Bereits seit 35 Jahren sind die Grundlagenforscher der Max-Planck-Gesellschaft im Reich der Mitte aktiv – „nun kulminiert die Zusammenarbeit in einem gemeinsamen Institut“, sagte MPG-Chef Peter Gruss in Shanghai. Das mit der chinesischen Akademie der Wissenschaften gegründete Institut für Computergestützte Biologie hat die erste Evaluierung mit Bravour bestanden und steht vor dem Ausbau.
Der Kampf um die besten Köpfe Chinas läuft auf Hochtouren. Derzeit existieren 400 deutsch-chinesische Hochschulkooperationen. 27 000 Chinesen studieren in Deutschland – in den USA sind es 100 000. An der Uni Stuttgart ist der häufigste Name Müller – auf Platz zwei und drei folgen Zhang und Wang.
Mitunter sprechen jedoch selbst hochrangige deutsche Wissenschaftler, etwa im Wissenschaftsrat, abfällig von wenig kreativen Chinesen, die man allenfalls als „Messknechte“ gebrauchen könne. Doch die sichtbare Gruppe chinesischer Spitzenforscher straft alle Vorurteile Lügen. So werben deutsche Unis neuerdings gezielt um chinesische Doktoranden: Die Elite-Uni RWTH Aachen sieht das neue Doktoranden-Stipendien-Programm der Chinesischen Regierung als „große Chance, gute Leute zu bekommen“, erzählt Vizerektor Reinhart Poprawe: „50 der Aachener Professoren sind interessiert.“
Auch die Fraunhofer-Gesellschaft führt derzeit Interviews mit hochqualifizierten chinesischen Postdocs. Das erste Jahr in Deutschland zahlt China – „den Besten finanzieren wir zwei weitere Jahre“, sagt Rosenfeld. Von den mehr als 6 000 ausländischen Gastwissenschaftlern an den Max-Planck-Instituten ist schon jeder neunte ein Chinese.
Noch ist der Austausch einseitig. In China studieren erst 2700 Deutsche. Doch die Tendenz ist steigend. Auch an der Chinesisch-Deutschen Hochschule für angewandte Wissenschaften der Universität Tongji, die mit Hilfe deutscher Unternehmen Ingenieure ausbildet. Im Wintersemester 2008/09 werden dort neben Liu und Kommilitonen auch Deutsche büffeln.

