auskommen wird. Wie der heute vom Kabinett verabschiedete Entwurf für den Haushalt 2009 und...Bildergalerie 

  • Was sich zum 1. Juli ände...

    Was sich zum 1. Juli ändert

    Am 1. Juli treten zahlreiche Änderungen in Kraft, die zum Teil in den letzten Monaten heftig umstritten waren: Rentner können sich über etwas mehr Geld im Portemonnaie freuen. Die Pflegereform bringt Verbesserungen für Pflegebedürftige und die Krankenversicherung steh...Bildergalerie 

 

weiterGlobal Reporting

Zahlenspiele zu G8 

09.07.2008, 05:48 UhrGlobal Reporting

Auf dem Gipfel im japanischen Toyako ist die mögliche Reform der G8 eines der großen Themen. Dass China, Indien und Brasilien wichtig geworden sind: völlig klar. Dass sie andere Probleme und Anliegen haben als die postindustriellen Wirtschaftsmächte in der Gruppe der acht: auch klar. Blog


weiterMadagaskar

Verrät Barack Obama seine Politik? 

27.06.2008Madagaskar

Barack Obama als Befürworter der Todesstrafe und des Waffenbesitzes? Es scheint, als habe der Kandidat der Demokraten für das Weiße Haus seine Seele verkauft. Doch er macht nur, was jeder Politiker macht, der gewinnen will. Auch er. Blog