Denn Frankreich ist gleich an mehreren Stellen besonders empfänglich für die negativen Signale, die der internationale Finanzmarkt nach Europa sendet. Zwar haben Frankreichs Banken die Folgen der Subprime-Krise bisher relativ gut überstanden. Doch ebenso wie in anderen Ländern tendieren jetzt auch die französischen Geldinstitute dazu, weniger Geld zu verleihen. „In Frankreich nehmen private Haushalte traditionell deutlich mehr Kredite auf als in Deutschland“, gibt Anton Brender, Chefökonom der belgisch-französischen Bank Dexia, zu bedenken. Wenn Konsumkredite nun schwerer zu bekommen seien, gehe dies auf Kosten des privaten Verbrauchs, was die französische Wirtschaft besonders hart treffe. Schließlich gilt die Konsumnachfrage seit vielen Jahren als wichtigste Stütze des französischen Wachstums. Die sich beschleunigende Inflation belaste den Konsum zusätzlich, warnt Eric Heyer vom Forschungsinstitut Observatoire Français des Conjonctures économiques (OFCE).
Die Dollarschwäche macht Frankreich ebenfalls zu schaffen. „Die französischen Exporte reagieren empfindlicher auf Kursschwankungen des Euro als die deutschen“, meint Ökonom Thierry Mayer von der Paris School of Economics. Jene Hochtechnologie, die sich auch bei hohen Preisen gut verkauft, haben französische Unternehmen kaum zu bieten. „Frankreich leidet unter einem strukturellen Wettbewerbsproblem. Die Zahl der Exporteure nimmt dramatisch ab. Deshalb ist unser Land besonders anfällig für die Dollarschwäche“, sagt Wirtschaftsprofessor Mayer.
Nur 20 Prozent aller französischen Unternehmen sind auf einem der großen Exportmärkte Südamerika, China, Indien, Russland oder USA präsent, ergab eine neue Studie des Kreditversicherers Altradius. In Deutschland seien 40 Prozent aller Unternehmen auf einem oder mehreren dieser Märkte regelmäßig aktiv.
Eine der wenigen erfolgreichen französischen Exportbranchen sieht ihre Aktivitäten in Frankreich nun durch den Kurssturz des Dollars bedroht: der Flugzeugbau. Immer mehr mittelständische Zulieferbetriebe von Airbus oder Dassault denken darüber nach, einen Teil der Produktion zu verlagern. „Wenn ein Euro 1,60 Dollar kostet, dann bleibt uns gar nicht anderes mehr übrig, als unsere Produktion in Regionen mit niedrigen Kosten oder in den Dollarraum zu verlegen“, klagt Charles Edelstenne, Präsident des Branchenverbandes Gifas.


