0 Bewertungen
29.03.2008 

Der Grund für diesen scheinbar paradoxen Befund liegt in der höheren Dynamik, die weniger stark regulierte Jobmärkte aufweisen: „Wer gute Chancen hat, schnell wieder Arbeit zu finden“, sagt Dominik Enste, Arbeitsmarktexperte beim Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln, „der macht sich auch weniger Sorgen um seinen derzeitigen Job.“

Gut-gemeint-ist-oft-das-Gegenteil-von-gut droht nun auch beim Mindestlohn. Peter Esser, Gesellschafter der PIN Mail Regensburg, rechnete Bundeskanzlerin Merkel beim Münchner Treffen mit Wirtschaftsvertretern vor, dass sein Unternehmen wegen des Mindeststundenlohns von 9,80 Euro für Briefzusteller nun drei Sortiermaschinen bestelle, die 100 Mitarbeiter ersetzen. Der Mindestlohn beschreibt das große Drama der sozialen Marktwirtschaft – die Schäden, die durch sozialstaatliche Eingriffe entstehen, werden am Ende der Marktwirtschaft angelastet.

Die aktuelle Streikwelle, die das Land erfasst hat, muss sich die Politik ebenfalls zum guten Teil zuschreiben lassen. Mit ihren kräftigen Steuer- und Abgabenerhöhungen belastet die große Koalition die Beschäftigten derart, dass diese trotz moderater Bruttolohnerhöhungen immer weniger netto in der Tasche haben. Ärger, Frust und Wut der Beschäftigten richten sich jedoch gegen „die Wirtschaft“, gegen hochbezahlte Manager und üppige Abfindungen.

Für viele Politiker sind die Skandale ein willkommener Anlass, „vom eigenen Versagen abzulenken“, ärgert sich der Vorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU, Josef Schlarmann. Doch nicht nur SPD-, auch Unions-Politiker gießen mit ihrer Wirtschaftsschelte Öl ins Feuer. Und mit ihrem Linksruckeln und der Weigerung, endlich die Einkommensteuerlast für die Beschäftigten zu senken, gefährdet die große Koalition überdies die schon schwächelnde Konjunktur.

Auch dies verschärft die Vertrauenskrise der sozialen Marktwirtschaft. Das System, das eigentlich Wirtschaftswachstum und soziale Geborgenheit gleichermaßen liefern soll, droht jetzt in beiden Dimensionen zu versagen: Die wirtschaftliche Dynamik knickt unter der Steuer- und Abgabenlast ein – und darunter leidet wiederum das Steuer- und Abgabenaufkommen, mit dessen Hilfe soziale Wärme durch Umverteilung erzeugt wird.

Damit scheint sich zu bewahrheiten, was der 1992 verstorbene Wirtschaftsnobelpreisträger Friedrich August von Hayek befürchtet hat: dass der Zusatz „sozial“ die Funktionsweise der Marktwirtschaft so stark aushöhlen würde, dass sie am Ende ihren Charakter und ihre Leistungsfähigkeit einbüßen würde.

Lesen Sie weiter auf Seite 5: Die Verlierer der Steuerpolitik.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne

Beiträge zum Thema

Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterBildergalerien

zurück
  • Die Konkurrenz für Obama und McCain

    Die Konkurrenz für Obama und McCain

    Barak Obama und John McCain – diese Namen kennt mittlerweile jeder. Kein Wunder, denn nie war der Rummel um die US-Präsidentschaftswahl größer. Doch wissen Sie eigentlich, wer sich neben Obama und McCain noch um das höchste Amt der Vereinigten Staaten bewirbt? Bildergalerie 

  • Die Verlierer bei Bundespräsidentenwahl...

    Die Verlierer bei Bundespräsidentenwahlen

    Die Wahl des Kandidaten der Partei Die Linke, Peter Sodann, zum dreizehnten Bundespräsidenten ist unwahrscheinlich. Auch in der Vergangenheit gab es wenig aussichtsreiche Kandidaturen. Die Liste der Verlierer ist lang und beinhaltet namhafte Persönlichkeiten. Doch eini...Bildergalerie 

  • So will Deutschland die Banken retten

    So will Deutschland die Banken retten

    Eine Katastrophennachricht jagt die nächste und auch den Politikern in Deutschland ist inzwischen klar geworden, dass Versprechungen allein die Finanzkrise nicht aufhalten können. In einer Dringlichkeitssitzung beschloss das Bundeskabinett, der Finanzbranche mit fast e...Bildergalerie 

vor

 

 

weiterGlobal Reporting

Im Auge des Hurrikans 

15.10.2008Global Reporting

Schon gerettet? Nicht alle glauben daran. Wir seien erst im Auge des Hurrikans, schrieb am Montag angesichts des Börsenfeuerwerks ein Kolumnist auf dem griechischen Wirtschafts-Portal reporter.gr – der Skeptiker dürfte Recht behalten. Inzwischen zeigt sich: das Feuerwerk war ein Strohfeuer. Blog


weiterMadagaskar

Vorbild für alle Blogger 

14.10.2008Madagaskar

Paul Krugman ist nicht nur der fundierteste Bush-Kritiker überhaupt und Nobelpreis-gekrönter Ökonom, sondern auch ein Blogger. Und ein bescheidener noch dazu - was eigentlich ein Widerspruch in sich ist. Blog