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26.02.2008 
Essay

Das neue große Spiel

von Andrea Schmitz und Uwe Halbach

In Zentralasien entbrennt ein Machtkampf um Rohstoffe und Einfluss. Russland, China und die Europäische Union haben die große Bedeutung der Region erkannt. Das nützt den Eliten in der Region – zumindest kurzfristig.

Begehrte Rohstoffe: Ein Arbeiter an einer Öl-Pipeline in Kazahstan. Foto: ReutersLupe

Begehrte Rohstoffe: Ein Arbeiter an einer Öl-Pipeline in Kazahstan. Foto: Reuters

Zentralasien gewinnt für die Europäische Union stark an Bedeutung. Ein klares Indiz für das gewachsene Interesse an dieser Region ist die „Strategie für eine neue Partnerschaft mit Zentralasien“, die im Juni 2007 vom Europäischen Rat verabschiedet wurde. Der EU geht es im Wesentlichen darum, politische und wirtschaftliche Transformationsprozesse in Zentralasien voranzutreiben und die Region stärker an Europa zu binden. Sie verspricht sich davon eine intensivere Zusammenarbeit.

Die zentralasiatischen Eliten bestärken die Europäer in ihren Erwartungen durchaus. Allerdings steht die EU im Werben um die Gunst der Region nicht allein. Auch für Russland und China und zunehmend für Indien und Iran ist Zentralasien sowohl in energiepolitischer Hinsicht als auch als Absatzmarkt von großer Bedeutung.

Der wieder gewachsene russische Einfluss in Zentralasien und die ökonomische Expansion Chinas verläuft vor allem für die drei rohstoffreichen Staaten Kasachstan, Usbekistan und Turkmenistan durchaus nicht ohne Spannungen. Denn die russischen und chinesischen Investitionen in die zentralasiatische Energiewirtschaft zementieren die asymmetrische Struktur der Wirtschaftsbeziehungen und die damit verbundenen Abhängigkeiten.

Für die zentralasiatischen Eliten ist dieser Wettbewerb kurzfristig zwar mit hohen wirtschaftlichen und politischen Gewinnen verbunden. Er birgt aber auch Risiken: So besteht die Gefahr, dass die einseitige Festlegung der zentralasiatischen Ökonomien als Rohstofflieferanten für Russland und China den Aufbau einer auf breitem Fundament ruhenden Wirtschaftsstruktur hemmt und die ökonomisch dringend gebotene regionale Wirtschaftskooperation blockiert. Die Initiative der EU ermöglicht ihnen daher, Handlungsspielräume auszudehnen und den dominanten Einfluss Russlands und Chinas auszubalancieren.

Der Wettbewerb um Rohstoffe kommt den Eliten in den zentralasiatischen Staaten auch deshalb entgegen, weil er innenpolitisch genutzt werden kann. Die autokratischen Herrschaftsstrukturen werden von Russland und Europa gewöhnlich mit politischer Stabilität assoziiert. Sie sind aber für die Eliten in Zentralasien nicht ohne Risiko. Die Monopolisierung der Macht führt zu internen Machtkämpfen, die viel Energie absorbieren. Aus diesem Grund kann die internationale Aufwertung, die besonders die rohstoffreichen Staaten in Zentralasien seit einiger Zeit erfahren, auch innenpolitisch zur Imagepflege und damit zur Aufwertung und Stabilisierung von Herrschaftspositionen genutzt werden.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: begrenzte Spielräume für Europa

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