Inzwischen sei auch das Gesetz zugunsten der Arbeiter verbessert worden, sagt Rechtsanwalt Mohammed al Roken, der in Dubai Menschenrechtsverletzungen nachgeht. Die Regierung kontrolliere jetzt, ob die Arbeiter auf den Baustellen Wasser bekommen, ob ihnen der Lohn ausbezahlt werde.
Das Gesetz helfe den Arbeitern allerdings nur beschränkt, gibt al Roken zu, „weil die Texte nur in Arabisch und Englisch abgefasst sind“. Viele der Gastarbeiter, die aus Pakistan, Bangladesch oder Indonesien kommen, kennen daher ihre Rechte gar nicht so genau.
Das Arbeiten auf der Baustelle ist zudem lebensgefährlich. „Es gibt kaum Sicherheitsbestimmungen“, sagt Khaled. Jedes Jahr sterben Hunderte ausländischer Bauarbeiter. Im Jahr 2004 zählte „Human Rights Watch“ 880 Todesfälle, das sind die neuesten Zahlen.
Die Misere der Fremdarbeiter wirft inzwischen ihre Schatten auf Dubais Image, auf die Stadt der Superlative und des Wirtschaftswunders. Die Hungerlöhne führen zudem zu einer archaisch anmutenden, arbeitsintensiven Bauweise, bei der die Qualität leidet. Höhere Löhne würden zu einer Verbesserung der Baustandards führen, sagt ein Ökonom in Dubai, weil sich dann der stärkere Einsatz von Maschinen rentieren würde. Dies käme auch einigen Einheimischen entgegen, die sich vor Überfremdung fürchten angesichts der vielen Fremdarbeiter, die auf der Suche nach einem besseren Leben nach Dubai kommen.
Dafür hat sich der schmächtige Khaled, wie die meisten seiner Kollegen, zunächst so hoch verschuldet, dass er ein bis zwei Jahre arbeiten muss, um alles abzustottern. Der Flug nach Dubai, Visum, ein Gesundheitstest sowie „etwas Schmiergeld“ für die Arbeitsvermittlung habe er zahlen müssen – alles zusammen rund 1 500 Dollar habe er hinblättern müssen, bevor er seinen Job in Dubai antrat. Das Geld hat er sich bei Verwandten und Freunden geliehen.
Bis vor kurzem schickte er noch 40 Prozent seines Lohnes nach Hause – an seine Frau und seine beiden Kinder. Den Rest habe er gespart – „um mir irgendwann ein Haus bauen zu können“, erzählt er. Doch jetzt könne er kaum mehr etwas zurücklegen. Sein mageres Gehalt schmelze mit der Dollar-Schwäche und der steigenden Inflation dahin, sagt Khaled. Er könne deshalb immer weniger an seine Familie in Kasur im Punjab überweisen. So geht es auch vielen anderen unter den Fremdarbeitern. Einige haben deshalb gestreikt. Jetzt bekommen sie zwar 20 Prozent mehr Lohn. Aber auch das reiche noch lange nicht, um die Lage nachhaltig zu verbessern, sagt Khaled.
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