Deshalb ist es auf einmal möglich, dass sich der konservative George W. Bush und eher linke Ökogruppen auf derselben Seite des Tisches wiederfinden. „Die Regierung ist unser Verbündeter bei unserem Drängen auf eine Reform“, sagt etwa Heather Fenney, die die liberale „California Food and Justice Coalition“, ein Netzwerk zur Förderung gesunder Nahrungsmittel, koordiniert.
Eine Reform, die von Nancy Pelosi, der demokratischen Sprecherin des Repräsentantenhauses, jedoch nicht im Ansatz angepackt wurde. Mit Rücksicht auf Abgeordnete aus ländlichen Gebieten ließ sie zu, dass das Gesetz mit immer neuen Vergünstigungen ausgestattet wurde. Üppig versorgt werden jene Landwirte, die Mais, Getreide, Baumwolle, Reis und Soja anbauen. Sie sollen zwei Drittel der gesamten Subventionen erhalten – obwohl die gerade am meisten von den hohen Preisen profitieren. „Das hat keinen Bezug zur Situation auf dem Markt“, beklagt Pelosis demokratischer Parteifreund, Ron Kind, Kongressabgeordneter aus Wisconsin, diese Absichten: „Das gibt uns nicht einmal die Illusion von einer Reform.“
Dabei machen die Bauern in den USA gerade einmal ein Prozent der Bevölkerung aus. Die Produktion spielt sich meist in großen agroindustriellen Komplexen ab – und nicht mehr bei den kleinen Farmern, den ursprünglichen Empfängern der Subventionen. Mit über 77 000 Dollar lag 2006 das Jahreseinkommen eines Farmers um 17 Prozent über dem Durchschnitt in den USA. Preisanstieg und Ethanol-Boom werden 2008 das Einkommen der Landwirte sogar noch weiter auf voraussichtlich 90 000 Dollar steigen lassen.
Die massiven Subventionen sind deshalb nur schwer zu rechtfertigen. In öffentlichen Foren entlädt sich der Ärger: „Im Endeffekt bezahlt die Regierung die Farmer dafür, dass sie weniger produzieren, um höhere Preise verlangen zu können“, schreibt etwa Joe Bialek aus dem Farmstaat Ohio über das geplante Gesetz. „Wie bei den meisten bürokratischen Programmen, so ist auch das hier inzwischen korrumpiert.“

