Mit Blick auf die anhaltende Inflation muss sich Peking jedoch Sorgen machen, dass so viel ausländisches Kapital wie nie zuvor nach China fließt. Denn das Reich der Mitte gilt in diesen unsicheren Zeiten bei vielen Investoren als relativ sicherer Hafen. In den ersten beiden Monaten dieses Jahres flossen 18,1 Mrd. Dollar nach China – 75 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
„Fast jeder versucht Geld nach China zu bringen“, sagt dazu Ökonom Wang Qian von JP Morgan. Die Geldschwemme treibt aber wieder die Kreditvergabe an. Deutschbanker Jun Ma sieht darum schon wieder den Berg der „faulen“ Kredite, ein altes Milliardenproblem in Chinas Finanzwelt, in kritische Höhen wachsen.
Bislang bekommen die Bankenriesen aus dem Reich der Mitte die US-Krise allerdings kaum zu spüren, da sie wenig zweitklassige US-Hypotheken gekauft haben, sagt Ivo Naumann, Bankenexperte von Alix Partners in Schanghai. Das staatliche Bankensystem habe sich diesmal als ein Schutzwall erwiesen. Allerdings gelte auch hier Vorsicht. Es sei schwer zu sagen, ob chinesische Banken nicht doch mehr gekauft hätten als sie zugäben, so Naumann. Daher ist das wahre Ausmaß der Subprime-Krise in China noch nicht abzusehen. Die Weltbank-Experten rechnen zwar mit einem Abflauen des Wirtschaftswachstums auf inzwischen 9,4 Prozent. Doch auch damit könne das Reich der Mitte den Nachfragerückgang aus den USA ausgleichen, sind sie optimistisch.
Die darum gern genannte Theorie von der Abkopplung der asiatischen Wirtschaften – allen voran Chinas – halten viele Experten dennoch für fragwürdig. Bei einer echten US-Rezession wäre „China dagegen keineswegs immun“, sagt David Cohen, Asien-Analyst von Action Economics in Singapur. Das jüngste Fabriksterben in Guangdong ist dafür der beste Beleg.

