Anders als in den USA und Großbritannien zeigt sich das spanische Finanzsystem dagegen bisher wenig anfällig für die Krise. Die Banken melden geringe Ausfallraten um die ein Prozent und verfügen über gigantische Rücklagen. Die könnten sie künftig aber noch brauchen, meint der Wirtschaftsprofessor Santiago Carbó von der Universität Granada, denn „es wurden Hypotheken für 100 Prozent des Immobilienwertes über lange Laufzeiten vergeben, die jetzt eine schwere Finanzlast für die Familien darstellen“. Die Entwicklung der Zinssätze und der Arbeitslosigkeit werden ausschlaggebend dafür sein, wie viele Kredite nicht mehr bedient werden können. Ende 2007 betrug der Anteil der faulen Hypothekenkredite bereits zwei Prozent.
Auch sorgt die internationale Krise für erhöhte Finanzierungskosten der spanischen Banken. Bisher konnten sie es sich größtenteils noch leisten, eine Verbesserung der Marktbedingungen abzuwarten, doch die lässt auf sich warten. „In diesem Halbjahr müssen aber sowohl Caja Madrid als auch andere Finanzinstitute wieder auf den Markt gehen, selbst wenn das erhöhte Kosten bedeutet, weil die bestehenden Schuldemissionen auslaufen und refinanziert werden müssen“, sagt Miguel Blesa, Präsident der größten spanischen Sparkasse Caja Madrid. „Die Folgen davon werden in einigen Monaten zu spüren sein.“
Gegenüber den USA und auch Großbritannien hat Spanien aber einen weiteren Vorteil, der nach Meinung der meisten Experten dazu beitragen kann, einen Einbruch der Wirtschaft zu verhindern. Der Staat verfügt nach einer Boom-Dekade über gut gefüllte Kassen, die er für eine Abfederung der sinkenden Nachfrage und weitere Anstrengungen zur Verbesserung der Produktivität nutzen kann. Obwohl die Volkswirte frühere Wachstumsprognosen von 3,8 Prozent für das laufende Jahr kräftig nach unten korrigiert haben, gehen sie im Schnitt immer noch von 2,5 Prozent Plus aus – ein Wert, von dem Deutschland oder die USA nur träumen können.

