In der Verteidigungspolitik wurde vager formuliert. Brown und Sarkozy waren sich über die Notwendigkeit einer europäischen Verteidigungsdimension einig und forderten die EU-Partner auf, ihre Kapazitäten für militärisches und ziviles Krisenmanagement auszubauen. Aber die Briten drängten auch auf die Anerkennung der „zentralen Rolle der Nato“.
Differenzen wurden auch deutlich, als Brown einen Olympiaboykott wegen der Tibet-Krise ablehnte, während Sarkozy ihn nicht ausschloss. Er werde als künftiger EU-Präsident die europäischen Partner konsultieren, versprach der Präsident.
Politiker und Medien in Großbritannien waren beeindruckt von der Offenheit, mit der Sarkozy den Briten bei seinem Staatsbesuch eine „Bruderschaft für das 21. Jahrhundert“ vorschlug. Der frühere britische Europaminister Denis MacShane sprach von einer „Liebeserklärung“, als Sarkozy Großbritannien zum Entsetzen französischer Zeitungen als „Modell und Referenzgröße“ bezeichnete. In Großbritannien zog man Vergleiche mit früheren Präsidentenbesuchen aus Paris und fand, dass sich seit einer Generation kein französischer Staatschef so offen um Kooperation mit Großbritannien bemühte.
„Großbritannien wäre wahnsinnig, wenn es diese Chance nicht mit beiden Händen wahrnehmen würde“, schrieb der Oxforder Professor Timothy Garton Ash im „Guardian“. „Warten wir ab, ob das in konkrete Politik umgesetzt wird“, warnte der frühere Tory-Außenminister Malcolm Rifkind. „Die alten Differenzen werden sich bald zeigen“, prophezeite auch der „Daily Telegraph“ etwa mit Blick auf die kommenden Verhandlungen über die Reform der europäischen Agrarpolitik.

